Bau- und Supermärkte stellen Blumenhandel in den Schatten

10. April 2008, 17:33
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Der geplante Verkauf von Holland Blumen Mark an den Sanierer Anton Stumpf zeigt, dass der Markt an Kraft verloren hat

Die Branche vermutet, dass den Investor nur die Immobilien reizen.

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Wien - Der Einstieg des Linzer Investors und Sanierers Anton Stumpf in das Blumengeschäft sorgt in der Branche für Skepsis. Stumpf will die ins Straucheln geratenen rund 120 Holland Blumen Märkte übernehmen. Ihr Eigentümer, der Holländer Cornelius van der Velden, zieht sich zurück. Er hinterlässt ein Unternehmen mit seit Jahren sinkenden Umsätzen und Verlusten - allerdings mit teils guten Standorten.

Marktkenner vermuten daher, dass Stumpf vor allem die Immobilien reizen. Es ist nicht das erste Mal in Österreich, dass Investoren ins Blumengeschäft hineinschnuppern. Bei mindestens zwei Ketten gab es in den vergangenen Jahren eine Due-Diligence-Prüfung - mit der Folge, dass sich die Interessenten zurückzogen.

Rückläufiger Markt

"Der Markt für Schnittblumen und Zimmerpflanzen ist alles andere als rosig. Er ist seit Jahren rückläufig", zieht Andreas Kreutzer von Kreutzer, Fischer & Partner Bilanz. 330 Mio. Euro sei er schwer. 2007 sank das Geschäft mit Schnittblumen laut einer Studie des Marktforschers um sieben Prozent. Bei Zimmerpflanzen gab es ein Minus von zwei bis drei Prozent. Unter Druck seien vor allem Anbieter von Standardware, sagt Kreutzer. Denn Baumärkte und Lebensmittelketten schnitten sich große Stücke des Marktes ab. Und die kleinen innovativen Floristen wiederum holten sich die exklusiveren Geschäfte zurück.

Holland Blumen Mark war einst der Pionier in Österreich. Der Diskonter mischte in den 70er-Jahren unter van der Velden den Markt auf, machte die Blume für jedermann leistbar und grub Floristen den Markt ab. Selbst aufgelassene Tankstellen wurden gekauft und in Holland-Läden umgewandelt. Doch mittlerweile decken Supermärkte das Geschäft des früheren Blumenkönigs ab.

Rund 30 Millionen Umsatz

Die Standorte seien veraltet und für seine Branche keine Konkurrenz mehr, sagt Rudolf Hajek, Bundesinnungsmeister der Floristen. Auf das "t" bei Markt muss die Kette seit einer Klage anderer Händler in den 90er-Jahren verzichten.

Holland Blumen Mark hat 2006 mit 480 Mitarbeitern 29,8 Mio. Euro umgesetzt. Das Betriebsergebnis war wie auch in den Jahren zuvor negativ. 16 Standorte wurden zugesperrt und die Restrukturierung im Vorjahr fortgesetzt. Die Bilanz 2007 ist noch nicht veröffentlicht. Van der Velden - er betreibt auch einen Blumengroßhandel - ist seit Jahren zu keiner Stellungnahme bereit.

Gartengeschäft blüht

Zimmerpflanzen fristen ein Schattendasein - das Geschäft mit Gartengestaltung blüht jedoch auf, sagt Kreutzer. Aber auch hier mischen Baumärkte kräftig mit. Gartencenter machen oft bis zu 45 Prozent ihrer gesamten Verkaufsfläche aus, rechnet der Regioplan-Experte Michael Oberweger vor. Flächen von 2500 Quadratmeter für das Grüne seien bereits Standard. Auch Möbelkonzerne pflegen ihren grünen Finger: Ikea etwa hat vor kurzem zwei deutsche Standorte um riesige Glashäuser erweitert.

Dass Branchenfremde auch Fachketten wie Bellaflora hart zusetzen, das lässt das Familienunternehmen nicht gelten. Bellaflora habe den Umsatz im Vorjahr um drei auf 78 Mio. Euro brutto gesteigert, heißt es aus der Firmenzentrale. Die Kette erzielt laut Bilanz Gewinne und will auch heuer flächenbereinigt wachsen. Stark gefragt seien Biopflanzen.

Ob das Geschäft floriert, das hängt vom Wetter ab, sagt Anton Starkl von der gleichnamigen Gärtnerei. Aber in seiner Branche werde ohnehin langfristig gedacht. "Meine ältesten Pflanzenkulturen sind 20 Jahre alt. Irgendwann klappt das mit dem Verkauf." Sorge bereite der fehlende Gärtnernachwuchs. Es sei eine schwere Arbeit, "und unsere Leute müssen mehr lateinische Namen kennen als ein Arzt." (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8./9.3.2008)

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    Der Markt für Schnittblumen ist alles andere als rosig. Im Vorjahr sank der Umsatz laut Kreutzer, Fischer & Partner um sieben Prozent.

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