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Reich an Wortspielen
Fünf Jahre brauchte der Transfer von GEB in den deutschsprachigen Raum. Es folgten im Zuge der in den späten 1980er-Jahren aufkommenden Debatte über Künstliche Intelligenz weitere Bücher aus seiner Feder, Metamagicum etwa und 1996 Die FARGOnauten, abgeleitet vom Anagramm der von ihm geleiteten Forschungsgruppe Fluid Analogies Research Group FARG. Doch schon Hofstadters ein Jahr später erschienenes Le Ton bon de Marot: In Praise of the Music of Language, ein 632 Seiten starkes monstre sacré über den französischen Renaissancepoeten Clement Marot (1496–1544), erschien nie auf Deutsch. Der Grund: Es ist derart überreich an unübersetzbaren Wortspielen und an Reflexionen über Sprache, Übersetzung und Variation, dass eine Eindeutschung eine Sisyphusaufgabe und ökonomisch zu gewagt wäre.
Angestrengt heiter
Dieser Ausflug des musisch sehr interessierten und sprachlich hochbegabten Informatikers in die Poesie – 1999 übersetzte er Alexander Puschkins Eugen Onegin – wurde nur in Maßen goutiert. Es mutete zu sehr als Hommage, als menschlich höchst verständliche Kanalisation seiner Trauer über den Tod seiner Frau Carol an. Diese war 1993 im Alter von 43 Jahren gestorben und hatte ihn, der daran psychisch fast zerbrach, mit zwei kleinen Kindern zurückgelassen. In den vergangenen zehn Jahren ist es zwar nicht still geworden um den Kognitionswissenschafter aus dem Mittleren Westen, doch lange musste man auf eine buchlange Veröffentlichung warten.
GEB war, wie ein amerikanischer Kritiker sehr treffend schrieb, eine "Nerd-Bibel". Wird dies auch von seinem jüngsten Buch 'Ich bin eine seltsame Schleife' (IBESS) zu erwarten sein? Das muss vorerst offen bleiben. Auch hier trifft man auf dasselbe wild entfesselte Potpourri wie in GEB, auf eine im Parlandoton dahinrollende Mischung aus Logik, Mathematik, Philosophie und persönlichen Anekdoten, auf eine Melange aus Erkenntnissen der Kognitionswissenschaft, der Informatik, der Wissenschaftsgeschichte, der Musik und der Kunstgeschichte plus autobiografischen Erinnerungen und plastischen Beispielen aus dem Alltag. Und auf einen etwas angestrengt heiteren Ton, der aus vielem, aus zu vielem noch ein lässiges Wortspiel, eine typografisch in Klammern gesetzte Pseudo-Lockerheit herauspressen und Heiterkeit verbreiten möchte, die in merkwürdigem Kontrast zu seinem Alter – Hofstadter, 1945 geboren, steht kurz vor der Pensionierung – und seinen biografischen Tragödien steht.
Sein Duktus wirkt im Lauf der vielen hundert Seiten zusehends künstlich juvenil, ja anbiedernd. Hofstadter hätte das im Grunde nicht nötig. Er präsentiert ein Buch, das kein österreichischer Ordinarius, kein Schweizer Hochschullehrer und erst recht kein deutscher Universitätsbeamter so schreiben könnte. Und auch nicht so schreiben würde, bildlich gesprochen: in Joggingshorts, T-Shirt und Tennisschuhen. Verständlich, in klarer Sprache und auf Augenhöhe mit seinem Publikum. Und mit dem Fotoalbum in der Hand. Denn IBESS nimmt seinen Ausgang in der eigenen Lebens- und Familiengeschichte. Genauer: Bei seiner jüngeren Schwester, die nach einer neurologischen Erkrankung in ihrer Kindheit bis heute weder sprechen noch Sprache verstehen kann. Dies führt ihn zu den zentralen Fragen, die das intellektuelle Herz von IBESS bilden: Was ist Beseeltheit, was das Bewusstsein? Was das Denken? Die Selbstwahrnehmung, die Selbstreflexivität? Wie bestimmt das Gehirn das Wesen einer Person? Seine Basisthese ist, dass Menschen selbstreferenzielle Strukturen sind, "Schleifen", wie er es nennt.
Mysteriöse Wesenheit
"Es ist dieses 'Ich'", so Hofstadter, "das der primäre Beweger ist, die mysteriöse Wesenheit, die allem zugrunde liegt und alle Handlungen des Menschen bestimmt. Wenn ich möchte, dass etwas geschieht, dann bin ich gewillt, es geschehen zu lassen, und wenn es meiner Kontrolle nicht entzogen ist, dann wird es normalerweise auch geschehen." Immer wieder blitzt da auch ein großes Staunen auf vor dem menschlichen Geist, diesem glänzenden Wunder, das sich selbst erhält, das "vage" ist und "metaphorisch, mehrdeutig und augenblicksweise von überwältigender Schönheit".
