Streit über Rückgabe einer von den Nazis gestohlenen Plakatsammlung mit Millionenwert
Berlin - Vor dem Landgericht Berlin bahnt sich ein Streit
über die Rückgabe einer von den Nazis gestohlenen Plakatsammlung mit
Millionenwert an. Der Sohn des verstorbenen jüdischen Eigentümers
Hans Sachs, der 70-jährige US-Bürger Peter Sachs, verklagte am Montag
das Deutsche Historische Museum (DHM) auf Herausgabe eines
Filmposters aus dem Jahr 1932 für den Film "Die blonde Venus" mit
Marlene Dietrich.
Der Wert des Posters wird auf rund 13.500 Euro geschätzt. Mit dem
Musterprozess will Sachs aber die Rückgabe der gesamten im DHM
erhaltenen Sammlung erzwingen, deren Verkaufspreis auf 13 bis 40
Millionen Euro taxiert wird. Erhalten sind noch rund 4.300 von
ursprünglich 12.500 Plakaten und 18.000 kleineren Grafiken. "Ob ich
gewinne oder verliere - ich schulde es meinem Vater, sein Lebenswerk
und lebenslange Leidenschaft zurückzuholen", erklärte Sachs zu seiner
Klage.
Sein 1974 gestorbener Vater hatte 1961 von der Bundesregierung
225.000 Mark als Entschädigung erhalten - allerdings in dem Glauben,
seine Sammlung sei für immer verloren. Wenige Jahre später erfuhr
Hans Sachs, dass große Teile in einem Museum in Ost-Berlin in der DDR
lagerten. Trotzdem schrieb er anschließend in einem Brief, dass er
seine materiellen Ansprüche als ausgeglichen betrachte.
Auf diese Äußerung bezog sich im Jänner 2007 eine Kommission der
deutschen Bundesregierung und empfahl, dass das Historische Museum
die Plakate behalten soll. Die Kommission empfahl zudem, dass das DHM
die Sammlung katalogisieren, pflegen und ausstellen solle.
Museumssprecher Rudolf Trabold gab der Klage angesichts der
Kommissionsentscheidung wenig Erfolgschancen. Seitdem seien keine
neuen Fakten bekanntgeworden, sagte er.
Die Sammlung umfasst Poster mit Werbung für Ausstellungen und
Produkte, für Kabarettveranstaltungen, aber auch politische
Propaganda. Das Deutsche Historische Museum hatte die Sammlung 1990
nach dem Mauerfall erhalten.
Hans Sachs wurde 1881 geboren. Er war Zahnarzt. 1938
beschlagnahmten die Nazis die Sammlung. Am Tag der antisemitischen
Pogrome am 9. November 1938 wurde Sachs festgenommen und ins
Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht. Als er gut zwei Wochen
später freigelassen wurde, emigrierte die Familie in die USA. (APA/AP)