"Begeisterung für Obama zweimal überlegen"

3. April 2008, 12:43
153 Postings

US-Analyst Jerry Hagstrom: Superdelegierte entscheiden, wen die Demokraten ins Rennen um das Weiße Haus schicken

Einer vergleichsweise kleinen Gruppe von 796 hochrangigen Parteifunktionären der Demokraten kommt bei den US-Vorwahlen auf einmal entscheidende Bedeutung zu. Nach den Siegen Hillary Clintons in den wichtigen Bundesstaaten Texas und Ohio „wird es voraussichtlich an den Superdelegierten hängen“, meint der US-Analyst und Journalist Jerry Hagstrom, um den Ausgang des Rennens zwischen ihr und Barack Obama um die demokratische Präsidentschaftskandidatur zu entscheiden. Die Superdelegierten sind die einzigen der insgesamt 4049 demokratischen Delegierten, die sich frei für einen Kandidaten entscheiden können. Und das Rennen wird knapp, so viel ist absehbar.

Mit der Entscheidung für den einen oder anderen Kandidaten werden sich die verbleibenden Zögerer in den Reihen der Super-Delegierten aber noch Zeit lassen, meinte Hagstrom am Mittwoch vor Journalisten. Auch Seitenwechsel von Personen aus dieser Gruppe, die schon Stellung bezogen haben, erwartet er vorerst nicht. Zu unsicher ist, wie es weitergeht. Aber: „Der Sieg gibt Hillary Clinton einen sehr starken Auftrieb“ – das „momentum“ oder einfach nur „mo“, das Obama in den vergangenen Wochen auf seiner Seite hatte. „Zum ersten Mal sagen die Wähler, man muss sich die Obama-Begeisterung vielleicht zweimal überlegen.“

Hillary Clinton hat den Sieg in Texas Analysen zufolge ihrem guten Abschneiden bei der großen Gruppe der Latinos, der Arbeiterklasse und Frauen zu verdanken – ihrer traditionellen Wählerschaft. Die Skepsis der Latinos Obama gegenüber erklärt Hagstrom auch mit dem Irakkrieg. Viele Latinos seien dort im Krieg, alles Menschen, die sich freiwillig gemeldet hätten. „Sie und ihre Familien wollen Unterstützung für die Truppen“. Obama lehnte den Krieg aber von Anfang an ab.

Clinton geht nun dazu über, sich und den Republikaner John McCain als die beiden Kandidaten für das Weiße Haus zu präsentieren. „Damit versucht sie, Obama an den Rand zu drängen“, sagt Hagstrom. McCain wiederum werde jetzt beide Demokraten attackieren müssen, nicht nur Obama. Und er habe auch parteiintern noch viel Arbeit zu tun: „Es gibt immer noch viele Republikaner, die ihn nicht mögen.“ McCains Nominierung könnte ihm außerdem noch Probleme bereiten: „Er wird in den nächsten Monaten jedenfalls nicht auf den Titelseiten stehen.“ (Julia Raabe/DER STANDARD, Printausgabe, 6.3.2008)

  • US-Wahlexperte Jerry Hagstrom.

    US-Wahlexperte Jerry Hagstrom.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Nach den Siegen Hillary Clintons in den wichtigen Bundesstaaten Texas und Ohio „wird es voraussichtlich an den Superdelegierten hängen“, meint der US-Analyst und Journalist Jerry Hagstrom.

Share if you care.