Spekulationen über Waffenruhe im Gazastreifen

13. März 2008, 09:23
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"Ha'aretz": Vereinbarung zwischen Israel und Hamas

Die plötzliche Entspannung in der Konfrontation um den Gazastreifen sei kein Zufall, sondern das Ergebnis einer Art Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas, berichteten israelische Medien am Montag. Seit Freitag sind nur noch vereinzelte Raketen auf Israel abgefeuert worden, und keine von ihnen war auf die Großstadt Aschkelon gerichtet. In den Wochen davor war Israel an manchen Tagen von dutzenden von Raketen getroffen worden. Zugleich haben die Israelis seit einigen Tagen Luftschläge auf Ziele im Gazastreifen und Vorstöße am Boden unterlassen.

Die Tageszeitung Ha'aretz gab Einzelheiten einer inoffiziellen Vereinbarung wieder, die von Ägypten und den USA vermittelt worden sein soll. Demnach gäbe es eine Art Preisliste: Bei einem völligen Stopp des Raketenfeuers würde auch Israel stillhalten, Raketen auf Sderot würden aus der Luft beantwortet, Raketen auf Aschkelon würden Bodenvorstöße wie jene nach sich ziehen, bei denen zuletzt mehr als 100 Palästinenser starben. Verteidigungsminister Ehud Barak dementierte, dass es eine Vereinbarung mit der Hamas gebe, und auch die Hamas bestritt die Existenz eines Geheimabkommens.

Die Annapolis-Verhandlungen, die Palästinenserpräsident Mahmud Abbas wegen der Gefechte im Gazastreifen eingefroren hatte, dürften diese Woche wieder aufgenommen werden. Unklar ist, wie sich die Verstimmung der Palästinenser über ein neues Bauprojekt auswirken wird, das Israels Premier Ehud Olmert genehmigt hat. In der Siedlung Givat Seev, die unmittelbar neben Jerusalem liegt, sollen 750 zusätzliche Wohnungen entstehen. Es handelt sich dabei um eine der Zonen, die nach israelischer Auslegung in jeder künftigen Regelung bei Israel bleiben würden. Weil Olmert zu Konzessionen bereit ist, wird er von vielen Studenten der national gesinnten Religionsschule in Jerusalem, die am Freitag überfallen wurde, angefeindet. Ein Kondolenzbesuch des Premiers soll nicht erwünscht gewesen sein, weil Olmert einen Teil des Landes Israel aufgeben will, sagte ein Vertreter der Schule. (Ben Segenreich aus Tel Aviv/DER STANDARD, Printausgabe, 11.3.2008)

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