Ungereimtheiten bei Hausverkauf

8. April 2008, 11:38
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Eine Immobilie auf den Wiener Nordbahngründen wurde ohne Bewertung des Gebäudepotenzials veräußert

Wien - Der Verkauf samt Rückmietung der Liegenschaft Erdberger Lände 36-48 (mit um ein Viertel höheren Mietkosten durch Rail Cargo Austria) ist nicht der einzige Immobiliendeal, den der Rechnungshof (RH) nach seiner umfangreichen Prüfung im Jahr 2007 zerpflückt. Harsche Kritik üben die staatlichen Buchprüfer auch am Liegenschaftsverkauf Nordbahnstraße 50 in Wien.

Das aus der Gründerzeit stammende ehemalige Direktionsgebäude im zweiten Bezirk wurde laut RH-Rohbericht ohne Kosten-Nutzen-Analyse, ohne Beurteilung des Gebäudepotenzials und der zu erwartenden Betriebskosten verkauft. Käufer ist, wie der Standard exklusiv berichtet hat, die BA-CA Real Invest Immobilien Kapitalanlage. Auch stört den RH "die fehlende Transparenz bei der Auswahl der Investoren und bei den geführten Verhandlungen" sowie die "vom ursprünglichen Beschluss des Aufsichtsrats abweichende Vertragsgestaltung mit nicht abschätzbaren wirtschaftlichen Folgen". Mit Vertragsdetails wurde der Aufsichtsrat laut RH gar nicht mehr befasst.

Diese Vertragsgestaltung ist, wie berichtet, weder für den Verkäufer ÖBB-Infrastruktur Bau AG ausgesprochen vorteilhaft noch für den künftigen Mieter des Objekts, die ÖBB-Infrastruktur Betrieb AG. Letztere muss sich laut ÖBB-Standortkonzentrationskonzept nach der Sanierung für 15 Jahre in der Nordbahnstraße einmieten, und zwar zu einer deutlich höheren Miete als in der früheren Konzernzentrale in der Elisabethstraße 9 im ersten Bezirk.

Mangelnde Transparenz

Der Verkauf selbst beschäftigte die ÖBB gut fünf Jahre, verlief aber trotzdem nicht transparent, wie der RH anmerkt. Im Jahr 2002 war das weitgehend leerstehende, aber im Keller zwei Transformatoren und einen Niederspannungsverteiler beherbergende Gebäude von einem (nicht gerichtlich zertifizierten) Sachverständigen auf einen Verkehrswert von 9,6 Millionen Euro taxiert worden. Im August 2005, acht Monate nach dem Umbau der ÖBB in fünf AG und zahlreiche GmbH, wurde der Mindestverkaufspreis mit 10,75 Mio. Euro fixiert - ohne die damalige Bewertung zu überprüfen.

Im Oktober lud die mit Verwaltung und Verwertung des gesamten ÖBB-Immobilienbesitzes beauftragte ÖBB-Immobilienmanagement GmbH acht Unternehmen zur Angebotslegung ein, von denen bis Juli 2006 fünf über dem Mindestverkaufspreis lagen. Bestbieter war mit 13,10 Mio. Euro die zur Wlaschek-Gruppe gehörende Ermione Immobilieninvest beta, die jedoch - nach Standard-Berichten über mögliche finanzielle Nach- teile für den künftigen Mieter ÖBB-Infra-Betrieb AG - im April 2007 absprang.

ÖBB-Immo-Chefin Michaela Steinacker, die Kritik an Vorgangsweise und 15-jährigem Kündigungsverzicht für den neuen Mieter stets zurückwies, "begann daraufhin Verhandlungen mit einem bislang nicht beteiligten Investor", wie der RH schreibt. Der Investor, die BA-CA Real Invest, nahm der ÖBB das ehemals kaiserliche Gebäude im Dezember 2007 um 13,10 Mio. Euro ab und schloss mit der finanziell klammen ÖBB-Betrieb AG einen für 15 Jahre unkündbaren Mietvertrag in Höhe von rund 1,88 Mio. Euro ab.

Was den Rechnungshof besonders stört: dass der Käufer als "Generalübernehmer" auch für den auf 23,45 Mio. Euro geschätzten Umbau aufkommt, wodurch "die ÖBB-Infra Bau AG die Kontrolle über Investitionsvolumen und Qualität der Bauausführung verlor".

Fazit: Der Rechnungshof empfahl, für einen transparenten Ablauf von Projekten Sorge zu tragen und übliche Instrumente des Projektmanagements anzuwenden. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.03.2008)

  • Das Haus in der Nordbahnstraße 50 in Wien ist eine Toplage, da Stadterweiterungsgebiet.
    foto: standard/fischer

    Das Haus in der Nordbahnstraße 50 in Wien ist eine Toplage, da Stadterweiterungsgebiet.

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