Wiener Kinderpsychiatrie: 14 Ärzte für 1000 junge Patienten

4. April 2008, 13:15
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Die Kinder- und Jugendpsychiatrie in Wien soll ausgebaut werden - Im Mai soll das Reformprojekt vorläufig abgeschlossen sein - Ärzte werden fieberhaft gesucht

Wien – Die Kinder- und Jugendpsychiatrie war lange Zeit Sorgenkind des Wiener Gesundheitswesens. Zum einen gab es in dem Bereich zu wenige Betreuungsplätze, zum anderen zu wenige Fachärzte. Die Ausbildung zum Kinder- und Jugendpsychiater gibt es erst seit Februar 2007. Die ersten Absolventen werden in sechs Jahren fertig. Bisher mussten Psychiater für das Gebiet eine Zusatzausbildung machen.

Aus diesen Gründen kam die Stadt Wien gar nicht umhin, eine Reform durchzuführen. Im November 2007 gestartet, soll die Umstrukturierung in den kommenden drei Monaten vorläufig abgeschlossen werden. Sie betrifft vor allem die zwei stationären Kinder- und Jugendpsychiatrien in Wien, die Abteilung am Rosenhügel (Krankenhaus Hietzing) und im AKH. In beiden wird die Bettenzahl aufgestockt. Der nächste Schritt ist eine eigene Abteilung im Krankenhaus Nord, das ab 2010 gebaut wird.

Am Rosenhügel herrscht Aufbruchstimmung: Primarius Ralf Gößler hat auf seiner Abteilung zusätzlich zu den bestehenden 18 Betten im frisch sanierten Trakt sieben dazubekommen. Drei weitere sollen in den kommenden Wochen folgen. Das einzige, was ihm noch fehlt, ist ein Facharzt. "Eine Stelle für einen Kinder- und Jugendpsychiater ist noch ausgeschrieben", sagt Gößler. 2007 gab es auf der Kinder- und Jugendpsychiatrie 650 stationäre Aufnahmen und 5000 ambulante Behandlungen. Insgesamt 1000 junge Patienten wurden vergangenes Jahr von 14 Ärzten (einer nur halbtags) und drei Psychologen behandelt.

100 Fachärzte fehlen

Max Friedrich, Vorstand der Kinder- und Jugendpsychiatrie des AKH spricht von 100 Fachärzten, die österreichweit fehlen. Am AKH werden seit Jänner deswegen zwei Fachärzte ausgebildet. Dort soll es auch mehr Betten geben, von 32 Betten wird auf 36 aufgestockt. "Im Mai ist die Reform abgeschlossen", sagt Susanne Herbek, Spitälerdirektorin des Wiener Krankenanstaltenverbundes (KAV). Die renommierten Kinderpsychiater Max Friedrich und Ernst Berger haben das Reformkonzept im Auftrag der Wiener Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely vorgelegt.

Eine der Maßnahmen ist auch der "Liaisondienst", um die stationären Aufnahmen zu reduzieren. Dieser mobile Dienst startete im November und dient als Schnittstelle zwischen Psychiatrie und Einrichtungen des Jugendamtes (MA 11), betreuten Wohngemeinschaften beispielsweise. Ob es mehr Plätze und Einrichtungen bedarf, werde dann die Evaluierung der Maßnahme zeigen, sagte Ernst Berger. Derzeit betreut die Jugendwohlfahrt 150 Jugendliche.

Dass Wien mehr Kinder- und Jugendpsychiater und mehr Betreuungsplätze braucht, davon sind Grüne, VP und FP überzeugt. Die Maßnahmen der Stadt seien zu wenig und kämen zu spät, sagte etwa die Grüne Gesundheitssprecherin. "Das Krankenhaus Nord nützt den Eltern heute wenig", sagte Pilz. Aus Platzmangel seien Kinder und Jugendliche bisher auch mit Erwachsenen auf der Psychiatrie im Otto-Wagner-Spital behandelt worden, kritisierte VP-Gesundheitssprecherin Ingrid Korosec. "Zu 100 Prozent können wir das auch mit der Reform nicht ausschließen", sagte Stadträtin Sonja Wehsely. Aber um dieses Problem zu lösen, habe es schließlich die Umstrukturierung gegeben, erklärte Wehsely. (Marijana Miljkoviæ/DER STANDARD-Printausgabe, 4.3.2008)

  • Kinderzeichnungen auf der Wand vor der Kinder- und Jugendpsychiatrie Rosenhügel in Hietzing. Sie wird derzeit ausgebaut.
    foto: christian fischer

    Kinderzeichnungen auf der Wand vor der Kinder- und Jugendpsychiatrie Rosenhügel in Hietzing. Sie wird derzeit ausgebaut.

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