Kanzler Schmidt wurde 1977 zum Mord an RAF-Häftlingen gedrängt

Redaktion, 3. März 2008, 10:47

Politiker wollten auf diese Weise Schleyer-Drama "lösen"

Hamburg - Während der Entführung des deutschen Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer 1977 ist der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt einem "Spiegel"-Bericht zufolge von deutschen Politikern gedrängt worden, RAF-Häftlinge erschießen zu lassen. Das Nachrichtenmagazin beruft sich dabei auf bisher geheime Akten der Bundesregierung, die überwiegend aus Protokollen der Telefonate Schmidts mit anderen Staats- und Regierungschefs bestehen.

In einem Gespräch mit dem französischen Präsidenten Valéry Giscard d'Estaing sagte Schmidt demnach, von ihm werde "von allen Seiten, sogar von Politikern verlangt, Geiselerschießungen an den inhaftierten Terroristen vorzunehmen". Er stehe unter starkem Druck überwiegend seitens der Opposition, aber auch aus dem eigenen Lager und aus weiten Kreisen parteipolitisch nicht gebundener Bürger. Er wolle jedoch die Verfassung und die Rechtsordnung strikt einhalten, wird Schmidt laut "Spiegel" weiter zitiert.

"Rechtzeitig gewarnt"

Nach dem Selbstmord der RAF-Häftlinge Andreas Baader und Jan-Carl Raspe erzählte Schmidt den Akten zufolge dem italienischen Ministerpräsidenten Giulio Andreotti, die Bundesregierung habe die für das Gefängnis Stammheim zuständige Landesregierung in Stuttgart "rechtzeitig gewarnt und strengste Kontrollen der Gefangenenzellen angeregt". Bonn habe "aufgrund der offensichtlichen Verbindungen zwischen den inhaftierten Terroristen und der Außenwelt Hinweise - wenn auch keine Beweise - über mögliche Vorfälle erhalten". Diese Hinweise seien wohl in Baden-Württemberg nicht genügend berücksichtigt worden.

Neue Erkenntnisse liefern die Gesprächsprotokolle womöglich auch zur Gegenleistung der Deutschen für die Erlaubnis der somalischen Regierung, die entführte Passagiermaschine "Landshut" in Mogadischu am 18. Oktober 1977 zu stürmen. Dem somalischen Botschafter Jussuf Bokah soll Schmidt den Angaben zufolge gesagt haben, die Bundesregierung könne finanzielle Unterstützung geben, die auch für Verteidigungszwecke verwendet werden könne. Eine solche Vereinbarung müsse aber strikt vertraulich bleiben. (APA/AP)

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jacques05
10
@standard redaktion...

ich weiß, dieses thema ist sehr, sehr heikel.
ich weiß, medien sind abhängig.
aber ist es wirklich unmöglich einmal die verträge von jalta, insbesondere bezüglich die aufteilung und den erhalt der dort beschlossenen einflusssphären zu thematisieren?
es wäre gerade in zeiten wie diesen sehr nützlich für die bürger, zu wissen, was jalta für eu bedeutete.
und gerade für ö.
denn ö hatte im gegensatz zu d, i, e, und dem ostblock alle möglichkeiten sich als wirklich unabhängiger, neutraler staat zu etablieren.
(verträger von moslau).
man hat diese chance, ausser vielleicht der ära kreisky, vertan.

Jürgen Mayer
01
12.4.2008, 17:36
Da ist mir etwas nie aus dem Kopf gegangen:

ich erinnere mich noch sehr gut an eine Fernsehdokumentation in der Schmidt interviewt wurde und wo er ein ganz bestimmtes Verhalten Strauß angedeutet hat. Später hörte ich auch noch immer wieder Gerüchte dazu...
Diesen Spiegel-Bericht kann ich aber dann irgendwie doch nicht wieder ganz nachvollziehen - wie im übrigen auch sämtliche tatsächlichen Auftritte Schmidts zu dem Thema.
Welche Geisteshaltung sich in der deutschen Innenpolitik damals wirklich verbarg wird für mich so jedenfalls kaum verständlich aufgeklärt werden

Andres Wood
03
Richtig...

Das war "Todesspiel" von Heinrich Breloer. In diesem Dokumentarfilm meint Heinrich Breloer zu Helmut Schmidt, daß angeblich die Erschießung der inhaftierten RAF-Kader gefordert wurde, jede Stunde Eine-r, bis Schleyer entlassen würde; Schmidt antwortet: "Das hätte die Verfassung nicht zugelassen" und Breloer hakt nach: "Das wird F.J. Strauß zugeschrieben.". Schmidt wörtlich: "Dazu will ich mich nicht äußern."

