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Jeweils montags und donnerstags eine Stadtgeschichte Thomas Rottenberg
S. hatte sich nämlich nach Krocha-Land begeben und uns mitgenommen. Zuerst nur bummbummtechnotechnisch akustisch – aber als sie dann mit Seitenstechen und Lachtränen neben ihrem Tisch niederzubrechen drohte, suchten auch wir uns die Videos zur Bezirksjournalsgeschichte. Und dann erkannte auch die jüngste im Raum, dass es manchmal ein echter Segen ist, nicht mehr zu den ganz Jungen zu gehören. "Glaubst du, ich war auch mal so peinlich?" fragte sie – zum ersten Mal im Leben. Und war erst beruhigt, als sie aus sechs Mündern zeitgleich ein "ganz bestimmt. So wie jeder von uns" hörte.
Neon
Ich hatte ja bisher nicht mitbekommen, was Krocha ist. Oder sind. Oder sein wollen: Die rosa oder gelben Billigstorfer-Neonkapperln, die Jugendliche, deren Aussehen und Auftreten mir stets bloß Vokabel wie "chancenlos und tiefergelegt" triggern, hatte ich bisher nicht als Zugehörigkeitssymbol einer Jugendgruppe gesehen, sondern als Irrtum. Aber bei Menschen, die ihr Kapperl so weit aus der Stirn schieben, dass es nur noch von Haarlack und Gel am Kopf festgehalten wird, ist das vermutlich ohnehin das geringste Problem.
Außerdem ist es ohnehin sinnlos, als alter Sack Jugendlichen irgendwas über das sagen zu wollen, was sie für cool halten. Und das ist ja auch richtig so: Dass Neonfarben auf Alltagskleidung einfach fürchterlich sind, weiß ich heute zwar – aber als es in Wien in den 80er-Jahren kurze Zeit modern war, neonfarbene Socken zu tragen ... Lassen wird das. Immerhin: Neonfarbenen Mopedschlüsselspiralgummikabeln verfiel ich nie. Über alles andere will ich heute lieber nicht mehr sprechen.
Soli
Während die Kollegen sich vor Lachen also am Boden wanden, betrieb ich Grundlagenforschung in zeitgenössischer Jugendkutur: Krocha erkennt man demnach nicht nur an ihren Irrtums-Mützen, sondern auch am übrigen Outfit. Man trägt als Basis "Soli" (Krochasprache), also Solariumbräune – und darüber teuren Markenramsch. Außerdem zupft der versierte Krocha sich die Augenbrauen zum schmalen Strich.
Ob es auch Krocharinnen gibt, erfuhr ich nicht – aber der Krocha tritt am liebsten in Rudeln und in Großraumdiscos auf. Weil es in der Nachtschicht (im Krocha-Sprech "Schicht") aber zu dunkel zum Handyfilmen ist, tanzt er auch gerne auf Shoppingcenter-Parkplätzen. Das sieht dann ziemlich lustig aus: Eine Mischung aus Pogo, Nervenleiden und hektischem Squaredance, befand Kollegin S. – und die muss es als ehemalige Aerobictrainerin ja wissen.
Gabber
Woher genau das Ding stammt, ist nicht so ganz klar. Laut Bezirksmagazin ist Krocha ein Nachzappler der mittlerweile fast verblichenen holländischen Gabber-Szene. Kollege B. jedoch meinte, in Frankreich gäbe es seit langem durchaus ähnliches in den Vorstädten zu beobachten – aber im Grunde sei das ohnehin egal. Interessant sei viel mehr die Frage, wie wohl die Emo-Tochter des Kanzlers darauf reagieren werde, nicht mehr als Vertreterin des neuesten Dings gehandelt zu werden.
