"Keiner hat Zeit, Leute zu beobachten"

von Redaktion  |  05. März 2008, 14:12
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    10.000 Menschen leben in den 3185 Wohnungen im Wohpark Alt-Erlaa.

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    An bestimmten Punkten, wie etwa in den sieben Hallenbädern, werden sie von Kameras gefilmt. Der technische Dienst überwacht die Aufnahmen.

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    Mietervertreter Heinz Sack kann die Aufregung um die Videoüberwachung "nicht verstehen".

Im Wohnpark Alt-Erlaa sind Kameras seit Jahrzehnten im Einsatz - Seit kurzem gibt es eine mobile Kamera zur Vandalismusbekämpfung

In Jeansjacke und stets mit einem freundlichen Gruß auf den Lippen schlendert Heinz Sack durch den Wohnpark Alt-Erlaa. Er ist hier seit 15 Jahren bei der Mietervertretung tätig. Rund 10.000 Menschen leben in den insgesamt 3185 Wohnungen der drei Wohnblöcke. Zur Wohnanlage gehört auch ein eigener "Kaufpark" mit 60 Geschäftslokalen, es gibt Büros, Arztpraxen, Schulen, Sporthallen und einiges mehr.

Sack ist hier einer der "Ur-Einwohner", wie er selbst sagt. Er schwärmt vom sozialen Netzwerk im Wohnpark. Doch mindestens genauso viel wie das soziale Umfeld zählt für den Vater von sieben Kindern das Sicherheitsgefühl, das er hier empfindet. "Die Kinder können als Fünfjährige alleine sicher einkaufen gehen - ohne dass ich mir Sorgen machen muss", erzählt er.

Kameras seit 30 Jahren

Neben dem hauseigenen Sicherheitsdienst, der stets mit drei Männern vor Ort ist, gäben auch die Kameras dieses Grundgefühl. Die meisten elektronischen Überwacher im Wohnpark gibt es hier seit Eröffnung des ersten Wohnblocks vor über 30 Jahren. Sie hängen bei sämtlichen Garagenein- und ausfahrten und in den Hallenbädern. Auch im Altstoffzentrum ist in der Zwischenzeit, vor rund zehn Jahren, ein elektronischer Überwacher montiert worden. "Sonst haben wir hier innerhalb weniger Wochen hunderte Kühlschränke stehen", ist sich Sack sicher. Im Gang vom Einkaufszentrum zur Garage hängt auch eine Kamera. "Damit haben wir die Drogenjunkies wegbekommen", erzählt Sack. Ob sie wirklich funktionstüchtig ist, mag bei näherem Hinsehen zwar bezweifelt werden, doch die Installation erfülle ihren Zweck.

Während die Überwachung bei den Garageneinfahrten es möglich mache, Hausfremde von der Garage fernzuhalten, seien die Kameras in den sieben Hallenbädern ein Ersatz für den Bademeister, erklärt Sack. Die Aufregung mancher Experten über die angeblichen Eingriffe in die Intimsphäre von Menschen kann der Mietervertreter "nicht verstehen". "Eine Kamera zu montieren, war die einzige Möglichkeit, ein Hallenbad ohne einen Bademeister zu betreiben", erzählt der Familienvater. "Wenn es heißt: Hallenbad mit Kamera oder kein Hallenbad - was glauben Sie, wofür die Bewohner sich dann entscheiden?", fragt er. Die Diskussion über Bürgerrechte und Privatsphäre ginge völlig an der Realität vorbei, meint Sack.

Studien zur Mieterzufriedenheit, scheinen Sack recht zu geben: Bei einer 1999 von Fessel GFK und Ifes durchgeführten Umfrage im Auftrag der Stadt Wien gaben 92 Prozent der befragten Bewohner die Note "gut" bis "sehr gut" für das Wohnen im Wohnpark Alt-Erlaa und reihten die Anlage damit auf Platz eins in der Mieterzufriedenheit. Das Kontrollamt stellte zudem eine "geringe Fluktuation der Mieter" fest und, dass Wohnungen "eher selten" leer stünden.