Damit ist doch ohnehin alles klar.

Schmidt hat auch damals in einer Bundestagsrede (Auschnitt in "Todesspiel") gesagt: "Mich erreichen in der großen Lage Vorschläge, die weit darüber hinausgehen.". Auch damit deutete er es an.

Kottan's Erben
 
00
Wäre ja bös

wenn der Herr Schmidt tatsächlich an einem Gewaltverbrechen beteiligt gewesen wäre.
Die Frage nach Karriere oder Verbleib der Mittäter reizt meine Neugierde.
Und ich mutmaße mal.... ne, jetzt reiß ich mich zusammen und lasse den Rest ungeschrieben.

onduras
94
18.5.2010, 04:52

einen terroristen zu beseitigen orte ich nicht unbedingt als ein verbrechen, krebspatienten werden ja auch geschwüre entfernt, solche aktionen dienen eher der gesundung

the other side
00
30.9.2010, 10:22
Terrorsiten streben oft an den Gut-Staat aus den Angeln zu heben

und zu Massnahmen zu zwingen die einen Verassungsbruch darstellen oder sonstwie inhuman sind - gemäß dem Grundsatz: Schaut her was dieser Staat verbricht!
Des einen Terroristen sind des anderen Freiheitskämpfer und Märtyrer.

Neo-Darwin
 
00
30.9.2010, 16:14

Ja ja, das stimmt.

In Originalton links nennt man das:

"Der Bourgeoisie den Faschismus herauskitzeln."

Zenith1
11
16.3.2008, 09:31
Nun

ich war im Herbst 1977 in Bonn. Die Regierungsgebäude waren übermannshoch von Stacheldraht eingezäunt, überall Schützenpanzer, die Polizei mit MP's. Im späteren Film "Deutscher Herbst" (ich glaube Anfang der 90iger Jahre) hat BK Schmidt erklärt, er habe im Krisenstab (dem alle Parteien angehörten) ausdrücklich gefordert, daß auch "Undenkbares gedacht und gesagt" werden solle. Übrigens hat zu den Gerichtsmedizinern, die die Todesfälle in Stammheim untersuchten, auch Prof. Holczabek aus Wien gehört. Das war ein Ehrenmann alter Schule, der sicher nichts unter den Tisch gekehrt hat!

T.h. omas
58
10.3.2008, 19:34
Gefangenenerschiessung ausserhalb des regulären Kriegsrechts ist inakzeptabel.

Egal aus welchem Grund.
Wer das fordert, schönredet, oder rechtfertift, gehört nicht mehr zum Rechtsstaat und stellt sich auf eine Stufe mit den ärgsten Schurken der Geschichte.

Aber es ist interessant, wie radikal in Politkreisen gedacht wird, wenn es wirklich ans Leder geht. Die RAF hat schliesslich weniger das Volk terrorisiert, als die Eliten.

Glaubt noch irgendwer, man könne sich der Herrschaft der aktuellen Klasse wirdersetzen?
Dann haben wir ganz schnell wieder Nachtabholungen....

jacques05
00
gefangenen erschießungen...

sind auch ausserhalb des kriegsrechts.
davon abgesehen, alle, die einen krieg fordern sind verbrecher.
denn krieg setzt die letzten reste einer zivilen (un)ordnung, eines (pseudo)demokratischen (un)rechtsstaates ausser kraft.
der krieg gegen den terror von den usa und eu geführt, ist dafür ein sehr schönes beispiel.

Hans Dichand's Lebensmensch
85
24.11.2008, 14:49

Ja, die RAF hat die Elite terrorisiert. Die arme Streifenpolizei-Elite zum Beispiel.

T.h. omas
10
25.11.2008, 09:58
"Es ist auch nicht das Ziel eine Bankräubers, Angst unter Bankangestellten auszulösen"

-Ihre bisher unveröffentlichte Antwort.

Tip: Informieren Sie sich nochmal über den Begriff "Terrorismus".

T.h. omas
00
24.11.2008, 16:50
"-Weniger - als-"

Lernen Sie die Grundlagen der Deutschen Sprache.

Jedenfalls war es nicht Ziel der RAF, Angst unter der Bevölkerung auszulösen.

dirty but clean
20
30.9.2010, 13:43

schna uze, von teutscher sprache faselnder raf-apologet im jahre 2010... was hast du denn geraucht?