Wir ließen es dann dabei bewenden. Lediglich die Vokabel aus dem Krocha-Jargon - "braQ" (angeblich mit großem Q) für "ich pack es nicht" oder "bombä" für alles, was toll ist – begleiteten uns bis ans Ende des Tages. Gestern früh lagen auf allen Schreibtischen der TV-Redaktion dann Neonkapperln. Wir haben sie natürlich den ganzen Tag getragen. Aber nur, solange uns sonst niemand sehen konnte.(Thomas Rottenberg, derStandard.at, 6. März 2008)
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In meiner Jugend (als es noch keine Kids gab) ließen sich die Mädels das Haar übers Gesicht hängen (extrem unpraktisch!) oder rannten in Latzhosen und India-Hippiefähnchen herum (der Fraktion gehörte auch ich an - und in Wahrheit sind die Dinger ebenfalls unpraktisch). Die damaligen Mods, Poppers und Hippies waren doch mindestens ebenso peinlich.
In jeder Generation gibt es solche Gruppen. Nur das Neongelb und -rosa wurde einfach erst in den 80ern erfunden.
wer sich von den spätpeinlichen da aufregt, der /die ist an würstlichkeit unüberbietbar.
so ein grenzgeriatrisches gesuder wie in diesem geposte hab ich schon lange nicht mehr gelesen.
abhotten würd den kalk zum rieseln bringen ... bissi scheintot die midlifecrislerische postermeute?
sozusagen die franzoesische variante. etwas mehr fashionable wuerde ich sagen...
zb hier:
http://www.youtube.com/results?s... arch_type=
Die Herstellerfirma Ed Hardy Textilien (Krochamarke) ruft sämtliche Kappen zurück!
Aus bisher unerklärlichen Gründen kommt es beim Tragen dieser Kappen zu schweren Krankheiten!
Die meist noch minderjährigen Träger leiden unter willkürlichen Zuckungen, vermehrtem Wachstum am Hinterkopf und zunehmender Homosexualität.
DER HERSTELLER ÜBERNIMMT KEINERLEI HAFTUNG!
BAM, oida!
Diese Krocha Sprache gabs schon von meiner Zeit ca. 10 Jahren. Das was die heutigen Krocha nur ned checkt haben, bei uns hieß ich kroch ich komm runter von Drogen. Auch ich hab den ur krocha = mir gehts schlecht wegen schwere Entzugserscheinungen. Komapatient hat auch geben = Einer der abgestürtzt is vom Alkohol. Heut gibts den Schichtpatient vielleicht hängt das mit dem Komasaufen dort zusammen wer weis.
Vieleicht kommt ja noch da krochaschlauch = wennst müde bist nach dem anstregenden krochen. Wer weis gaub aber die analogie dahinter gefunden zu haben *g*
Das lustigste von unseren peinlichen Zeiten gibts keine Beweise diese Jungedkultur wird aufgezeichnet von BigBrother.
Personal-Rekruter habens in Zukunft leicht haben.
lg
Vom Gehalt der Lebensphilosophie sind Krocha die Mods von heute.
Die Mods: (meist) unpolitisch, oberflächlich, kleinbürgerlich oder unterschichtig, eitel, angepasst.
Wer das nicht glauben will, keine Ahnung hat, selber nie (unfreiwillig) mit Mods zu tun hatte, schaue sich "Quadrophenia" an.
Guter Artikel und ich finde dieser Artikel zeigt zumindest auf, dass der Begriff "Krocha" ein relevanter ist. Umso seltsamer, dass der Wikipedia Artikel (de.wikipedia.org/wiki/Krocha) von der Löschung bedroht ist - siehe auch die dazugehörige Löschdiskussion und http://www.ostheimer.at/andreas/?p=22
Die "ganz gepflegten" Krocher mit gezupften Augenbrauchen, diversen D&G-Accessoires und Glitzerteilchen in der zerrissenen Markenhose schauen echt viel tuntiger aus als die offensichtlichsten Vertreter der schwulen Szene.
Sowas wär früher noch unvorstellbar gewesen, dass sich Heten in so ein Outfit schmeissen. Metrosexualität war ja noch harmlos dagegen.
Naja, uns solls recht sein. Vielleicht gehens ja beim nächten Regenbogenball mit. Oarg verkleiden müssen sich die Oiden eh nimma. Bam.
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