Skandal um Habsburg-Rede: "Fußball­match auf dem Heldenplatz"

Redaktion, 14. März 2008 17:27
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    Foto: apa/jäger

    Hier applaudiert ÖVP-Klubobmann Wolfgang Schüssel noch dem greisen Kaisersohn Otto von Habsburg. Anschließend musste er jedoch dessen unhaltbare Interpretation des März 1938 diskret korrigieren.

Zum Gedenken an 1938 ließ die ÖVP Otto Habsburg im Parlament auftreten - Schüssel musste das teilweise absurde Geschichtsbild des Kaisersohnes zurechtrücken

Wien - Wenn der Sohn des letzten Kaisers erstmals in seinem Leben im Reichsratssaal des Parlaments zum "Anschluss" 1938 spricht, dann könnte dabei eine spannende Zeitzeugenstunde herauskommen. Der 95-jährige Otto von Habsburg gestaltete jedoch seine Rede am Montag im Rahmen einer aufwändigen ÖVP-Feierstunde zum Thema "1938: Anatomie eines Unterganges", zu einer Wiederauflage des alten Opfermythos: "Wenn es immer wieder blamable Diskussionen darüber gibt, ob die Österreicher Mitschuldige oder Opfer waren, dann muss ich sagen, dass es keinen Staat in Europa gibt, der mehr Recht hat, sich als Opfer zu bezeichnen!"

Mit großem Feuer verwarf der 95-jährige Habsburg die an sich gesicherte Übereinkunft, auch die Österreicher hätten eine Verantwortung für die Geschehnisse: "Ein großer Akt von Heuchelei und Lüge."

Das kam vor diesem Publikum sehr gut an. Gelächter und Applaus erntete Habsburg von den hunderten geladenen Gästen aus dem ÖVP-Umfeld für das Bonmot: "Wenn irgendwo ein großer Rummel ist, dann kommen viele und jubeln. Wenn man von den 60.000 am Heldenplatz spricht - bei jedem Fußballmatch sind auch 60.000!" Abgesehen davon, dass rund 250.000-300.000 NS-Anhänger Hitlers "Vollzugsmeldung" auf dem Heldenplatz bejubelten, schüttelten doch einige Zuhörer über die Verharmlosung ("Rummel", "Fußballmatch") den Kopf.

Habsburg, der eigentlich über seinen gescheiterten Versuch hätte berichten sollen, sich in letzter Minute vom damaligen Kanzler Schuschnigg als Kanzler einsetzen zu lassen, bot eine Interpretation der Ereignisse, die mit den gesicherten Erkenntnissen auch konservativer Historiker nicht vereinbar ist.

Zuvor waren von Schauspieler Peter Matic die telefonischen Befehle, die Reichsmarschall Göring am 11. März an die österreichischen Nazis gegeben hatte, verlesen worden. Für Habsburg ein Beweis der deutschen Alleintäterschaft. Aber es waren eben genug Austro-Nazis da, die diese Befehle empfingen und umsetzten.

Klubobmann Wolfgang Schüssel musste daher diskret, aber deutlich korrigieren. Österreich war selbstverständlich auch Opfer. Aber man dürfe nicht vergessen, dass es "auch hausgemachte Fehler gab, zum Beispiel die Ausschaltung des Parlaments 1933 durch Dollfuß". Oder: dass das damalige autoritäre Regime Schuschniggs "viel zu spät auf die Versöhnung der Lager gesetzt habe", um eine gemeinsame Front gegen die NS-Bedrohung zu bilden. Die Österreicher seien "leider auch Täter geworden" - und die tobende Masse sei "nicht so harmlos wie bei einem Fußballmatch".

