Es begann mit einem geschwollenen Knie. Als gelernter Hypochonder bin ich gleich zur Notfallmedizin, Wartezeit drei Stunden...
... Diagnose: Wir können nichts sagen, gehen Sie zum Orthopäden. Wartezeit bei Doktor Spreizfuß, der heißt wirklich so, drei Stunden, Diagnose: Es lässt sich nichts Bestimmtes sagen, wir (Ärzte reden so) brauchen einen Magnetresonanztomografiebefund (was für eine Donaudampfschifffahrt als Wort), zusätzlich probieren wir Strom und Heilgymnastik. Für die Magnetresonanz brauchen wir eine Bewilligung der Krankenkasse. Und wer muss die besorgen? Wir? Ich! Um mir den Weg zu sparen, schickte ich das Ansuchen per Post.
Dass vier Wochen keine Antwort kam, machte vorerst nichts, da auch beim nächstgelegenen physikalischen Ambulatorium für Eisenbahn und Bergbau keine Termine frei waren. Dann die erste Heilgymnastik-Sitzung, Wartezeit 30 Minuten, Diagnose: Es lässt sich noch nichts sagen. Der Strom blieb wirkungslos. Von der Krankenkasse keine Antwort. Nach mehrfacher telefonischer Nachfrage, Dauer vier Stunden, traf die Bewilligung ein, allerdings, wie ich erst beim Magnetresonanzinstitut sah, Wartezeit eine Stunde, ohne Stempel. Laut Krankenkasse gab es mich also nicht. Das war neu, aber nicht angenehm. Im persönlichen Gespräch, Dauer 30 Minuten, gestand man mich dann doch ein und bewilligte, ich aber war gewiss, die Rumrennerei von Arzt zu Institut, Ambulatorium und Krankenkasse, war die eigentliche Therapie, nur zur Heilung ausgedacht, denn dem Knie ging es besser, Schmerz und Schwellung waren weg. Trotzdem ging ich zur Magnetresonanztomografie. Im Wartezimmer saßen Menschen mit Plastikkanistern, die sie leer zu trinken hatten, beängstigend.
Egal. Ich lief mit dem Befund zum Orthopäden, Wartezeit drei Stunden, der brach dann die Diagnose übers Knie: Meniskus! Operation! Im Krankenhaus, Wartezeit zwei Stunden, meinte man, der früheste OP-Termin sei in drei Monaten. Oder sind wir privat versichert, dann geht es morgen? Nein? Keine Sorge, es gibt genug zu tun. Wir brauchen eine OP-Freigabe, wofür wir zum Hausarzt müssen, Wartezeit eine Stunde, der eine Verschreibung zum Herz- und Lungenröntgen sowie zum Internisten ausstellt. Gut. Zwar bekam ich (nicht wir) im Hausarztwartezimmer eine Influenza, dafür ging das Röntgen flott. Der Operationsfreigabe folgte eine Sitzung beim Anästhesisten und dann die OP, die jetzt, nach all der Rumlauferei, schon gar nicht mehr notwendig gewesen wäre. Dabei ging es nur ums Knie. Wie wird das erst, wenn man richtig krank ist? (Franzobel, DER STANDARD Printausgabe 4. März 2008)