Er, der Metaphysisches souverän ignoriert und Religion links liegen lässt, geht noch einen Schritt weiter, wenn er schreibt: "Wenn Sie davon ausgehen, dass das, was Bewusstsein eigentlich ausmacht, eine Art abstraktes Muster ist, dann versteht es sich von selbst, dass jedes Muster, das in meinem Gehirn existiert, genau so gut in jeder anderen physischen Struktur existieren kann." Und so insistiert er darauf, dass in ihm ein Teil seiner Frau, seiner Lebens- und Seelengefährtin, weiterlebt. Die gelebte Trauer führt ihn zur Schlussfolgerung, dass die seltsamen Schleifen anderer Ichs in die eigene Schleife, in die eigene Seele, überführt werden können. Es sei möglich, so seine etwas gewagte Hypothese, dass sich Seelen gleichsam durchdringen und so ein Zuwachs an Mitgefühl entsteht.
Das Buch wäre noch anregender, hätte Hofstadter sich dazu durchringen können, in jenen Passagen, in denen er über die Transgression von Seelen nachdenkt, neurologische Erkenntnisse aus der jüngsten Zeit zu berücksichtigen. So wäre etwa sein Mitfühl-Konzept ob des Umstandes, dass zwei Regionen des menschlichen Gehirns, der frontoinsulare Cortex und der Vorderteil des Gyrus cinguli, als Sitz der Emotion 'Empathie' indentifiziert wurde, durchaus anders ausgefallen.
"Sie fragen: Was ist das, was Philosophen "qualitative Zustände" genannt haben?", meinte einmal der New Yorker Philosoph Ned Block. "Und ich antworte, nur halb im Scherz: Wie Louis Armstrong schon sagte, als man ihn fragte, was Jazz sei: Wenn du erst fragen musst, wirst du es nie verstehen." Dieser Befund gilt auch für dieses Buch. Das Prinzip der Zeitschleife praktiziert indes auch Douglas Hofstadters deutscher Verlag, auf eine ebenso hartnäckige wie kuriose Weise: Klett-Cotta wirbt immer noch unverdrossen mit einem mehr als ein Vierteljahrhundert alten Porträtfoto des Amerikaners. Douglas Hofstadter ist schon eine seltsame Schleife. (Alexander Kluy/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8./9. 3. 2008)
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ist eigentlich nur, dass diejenigen, die darüber eh schon bescheid wissen, dass an einer f(x) das f das entscheidende ist, nur den titel lesen brauchen und die anderen weiterhin schlechte fotos machen und sich über die anzahl der pixel unterhalten....
welche, wenn sie sich mit dem Inhalt nicht auseinander setzen können, mittels einer Kategorisierung auf-, oder abwiegeln.
Ein Musterbeispiel für die Verschlingungen zwischen der formalen und inhaltlichen Denkebene, im Sinne Hofstadters.
Im Sinne von Eco sind Sie das Symbol einer was-ich-nicht-verstehe-muss-ich-diffamieren Ideologie. Keine Kraft aber viel Getöse.
und doch folgen viele seiner Kompositionen strengen mathematischen Mustern. Seine Fugen sind so meisterlich, dass die von ihm erreichte Anzahl der vollendet miteinander verwobenen Stimmen auch heute nur mit Computerprogrammen erzielt werden können. Der Krebskanon ist tatsächlich ein Endlosenschleifenwerk, dass sich im Kreis dreht, ähnlich einem Pallindrom der Sprache. Haben sie die Basics jetzt verstanden?
Mir ist der Begriff „Musik ist Mathematik“ (die ja auch evident vorhanden ist) meines Musiklehrers in einem ganz neuen Licht erschienen. Ob nun gerade Bach geeignet ist, kann ich nicht beurteilen. Jedenfalls geniale Darstellung der Mehrstimmigkeit und der Kanons.
Btw. Gerade auf Seite 210 und hab es leider nur noch max. eine Woche. :-(
Ich sag's mal in Anlehnung an Richard Feynman so: Wer glaubt, dieses Buch verstanden zu haben, hat es nicht verstanden ;-)
Oder anders gesagt: Dieses Buch handelt von vielem. Nur nicht immer von dem, von dem es zu handeln scheint.
Einer der Aspekte, der hinter allem steckt, und den Hofstadter zu vermitteln versuchte, waren Erkenntnisse durch Analogien. Ein Thema, welches ihn bis heute beschäftigt. Ich denke, dieser Aspekt ist es auch, der Bach immer wieder mit ins Spiel brachte.
Leider wurde das Buch häufig missinterpretiert. Dies ist auch der Grund für das neue Buch, in dem alles noch einmal auf andere Art erklärt werden soll.
sagen sie doch gleich, dass sie `s nicht gelesen/nicht verstanden haben! Das währe nicht weiter schlimm.
so ist `s nur peinlich.
und bevor ein halbherziger Kommentar kommt: Sie glauben wirklich, dass Eschers Werke, Bachs Fugen und die Möbiusschleife NICHTS miteinander zu tun haben?
unendlich ... Schade.
haben mit der Möbiusschleife und Eschers Endlos-Treppe überhaupt nichts zu tun.
