Zum Niederknien

Redaktion, 10. März 2008, 18:44

Es begann mit einem geschwollenen Knie. Als gelernter Hypochonder bin ich gleich zur Not­fall­medizin, Wartezeit drei Stunden...

... Diagnose: Wir können nichts sagen, gehen Sie zum Orthopäden. Wartezeit bei Doktor Spreizfuß, der heißt wirklich so, drei Stunden, Diagnose: Es lässt sich nichts Bestimmtes sagen, wir (Ärzte reden so) brauchen einen Magnetresonanztomografiebefund (was für eine Donaudampfschifffahrt als Wort), zusätzlich probieren wir Strom und Heilgymnastik. Für die Magnetresonanz brauchen wir eine Bewilligung der Krankenkasse. Und wer muss die besorgen? Wir? Ich! Um mir den Weg zu sparen, schickte ich das Ansuchen per Post.

Dass vier Wochen keine Antwort kam, machte vorerst nichts, da auch beim nächstgelegenen physikalischen Ambulatorium für Eisenbahn und Bergbau keine Termine frei waren. Dann die erste Heilgymnastik-Sitzung, Wartezeit 30 Minuten, Diagnose: Es lässt sich noch nichts sagen. Der Strom blieb wirkungslos. Von der Krankenkasse keine Antwort. Nach mehrfacher telefonischer Nachfrage, Dauer vier Stunden, traf die Bewilligung ein, allerdings, wie ich erst beim Magnetresonanzinstitut sah, Wartezeit eine Stunde, ohne Stempel. Laut Krankenkasse gab es mich also nicht. Das war neu, aber nicht angenehm. Im persönlichen Gespräch, Dauer 30 Minuten, gestand man mich dann doch ein und bewilligte, ich aber war gewiss, die Rumrennerei von Arzt zu Institut, Ambulatorium und Krankenkasse, war die eigentliche Therapie, nur zur Heilung ausgedacht, denn dem Knie ging es besser, Schmerz und Schwellung waren weg. Trotzdem ging ich zur Magnetresonanztomografie. Im Wartezimmer saßen Menschen mit Plastikkanistern, die sie leer zu trinken hatten, beängstigend.

Egal. Ich lief mit dem Befund zum Orthopäden, Wartezeit drei Stunden, der brach dann die Diagnose übers Knie: Meniskus! Operation! Im Krankenhaus, Wartezeit zwei Stunden, meinte man, der früheste OP-Termin sei in drei Monaten. Oder sind wir privat versichert, dann geht es morgen? Nein? Keine Sorge, es gibt genug zu tun. Wir brauchen eine OP-Freigabe, wofür wir zum Hausarzt müssen, Wartezeit eine Stunde, der eine Verschreibung zum Herz- und Lungenröntgen sowie zum Internisten ausstellt. Gut. Zwar bekam ich (nicht wir) im Hausarztwartezimmer eine Influenza, dafür ging das Röntgen flott. Der Operationsfreigabe folgte eine Sitzung beim Anästhesisten und dann die OP, die jetzt, nach all der Rumlauferei, schon gar nicht mehr notwendig gewesen wäre. Dabei ging es nur ums Knie. Wie wird das erst, wenn man richtig krank ist? (Franzobel, DER STANDARD Printausgabe 4. März 2008)

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Kommentar posten
12 Postings
Fuerst_80
10

Franzobel ist eigentlich tot

DPfand
00
Influenza

des Gehirns?
Komme auf exakt 15:00 Stunden (erdichtete) Wartezeit, plus "flottes" Röntgen (1 Sek.?)...;-))

Scully
01
ich glaub schon, dass es nicht leicht ist, woechendlich eine EM - geschichte abzuliefern...

aber was diese geschichte mit der EM oder fussball zu tun haben soll, ist mir schleierhaft!?

vielleicht haette franzobel zumindest eingangs "erfinden" sollen, dass er sich das knie beim kicken verletzt hat - auch dann weit hergeholt, aber immerhin...

Trapper John M.D.
00

klingt aber sehr nach den stadtgeschichten. :-)

...im sommer lagen sie im zitronensaft...
12


...wenn der arme kein wc hat, dann gehts halt immer wieder in die zeitung.

under ground
02
nette geschichte

aber wär das nicht eher was für die freizeitbeilage im samstagkurier, gleich unter polly adler?

running man
14

Die Frau Hager schreibt aber amüsanter als der Franzobel, wie ich meine - und vor allem ist ihre Kolumne nicht an ein Thema gebunden, das sie - wie der Herr Franzobel hier - verfehlen kann...

dacube
03
super Geschichte,

würd ich aber eher in die Rubrik "Gesundheit" verschieben.

Außer, er hat sich den Meniskus beim Bierholen auf der Stadiontribüne verletzt, dann gehts auch im Sportteil :-)

Joe Malik
 
22
Könnte...

...der Franzobel sein Spiel nicht woanders hin verlagern?

Scully
00

am besten in sein stammbuch...

jeff5
12
muß hier alles erscheinen?

das möge für den betreffenden ein sinnvoller erguss sein.
wen interessierts.

rinius ante portas
02
Werter Franzobel - Das ist eine

wirklich nette Geschichte. Die könnte sich - das mag Sie trösten - auch bei uns, Ihrem nördlichen Nachbarn, so zugetragen haben. In D müssten Sie für all die netten Untersuchungen sogar noch zuzahlen!

Trotzdem, ich war beim Lesen dann leicht irritiert, dachte doch, ich sei bei der Rubrik "Sport" => "Fußball" => "EM2008" zugegen. Nach zweimaligen Nachschauen stellte ich noch irritierter fest, dass das auch so war!

Deshalb, lieber Franzobel, meine unbedarfte Frage: Was hat denn nun Ihre Meniskus-Behandlungs-Odyssee´08 mit der Fußball EM2008 zu tun? Haben S´ leicht versucht gegen einen Fußball zu treten, aber statt dessen eine bemalte Betonkugel getroffen? Das ist in Berlin während der WM`06 tatsächlich jemandem passiert - Ihnen!? Nicht mir!

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