Anton Herlt von der Gesiba, die den Wohnpark betreibt, unterstreicht Sacks Aussagen: "Es stehen tausende Autos in unserer Garage, und fast nie wird eines aufgebrochen", erzählt er. Rund 50 Personen arbeiten für den 24 Stunden am Tag eingesetzten technischen Dienst, zehn davon sind gleichzeitig im Einsatz. Sie sind unter anderem für die Überwachung der Monitore verantwortlich. Daneben hätten sie aber auch sämtliche andere technische Probleme zu lösen. "Dass einer die Zeit hat, Leute am Monitor zu verfolgen und beobachten, ist lächerlich", meint Herlt. Nach drei Tagen löschten sich die Aufnahmen zudem automatisch.

Vandalenjagd per Kamera

Vor knapp zwei Jahren hat die Gesiba in Abstimmung mit dem Mieterbeirat beschlossen, sich zusätzlich zu den fixen Installationen noch eine mobile Kamera anzuschaffen, um dem Vandalismus den Kampf anzusagen. Im vergangen Jahr ist der elektronische Helfer zweimal zum Einsatz gekommen. Einmal, als im zur Wohnanlage gehörenden Kaufpark mehrmals das Schaufenster eines Kaffeehauses eingeschlagen wurde, und ein zweites Mal, als Jugendliche mehrere Male Feuermelder eingeschlagen hatten. In beiden Fällen nahm die winzige Kamera die Täter bei wiederholter Tat auf. Das Videomaterial übergab die Gesiba der Polizei. "Im Fall der Brandmelder wurde das Material sogar bei Gericht als Beweis verwendet", erzählt Herlt.

Die Kamera soll samt Rekorder und Übertragungsstation rund 450 Euro gekostet haben. Ein Feuerwehreinsatz wegen eines eingedrückten Brandmelders koste 600 bis 800 Euro, rechnet Herlt vor.

Beschwerden gäbe es keine

Die Mieter wurden bei Anschaffung der mobilen Kamera via Mieterzeitung und Newsletter darüber informiert, dass das neue Überwachungstool jederzeit bei Brennpunkten eingesetzt werden könne. Wenn nun die Kamera wegen eines Anlassfalles montiert wird, gibt es aber keine erneute Verständigung.

Beschwerden, weil sich jemand überwacht fühle, habe es bisher keine gegeben. Das bestätigt auch Judith Milanollo von der Hausinformation, der Anlaufstelle für Fragen, Beschwerden und Saunatermine. "Es ist vorgekommen, dass einer wollte, dass eine Kamera bei seinem Auto aufgestellt wird, aber dass jemand Kameras weghaben wollte, gab es noch nicht", erzählt die junge Dame.

Sacks Handy läutet. Einer seiner Söhne hat sich einen Schneidezahn ausgeschlagen, erzählt er nach dem Anruf seiner Frau. Manches kann auch die beste Videoüberwachung nicht verhindern. (Gudrun Springer, DER STANDARD/Wohnen - Printausgabe, 5. März 2008)

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ministry of information
20.09.2008 21:52
wer wohnt dort ?

aus welcher schicht sind die bewohner, was kosten die mieten ?

Franzerl1
08.03.2008 10:22

nach drei tagen löscht es sich automatisch, hmmm, muss es nicht schon nach 48 stunden zu einer löschung kommen?

chancen
05.03.2008 19:59

Ich habe geglaubt man muss über eine Vieoüberwachung informiert sein.

"winzige Kamera"
"Beschwerden, weil sich jemand überwacht fühle, habe es bisher keine gegeben."

Mich wundert nicht, dass sich niemand über die mobilen Kameras informiert hat.
Denn wenn sie so winzig sind, sieht man sie wahrscheinlich einfach nicht!!!

Grauzone 
05.03.2008 16:18
mein auto...

wurde von einbrechern in der hauseigenen kameraüberwachten garage aufgebrochen, schaden am auto höher als der wert des nagelneuen gestohlenen autoradios... tja was soll ich sagen; täter trugen kapuzen und die fotos zeigten unkenntliche personen die nie gefasst wurden. das wars. soviel zu den kameras und ihrer qualität...

Anti Staberl
05.03.2008 14:23
www.mieterecho.at

Bitte über dieses Thema dort auch posten bzw.mit diskutieren. Vorwiegend aber für Gemeindebaumieter.

byron sully
05.03.2008 14:18

"Wenn es heißt: Hallenbad mit Kamera oder kein Hallenbad - was glauben Sie, wofür die Bewohner sich dann entscheiden?"

aha, und wenn wer grad am ertrinken ist, steigt die kamera hinab und rettet den ertrinkenden? die frage sollte wohl eher lauten: hallenbad mit bademeister oder hallenbad mit kamera - und ich hoffe, ein vernünftiger mensch würde sich dann für das hallenbad mit bademeister entscheiden...

im übrigen würd ich in einer derart intensiv videoüberwachten siedlung nicht wohnen wollen...