Hans Dichand's Lebensmensch
20
25.11.2008, 09:04

Es ist auch nicht das Ziel von Bankräubern, Angst unter Bankangestellten auszulösen. Und die sind vergleichsweise noch harmlos, die haben nämlich nicht das Ziel, Menschen zu ermorden.

Ich für meinen Teil bin jedenfalls froh, dass die Terrorist/innen damals Selbstmord begangen haben - sonst wäre der Terror noch weiter gegangen - und es wären vielleicht noch mehr unschuldige Menschen ermordet geworden, sowohl von der wirtschaftlichen und politischen Elite, als auch aus anderen Schichten.

Sei nicht so verbohrt
01
26.12.2009, 14:48

Aus der "wirtschaftlichen und politischen Elite" ist aber niemand unschuldig. Sonst kommt man da gar nicht hin.

Mostbluzza
10
28.3.2008, 15:00
wer sagt denn das?

mit der "eu verfassung" und der vielgelobten aufnahme der EMRK, gilt die regelung, dass die todesstrafe ermöglicht wird, z.b. als Mittel der Staatsgewalt gegen AUFRUHR (vielleicht ne Demo?) und Widerstand gegen rechtliche Maßnahmen etc.

deutschland ist eine besetztes land, ohne verfassung ohne legitimierte Hauptstadt und selbst die staatsangehörigkeit ist strittig, von der legitimation der organe ganz abgesehen.
da liegt vieles im argen. da werden leute (auch wenn zurecht) nach alliertem militärrecht abgeurteilt - 2005 (schalck-goldowski) !!

Nick Tameer
00
11.1.2009, 18:27

Mal im Ernst, scheint es ihnen von derlei juristischen Feinheiten des Staatsrecht wie "legimierter Hauptstadt" (was immer dies auch sein soll) oder - vermeintlichem - Besatzungsstatut abhängig zu sein, was die Repräsentanten der Staatsmacht tun würden, wenn sie sich einer ernsthaften Bedrohung ausgesetzt sähen?

derXandl
00
19.12.2008, 15:11
Unsinn.

Such doch mal nach "Zwei plus Vier Vertrag". Seit dem 15.3.1991 ist Deutschland nicht mehr besetzt, die dort weiterhin stationierten Truppen unterliegen dem NATO Truppenstatut und haben keinerlei Hoheitsbefugnisse mehr.

Hans Dichand's Lebensmensch
00
25.11.2008, 09:05

Alles wird gut.

Mein Freund Harvey
10
15.4.2008, 17:21

Lustiger Schwachsinn den Sie sich hier zusammenreimen ...

Heiner Hanenkamp
00
12.3.2008, 22:11

Ich bin nicht sicher, ob das in Zukunft noch nötig sein wird angesichts der Fortschritte der psychologischen Techniken. Wenn, dann wohl nur, sollte das System noch einmal in eine vergleichbare Krise stolpern wie jene der 20er Jahre des vergangen Jhdts.

Und beim letzten Mal hat's erst einen verheerenden Krieg gebraucht, um das System halbwegs an eine sozialverträgliche Leine zu legen. Lange gehalten hat die allerdings nicht.

Placebo
 
11
Nach diesem Bericht frage ich mich aber, war der "Mord" wirklich "Selbst"??


Weil, erschiessen lassen würde doch nur unangenehme Fragen nach sich ziehen...

DieBo
12
Der Online Stern hat ein brisantes Foto der erhängten Ulrike Meinhof, das Jutta Ditfurth bei ihrer Recherche entdeckt hat, aus dem urspünglichen Artikel entfernt. AUF DEM FOTO STAND DIE TOTE ULRIKE MEINHOF MIT EINEM BEIN NOCH AUF DEM STUHL!

"Am Sonntag den 9. Mai 1976 fand man Ulrike Meinhof tot in ihrer Zelle in Stammheim. Bei ihren Recherchen stieß Ditfurth nun auf ein verstörendes Foto der toten Meinhof, das der stern nun veröffentlicht. Bisher sah man die tote Meinhof nur bis zu den Oberschenkeln. Nun sieht man sie ganz. Am Fensterkreuz, ihr linker Fuß auf einem Stuhl."
http://www.stern.de/politik/h... q=ditfurth

rinius ante portas
00
30.9.2010, 17:49

Auch wenn du es zum hunderttausendsten Mal behauptest wird es nicht richtiger: Das Bild ist NICHT verschwunden, sondern ist ins Stern-Archiv gelegt worden!

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