Wer allerdings auf die Zuhörer, darunter viele Schüler, einen größeren Eindruck machte, Habsburg mit seiner Emphase oder Schüssel mit seiner Korrektur, ist die Frage. (Hans Rauscher/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11. 3. 2008)

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derPolizist
20.03.2008 21:37
odranoel-64
14.03.2008 18:30
Die ÖVP-Einladung an O. Habsburg ins Parlament ist ein wohlkakulierte Auftakt zu einer baldigen Neuwahl

da ja bekannt ist, dass die Stimmen der Monarchieanhänger für 1 -2 Mandate im NR gut sind. Da sollte doch das schräge Geschichtsbild keine Rolle spielen und die ÖVP-Mannschaft kann stehend Ovation bekunden. Wohl in sentimantaler Erinnerung an einen Ständestaat, der die Hälfte der Bevölkerung kujonierte (offenbar als Handlungsanleitung für den Umgang mit den "roten Gfrisern").
Dr. Schüssels Ergänzung ist wohl als Einverständnis zu orten.

Kalvarienberg
13.03.2008 11:35
prof. mantak
 
06.06.2008 15:16
Die wesentlich schlaueren Schweizer haben die Habsburger schon anno dazumal mit allen Mitteln verjagt!

Im thumben Österreich werden diese kriminellen Elemente auch 2008 noch mit allen Ehren empfangen.

Eine Schande!!!

Fritz Wunderlich
13.03.2008 10:13

Der alte Otto, der den Dollfuß-Putsch immer verteidigte, schon wegen der Aufhebung der Habsburger-Gesetze.

Oskar!
12.03.2008 11:16
Man muß auch Verständnis für den guten Senilo haben ...

... oder fast dankbar sein, wenn man endlich das Weltbild dieser Kaste verstehen darf:

Er will uns - sein Volk - ganz einfach in Schutz nehmen, wie es sich für einen Landesvater nunmal gehört. "Hamm's a bissl über die Stränge g'haut am Heldenplatz damals und war'n net brav!"

Aber er sieht das gnädig seinen Untertanen nach, spielt die Hetz' am Heldenplatz herunter und will nicht als nachtragender, kleinlicher Monarch die Kapuzinergruft besiedeln.

tschusch
 
12.03.2008 20:52
zum K*****

Da wird einen ja schlecht, wenn man hört Österreich sei ein Opfer des NS Regimes gewesen. Österreich war das NS- Regime! Die mehrheit der Bevölkerung wusste über die Ziele des NS-Regims bescheit und unterstützten das auch. Wenn Hitler von Linz bis nach Wien unbeschadet im offenen Auto fahren konnte, dann sehe ich die damalige Österreichische Bevölkerungen als Täter und nicht als Opfer. Und 100.000 Menschen die die rechte Hand heben sind keine Opfer.



mfg

Franz K
05.06.2008 23:53
Zum K...sind Posting wie das ihre.

Die Mehrheit der Österreichischen Bevölkerung wußte eben NICHT über die eigentlichen Ziele des NS Regimes bescheid.Wie auch.Ja,Österreich hat sich besetzen lassen,weil die meisten geglaubt bzw gehofft haben,daß eine Wende zum Guten dadurch geschaffen wird.Das wäre sicher NICHT passiert,wenn die Pläne und Ziele Hitlers bekannt gewesen wären.Insofern war Ö ein Opfer:H und die Nazis haben den Österreichern die heile Welt,den Wohlstand versprochen und vorgegaukelt aber verschwiegen,daß sie durch Krieg,Mord und Völkervernichtung entstehen soll.Sie glauben doch nicht allen Ernstes daß ein Großteil der Bevölkerung Österreichs das,was danach geschehen ist,gutgeheißen und bejubelt hätte.Wenn ja:sie wollen Ö als Schuldigen sehen ungeachtet der Facts

prof. mantak
 
06.06.2008 15:23
Sie sind unbelehrbar!

Lernen Sie Geschichte!

Die ärgsten und brutalsten NAZIs waren Österreicher - angefangen beim GRÖFAZ.

Auch die Rolle der Kirchen sollte einmal besser aufgeklärt werden - sie haben die Menschen zusätzlich gegen die jüdische Bevölkerung aufgehetzt und in den Krieg getrieben.