Das einzige, was damit entfernt zu tun hat ist dieser transponierende Kanon aus dem Musikalischen Opfer, der sich bei jedem Durchlauf um einen Ganzton höherschraubt. Er landet aber nicht wieder beim Ausgangspunkt, ist also nicht endlos.
Um die (spielerische) Annäherung an die Grenzen zwischen reiner Mathematik und höherer Intelligenz!
Und da sind Bachs Fugen ein SEHR gutes Beispiel. Diese sind Mathematisch äußerst exakt, bitten daher einen guten Ansatz für eine KI. Die Frage lautet: Kann man einer (heutigen) KI mit Hilfe mathematischer Regeln beibringen, etwas wie Bachs Fugen zu bewerkstelligen. Die Antwort lautet: JA!
Wird dabei etwas mit auch nur annähernd gleicher Genialität herauskommen? NEIN!
WARUM? Weil der nötige Sprung in eine Art übergeordnetes META-Bewusstsein fehlt, der menschliche Genialität erst ermöglicht! Man muss das System der logischen Folgerichtigkeit verlassen um...
und hier kommen ZEN, ESCHERS ZEICHNUNGEN und DAS UNENDLICHE ins Spiel ... PLATZNOT ;_)
...wird er zu keinem logischem Ergebnis kommen oder sich in einer Endlosschleife (!) verfangen. Das menschliche Gehirn kann auf der Metaebene spielend die "Realitäten" wechseln. Denken sie zum Beispiel an die Mehrdimensionalen Würfel, die mal in die eine, dann in die andere Richtung kippen - oder die Treppen, die mal nach oben, mal nach unten führen. Eschers Zeichnungen sind wie ein ZEN-Koan! Wenn man mit der Beschränkung der Logik herangeht, sind sie unmöglich. Überwindet man diese Beschränkung, sind sie absolut bereichernd!
Die Herausforderung besteht also darin, eine künstliche Intelligenz zu erschaffen, die das mathematische, das geniale und das kreative Element von Eschers Zeichnungen und Bachs Fugen GLEICHZEITIG erfassen kann!
Viele, die hier über Hofstadter her ziehen, greifen zu eng! (konservativ)
So verfechtet er (indirekt) in seinen Büchern die These, dass menschenähnliche KI mit der (damaligen) Technik nicht machbar ist, weil die Hardware noch nicht vorhanden ist. Die Software wäre möglich!
Man braucht also eine Multiprozessoren-Umgebung um KI zu ermöglichen. Diese soll aber nicht wie die heutigen Multikernsysteme sein, sondern muss, wie die Funktionen des menschlichen Gehirns HIERARCHISCH aufgebaut sein. Das "Bewusstsein" wüsste also praktisch nicht, wie es zu seinem Ergebnis kommt - ähnlich wie der Sehen-Erkennen Vorgang des Gehirns - der für einen Computer noch immer unendlich kompliziert ist
Endlich wieder Lesestoff vom Feinsten.
GEB war im Grunde genommen das Buch, das meinen Lebensweg am meisten geprägt hat. Ich hatte es mir gekauft, weil es was mit Computer zu tun hatte und als ich zwei Jahre später damit fertig war, hatte es nicht nur meine Denkweise verändert, sondern mir auch den Weg zur Schule des Zen gewiesen, der ich bis heute angehöre:
Die Welt ist ein Ganzes und kann nicht in Teile zerbrochen werden. Damit wir die Welt in unserem Bewußtsein abbilden können, muß das Unterbewußtsein sie in Begriffe zerteilen. Mißtraue den Begriffen, denn sie verstellen dir die Sicht auf die wahre Welt!
Wirklich? Faszinierend.
GEB war das Buch das mich bisher am meisten genervt hat, und das ich dann irgendwann auf die Seite gelegt hatte. Ich glaube es war die Stelle als D.H. das höchst triviale Konzept eines Stacks (mit push und pop-Operationen) so weit überhöhte um damit irgendwie den Aufstieg in (und die Rückkehr aus) höhere(n) Bewußtseinsebenen zu verdeutlichen. Oder so ähnlich. So ein Unfug.
Ich habe es nicht fertiggelesen und ich habe bisher noch niemanden kennengelernt der das von sich behaupten konnte.
Ich fuerchte es gibt wirklich Menschen die dieses Klumpert fertig gelesen haben. Das sind halt leute die sich gern von angenehm und tiefsinnig klingendem gewaesch berieseln lassen, anstatt die muehe auf sich zu nehmen zB ein buch ueber mathematische logik zu lesen (empfehlung: boolos geofrey: computability and logic). weil nur so und genau so lernt man wirklich was ueber den Unvollstaendigkeitssatz.
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