"Bauern haben nichts von gestiegenen Preisen"

11. April 2008, 09:43
5 Postings

Warum steigende Nachfrage und höhere Lebensmittelpreise den Biobauern keinen Vorteil bringen, erklärt der grüne Landwirtschaftssprecher und Biobauer Wolfgang Pirklhuber

Warum steigende Nachfrage und höhere Lebensmittelpreise den Biobauern keinen Vorteil bringen, erklärt der grüne Landwirtschaftssprecher und Biobauer Wolfgang Pirklhuber im Gespräch mit Johanna Ruzicka.

***

STANDARD: Biobauern muss es derzeit sehr gut gehen: Die Nachfrage und die Nahrungsmittelpreise steigen.

Pirklhuber: Das ist leider nur teilweise richtig. Bioprodukte werden vom Konsumenten zwar gerne gekauft, trotzdem werden es immer weniger Biobauern. Derzeit sind es nur mehr knapp 20.000 Biobetriebe. Das wird zwar jetzt zu reparieren versucht. Das Ziel ist, 10.000 Biobetriebe mehr zu bekommen, aber das Faktum einer verfehlten Förderpolitik bleibt.

STANDARD: Aber es gibt doch den Grünen Pakt?

Pirklhuber: Ja, den gibt es. Aber da wurden die Umweltmittel entgegen den Ankündigungen gekürzt. Und zwar um 19 Prozent; in der Praxis erhalten die meisten Biobetriebe bereits für 2007 um 30 Prozent weniger, manche sogar 45 Prozent. Insgesamt betrugen die Kürzungen 2007 mehr als 130 Millionen Euro.

STANDARD: Warum?

Pirklhuber: Darüber kann ich nur spekulieren. Beträchtliche Mittel wurden in Investitionsförderungen, etwa Stallbau oder Erntemaschinen, umgeschichtet. Es scheint, dass sich das Fördersystem unter Minister Josef Pröll mehr in Richtung Förderung von Großbetrieben entwickelt - mit der ganzen Problematik von mehr Intensivierung in der Landwirtschaft.

STANDARD: Vielleicht geht es bei den Biobetrieben sowieso ohne Förderungen?

Pirklhuber: Das geht sicherlich nicht. Die steigenden Nahrungsmittelpreise beruhen ja auf gestiegenen Energiekosten, die die ganzen Vorleistungen in der Landwirtschaft beeinflussen. Ein Tierhalter mit biologischer Landwirtschaft muss komplett biologisches Tierfutter verwenden. Die Futtermittelpreise aber haben sich verdoppelt. Die Bauern, insbesondere die Biobauern, haben von den gestiegenen Lebensmittelpreisen in der ganzen Verarbeitungs- und Vertriebskette am allerwenigsten. In dieser Situation können die Betriebe auf die 20.000 bis 40.000 Euro im Jahr nicht verzichten.

STANDARD: Sie sind selbst Biobauer. Sind Sie da nicht Partei?

Pirklhuber: Jeder ist irgendwie immer Partei. Aber man muss auch bedenken, dass die Biobauern auch für den Klimaschutz mehr tun als etwa konventionelle Bauern, ebenso für den Boden- und Wasserschutz. Einfach, indem sie nachhaltiger arbeiten. Das sollte auch was wert sein. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.03.2008)

Zur Person
Der Linzer Boku-Absolvent Wolfgang Pirklhuber, Jahrgang 1961, ist Biobauer, Nationalratsabgeordneter und grüner Landwirtschaftssprecher.
  • Biobauer und grüner Landwirtschaftssprecher Wolfgang Pirklhuber.
    foto: standard/corn

    Biobauer und grüner Landwirtschaftssprecher Wolfgang Pirklhuber.

Share if you care.