Franz K
22.06.2008 12:20
Sie suhlen sich gern darin

die Österreicher als DIE Naziverbrecher, DIE Brutalos, DIE Unmenschen schlechthin darzustellen. So was ist weder sachlich noch sonderlich sympathisch. Eigentlich widerlich. Warum tun sie das?
Ja, es hat genauso Österreichische Nazis gegeben, und es hat Österreicher gegeben, die Greueltaten verübt haben. Das bestreitet niemand.
Aber es ist einfach falsch zu sagen, alle oder auch nur die Mehrheit hätte von den eigentlichen Zielen Hitlers gewußt. Und es ist auch falsch zu behaupten, die Österreicher wären die schlimmsten gewesen.
Wer Schuldig ist, gehört zur Verantworung gezogen, aber nur für die Sschuld, die er auf sich geladen hat. Nicht mehr.

prof. mantak
 
22.06.2008 18:26
Sie haben Talent durch geheuchelte Moral von der Realität abzulenken.

Wie gerecht die Schuldigen von den österreichischen Gerichten zur Verantwortung gezogen wurden, können Sie ja hier nachlesen:

Die 35 österreichischen Prozesse wegen NS-Verbrechen seit der Abschaffung der Volksgerichte

http://www.nachkriegsjustiz.at/prozesse/... e56_04.php

Dafür kann man sich als Mensch und Österreicher eigentlich nur genieren - ich bezeichne mich deshalb auch lieber als Europäer.

Franz K
23.06.2008 07:14
Herr 'Prof'

sie sollten meine Posting ordentlich lesen und darauf sachlich argumentieren, nicht mit pawlowschem Antinazigeschrei antworten das nicht einmal zum Inhalt meines Postings paßt.
Ich wiederhole mich: wer ist Schuldig ist, soll zur Verantwortung gezogen werden, wer es nicht ist nicht. Pauschalierungen sind abzulehnen, wer alle Österreicher am Heldenplatz als echte Nazis bezeichnet pauschaliert, wer sie pauschal verurteilt verübt Lynchjustiz und ist jn seiner Eisntellung, seinen Gedanken um nichts besser als die Nazimitläufer die von den Zielen gewußt haben.

prof. mantak
 
23.06.2008 12:03
Ich habe mich mit der Zeit der beiden Diktaturen eingehend auseinandergesetzt und denke zu wissen, was tatsächlich passiert ist!

Das G´schichterl mit der Opferrolle, die Österreich angeblich gespielt haben soll - wie uns konservative Kreise immer vorlügen wollen - glaubt doch heute kein gebildeter Mensch mehr.

Dass die echten NAZI-Schwerverbrecher eben kaum von österreichischen Gerichten verurteilt bzw. frei gesprochen wurden, wollte ich Ihnen mit meinem vorigen Posting zeigen. Warum wohl??? Von den vielen Mitläufern rede ich doch gar nicht - natürlich haben alle im Nachhinein von nichts gewusst.

Sicherlich sind nicht alle mit der Meute mitgelaufen und einige besonders Mutige haben sogar ihr Leben im Widerstand riskiert. Diese besonders tapferen österreichischen Menschen hatten - im Gegensatz zu den Mitläufern - große Probleme eine Pension zu erlangen.

K R
06.06.2008 14:09
Zum K***** sind Geschichtsleugner

österreicher waren die treibenden kräfte des ns-regimes, österreich war der erste gau, der eifrigst menschen in konzentrationslager "geliefert" hat, ein jahr bereits vor dem deutschen "stammland"

in wien wird heute noch ein extrem antisemitischer bürgermeister hofiert, in wien erlernte AH seinen antisemitismus.

in österreich hört man bis zum heutigen tage frequent von alten tattergreisen den satz "das hätt´s unterm ... net gebn"

wie schon fischler vollkommen richtig sagte - österreich ist weltmeister - im erstellen der lebenslüge "wir waren opfer"

abertausende frenetisch jubelnde menschen 1938 - alles opfer ...

Franz K
22.06.2008 12:26
Geschichtsleugner

und Geschichtsverdreher, beide gehören derselben Kategorie an. Schuld zu leugen ist verwerflich, jemanden zum Sündenbock machen aber noch viel mehr, weil das die Qualität von Lynchjustiz hat. Diejenigen, die mit allen Mitteln den Österreichern mehr Schhuld aufladen wollen als diese auf sich geladen haben sind um nichts besser als jene die ihre eigene Schuld leugnen.

