Wenn der Schmerz im Nacken sitzt

10. März 2008, 11:04
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Nackenschmerzen sind das tägliche Brot der Allgemeinmediziner und Physiotherapeuten - Vieles hilft kurzfristig, heilen kann man sich aber nur selbst- Mit Download

Anatomisch betrachtet ist die Halswirbelsäule etwas ganz Besonderes. Sieben Halswirbel und die dazugehörige Muskulatur tragen und bewegen den Kopf, das Zentrum unseres Denkens.

Schmerz, Verspannung und muskuläre Dysbalance

"Schmerz, Verspannung und muskuläre Dysbalance sind die drei Komponenten des klassischen Zervikalsyndroms", erklärt Martin Busse, Leiter des Instituts für Sportmedizin an der Universität in Leipzig. Was hinter dem weit verbreiteten Phänomen Nackenschmerz steckt, definiert der Begriff Zervikalsyndrom aber leider nicht. Viel schlimmer noch: Hinter der schmerzhaften Muskelverspannung kann sich auch gar nichts verbergen.

Fehlhaltungen, psychischer Stress oder Abnützung

Veränderungen an der Wirbelsäule sind mit zunehmendem Lebensalter zwar häufig, aber nicht zwingend. Umgekehrt führt weder jede Abnützungserscheinung, noch der gefürchtete Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule zum typischen Nackenschmerz.

Oft führen Fehlhaltungen verursacht durch stundenlanges Sitzen vor dem Computer, Bewegungsmangel oder psychischen Stress, zu einer Spannungserhöhung der Muskelfasern. Während diese angespannten Fasern eine Stützfunktion besitzen, sind andere für komplexe Bewegungsmuster des Kopfes verantwortlich und werden durch körperliche Inaktivität zunehmend schwächer.

Schmerzbekämpfung alleine ist zu wenig

Den Betroffenen selbst geht es primär um den Schmerz. Schmerzmittel, physiotherapeutische Maßnahmen wie Krankengymnastik oder Massage, und physikalische Therapie, die unter anderem die klassische Ultraschallbehandlung beinhaltet, sind seit Jahren etablierte therapeutische Maßnahmen. "Meistens bleibt man aber auf diesem Punkt dann stehen", bedauert Busse und für ihn steht eines fest: Mit der Schmerzbekämpfung alleine, ist es nicht getan.

Aktive Trainingstherapie

Zuerst Schmerzbeseitigung und dann aktive Trainingstherapie, so sollte die Reihenfolge in der Therapie des Zervikalsyndroms lauten. Zweiteres dient der Wiederherstellung eines muskulären Gleichgewichts, das die wesentliche Grundlage der statischen Funktion der Halswirbelsäule ist. Dass Krafttraining muskuläre Defizite wieder herstellt, hat sich zwar mittlerweile herumgesprochen. Trotzdem stößt man im Bereich der Halswirbelsäule mit dieser Therapie oft auf Widerstand.

Tägliche Muskelreize bieten

Das Problem sind unter anderem die Betroffenen selbst. Denn wer will schon glauben, dass es mit der verordneten Krankengymnastik, zehn mal zehn Minuten Physiotherapie einfach nicht getan ist. "Diese Therapie bringt langfristig nichts und davon, was Training tatsächlich bedeutet, haben viele Menschen eine völlig falsche Vorstellung", weiß der Leipziger Sportmediziner. Angespannten und geschwächten Muskeln müssen täglich Reize angeboten werden.

Übungen an Seilzuggeräten

Komplexe Übungen bedürfen einer ständigen Kontrolle durch geschulte Trainingstherapeuten, ansonsten ist der Schaden ein größerer als der verbleibende Nutzen. Größtenteils lassen sich Übungen für die Muskulatur der Halswirbelsäule an Seilzuggeräten realisieren. Der Schultergürtelbereich wird dabei sogar noch zusätzlich mittrainiert.

Gleichmäßige und langsame Bewegungen

Kontrollierte, gleichmäßige und langsame Bewegungen sind eine wichtiger Punkt in der richtigen Ausführung. Das Gewicht wird sorgfältig dosiert, vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass die menschliche Halswirbelsäule ein besonders sensibles Konstrukt ist. Das beste Rezept lautet daher immer: Weder über- noch unterfordern.

"Man muss sich aufraffen, denn Nackenschmerz lässt sich nur aktiv behandeln", erklärt Busse abschließend und ist sich bewusst, dass die größte Crux an der Sache wohl der Kopf ist. Denn regelmäßiges Training für den Rest des Lebens lässt sich leider nicht verordnen. (phr)

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