Tschuri Cazzino   
05.03.2008 16:40
Das gleiche Problem haben Sie auf der Toilette.

Wenn Sie dort einen Herzinfarkt bekommen und mit dem Kopf in die Muschel fallen, so ertrinken Sie auch dort. Soll deshalb im WC-Abteil eine Klofrau anwesend sein, oder jemand ständig eine WC-Kamera beobachten?
10.000 unvernünftige Menschen haben sich für Hallenbäder ohne Bademeister und mit Kameras entschieden, vermutlich weil ihr "vernünftiger" Vorschlag unfinanzierbar ist und mal so geschätzte 1,2 mio Euro im Jahr kosten würde.

Michael Bakunin
02.09.2008 09:30
1,2 mill. euro im jahr?

bei diesem gehalt will ich aber sofort bademeister in alt-erlaa werden!

byron sully
05.03.2008 21:55

sie sind also für kameras auf wc's? was kommt als nächstes?

Alexander Forst-Rakoczy
05.03.2008 14:44

Den Rotstricherlverteiler versteh ich nicht.

Die Frage ist doch voll berechtigt. Herr Hertl behauptet doch auch: "Dass einer die Zeit hat, Leute am Monitor zu verfolgen und beobachten, ist lächerlich".

Beide Aussagen zusammengenommen ergeben, dass das Hallenbad zwar mit Kameras gefilmt wird, deren Bilder aber nur ausgewertet werden, NACHDEM etwas passiert ist, weil ja kaum jemand die Bilder live ansieht und Schritte einleiten könnte.

byron sully
05.03.2008 21:54
wundert sie das?

also ich hätt mit den roten stricherln gerechnet...leute zu bespitzeln, ist in diesem land schon immer sehr populär gewesen, ob zu metternich, vor 70 jahren oder heute...

Tschuri Cazzino   
05.03.2008 16:46
Worin sehen Sie das Problem?

Die Kameraufzeichnungen erlauben es, Vandalismus oder Unfälle zu rekonstruieren, was von großem Nutzen ist, oder etwa nicht?
Ein Bademeister für alle Hallenbäder ist nicht finanzierbar und nicht notwendig. Unfälle und Verbrechen passieren auch in der Garage, auf Gängen, am Klo usw.. Kalt wären mit Garagen-, Gang- und Klowarten so manche Dinge zu verhindern, aber das kann doch nicht ernshaft in Betracht gezogen werden.

Deno
05.03.2008 15:39
Wie wäre es mit inteligenten Software?

Es gibt schon software die diese "doofe Beobachtung wo stundenlang nichs passiert" übernimmt, und nur beim verdächtigen Situationen Alarm schlagt.

Damit kann man sehr wohl "was anderes als ständig Kameras beobachten" machen, und trotzdem bei Bedarf rechtzeitig eingreifen.

Gerade für Schwimbäder habe ich in Fankreich schon vor vier jahren Marktreife beobachtungssoftware gesehen. In Wien gibt es auch einiges an know-how in diesem Richtung ("intelligente Beobachtungsoftware"), z.B. bei "Austrian Research Centres".

pockerl1
05.03.2008 15:02
Blinde reden von der Farbe

So viel Blödsinn über die Hallenbäder in Alterlaa und das Wohnen dort hab ich noch selten gelesen. Die Blinden, die dort gar nicht wohnen, plappern von einer , die sie nie gesehen haben, lauter Unsinn, der niemanden interessiert. Warum schweigen diese quakenden Frösche nicht?

m m 10
05.03.2008 15:00
ich denke....

....das mit dem verfolgen ist eher so zu verstehen, dass sich jetzt jemand die mühe macht den herrn mit der roten weste von monitor 1 über monitor 7 zu monitor 3 zu "verfolgen" um zu sehen was er heute einkauft und mit wem er sich trifft.

ich kann mir nicht vorstellen, dass die bäder-monitore nicht kontrolliert werden.... aber es stimmt, dass die frage lauten sollte: bademeister oder kamera und nicht mit oder ohne kamera

PosterIn
05.03.2008 14:41
Das mit den Hallenbädern hast nicht ganz kapiert,

oder?