K R
23.06.2008 04:12
lynchjustiz

die wahrheit sagen ist lynchjustiz ???

DER ist dreist, ein wahrlich österreichisches, rechtes statement.

in österreich wurde nach dem krieg das braune verbrecherpack gehegt und gepflegt, nicht verfolgt.

fragen sie z.b. mal lacina & heinz fischer ...

x12r13
13.03.2008 14:20

ist ja auch kein geheimnis das 90% der österreicher die nationalsozialistische idee gutgeheissen haben. wird aber medial seit 60 jahren ignoriert. fragt sich nur wovon der gute herrscher-von-gottes-gnaden filius spricht, wenn er die meinung vertritt, dass die österreicher dagegen waren.

PaoloPinkel
15.03.2008 14:32

Quellen für diese ungeheure Aussage?

pro uhudler
12.03.2008 10:27
Ich kenne derzeit keine andere Tageszeitung, welche offensichtlich....

..intelligente, sinnvolle postings nicht veröffentlicht,
jedoch verrückt gewordenen schwarzen Demagogen
und Geschichtsverdrehern hier eine Plattform bietet !

Zum Glück gibt es allg. anerkannte Historiker, die
Tatsachen werden dadurch transparent...

...es soll ja auch monarchistisch-katholisch ange-
hauchte Berufsstudenten bei derStandard geben...

pro uhudler
12.03.2008 08:27
Sehr gut nachvollziehbar ! Die VP-Berufsjugendlichen hier....

....sind nicht einmal in der Lage, eigene Gedanken-
gänge zu produzieren. Sie warten die Wortmeldungen
der VP-Proponenten ungeduldig ab um diese in unter-
würfiger und autoritätshöriger Manier mit dumpfen
Nebengeräuschen nachplappern....

Max Kahlenberg
12.03.2008 01:21
Zum Thema "Irrsinn" in AT Folgendes:

http://www.spiegel.de/kultur/ge... 04,00.html

systemfehler1
12.03.2008 06:48
Sie waren eben gut vorbereitet,

unsere Landsleut´, und keineswegs Opfer, wie Herr Habsburg zu verbreiten sucht.
Ich frag´ mich, wann der ORF gedenkt, diese Doku zu bringen.
Die Habsburg Rede und vor allem die unerträglichen reaktionen darauf bringen Österreich sicher wieder ein Stück "vorwärts", was das internationale Ansehen betriffrt.
A Schande das.....

Stefan Tisza
12.03.2008 12:10

Herr Habsburg sprach auch nicht von der Bevölkerung, sondern von dem STAAT Österreich, das ist der entscheidende Unterschied. Und den Staat kann man durchaus als Opfer bezeichnen. Dieser ist durch Gewaltandrohung, Propaganda und Machtspiele von der Landkarte getilgt worden. Sowohl unter Dollfuß als auch unter Schuschnigg war man nicht dafür.

Mit der Bevölkerung Österreichs wars ja natürlich eine andere Geschichte, da gabs viele Täter, aber auch einige Opfer.

Übrigens hat das der Standard wohl falsch zitiert, wenn man Original-Ausschnitte auf Ö1 hört, spricht er klar vom Staat, und nicht von den Österreichern, wies oben steht.

Fritz Wunderlich
13.03.2008 10:12

Nicht den Staat, sondern den Ständestaat Österreich, da er den Dollfußputsch immer verteidigte.
Naja, schließlich wurden ja die Habsburger-Gesetze gleich aufgehoben. Soviel Dankbarkeit muss sein.
Ich weiss ja nicht, ob Sie Nachfahre der Tiszas sind, aber auf dem Hintergrund von deren gutem Verhältnis zu den Habsburgern sind Ihre Stellungnahmen verständlich.

Hannes M.1
15.03.2008 09:59

...ob ständestaat oder nicht, das spielt im zusammenhang mit anschluss an deutschland keine rolle...

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