Das sind 7 (sieben) kleine, dezentrale Wellnesshallenbäder für die Bewohner. Keine Riesenhallenbäder wie das Stadthallenbad oder so.

Hier gibt es keinen öffentl. Zutritt, sondern ist nur für die Mieter da. 7 Hallenbäder würden wohl mind. 20 Bademeister erfordern, etwas teuer.

Bei den Kameras geht es darum, dass absichtlicher Verunreinigung vorgebeugt wird. Das funktioniert. Nur zu diesem Zweck sind die Kameras da.

byron sully
05.03.2008 21:53

ja, wenn's eh keinen öffentlichen zutritt gibt, dürften tatverdächtige von gewaltverbrechen in den pools wohl recht schnell ausgeforscht werden. aber leute beim schwimmen dauernd zu filmen...widerlich! wo samma denn bitte?

m m 10
05.03.2008 15:02
und wenn da drinnen...

...jemand hilfe benötigt? die frage (die ich als nicht bewohner der anlage auch nicht beantworten kann) muss lauten: dauert es länger, bis hilfe kommt, oder ist sie mind. genau so schnell da, wie wenn ein bademeister da ist.

das kleine Zumpferl
05.03.2008 16:09
In der Badeordnung ist festgehalten,

dass man die Bäder nicht allein benützen darf. Selbstveranwtortung ist hier gefragt.
Und der Bademeister ist meist nicht (nur) zum retten, sondern zum aufpassen da, damit keiner verbotene Sachen macht.

Schluppina
05.03.2008 15:33
Wenn jemand in seinem Einfamilienhaus einen Pool einbaut, wird er wohl auch keinen Bademeister einstellen, der im Notfall ihn und seine Familie/Freunde rettet. Genauso ist es mit derartigen Mieterbädern.

Sind ausschliesslich für Mieter und deren Freunde bestimmt, welche sie EIGENVERANTWORTLICH benutzen und im Notfall halt genauso selbständig einen Arzt rufen wie bei jedem anderen privaten Unfall.

Gilt für das Hallenbad in Erlaa genauso wie für die immer zahlreicheren Dachpools in diversen neuen Wohnhäusern in Wien. Bademeister will hier keiner der Mieter finanzieren, wozu auch. Wer einen Bademeister wünscht, geht eh ins öffentliche Bad ;).

Fredi1
05.03.2008 20:40

Wenn jemand in seinem Einfamilienhaus einen Pool einbaut, wird er aber auch sicherlich keine Kamera einbauen.

Oder?

Eustreptospondylus
05.03.2008 20:22
Stimmt,

ähnlich verhält es sich mit den Saunen, die jetzt in vielen Appartmentanlagen verfügbar sínd: man mietet diese für eine bestimmte Zeit und ist für sich selbst verantwortlich, da schaut auch kein Bademeister alle 2 Minuten, ob jemand einen Herzkaschperl hat! ;)

Susi Stattnam
11.03.2008 13:18
Frage: haben Sie schon geschaut. ob nicht jemand

aus Belustigung ähem zur Sicherheit eine Kamera installiert hat... in die Sauna?

PosterIn
05.03.2008 15:19
Natürlich dauert es länger

ohne Bademeister.

Es gibt viele private Bäder ohne Bademeister....Strandbäder, Swimming Pools, Whirlpools im Bad einer Luxuswohnung. Wo siehst du das Problem? Kleinkinder sollten sowieso nur in Begleitung der Eltern in ein Bad gehen, egal welches und ansonsten gibt es eben auch sowas wie Selbstverantwortung.

Ein Bademeister eines Frei- oder Hallenbades beschäftigt sich fast nur mit Ermahnen von Leuten, die sich nicht an die Regeln halten. In einer kleinen, privaten Gemeinschaft ist ein Bademeister eben überflüssig.

Was ist daran so schwer zu verstehen? Natürlich gibt es ein allgemeines Lebensrisiko. Oder gehst du nur in Begleitung des Notarztes außer Haus?

samba cat
06.03.2008 07:53
warum behauptet

der gute mann da oben dann "seien die Kameras in den sieben Hallenbädern ein Ersatz für den Bademeister"?

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