Reportage: Ein Campus links von der Mitte

Redaktion, 09. Mai 2008 13:24
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    Das College in Wooster ist der einzige Fleck, an dem man Menschen links der Mitte findet.

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    Politik statt Party: Studierende mobilisieren ihre KommilitonInnen.

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    Hillary-AnhängerInnen sind am Campus in der Minderheit.

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    Bill Clinton versucht deshalb, die Studierenden im Hörsaal von seiner Frau zu überzeugen.

"Obama ist wie ein iPod": Für die Politik vernachlässigen Ohios Studierende gerne ihre akademische Karriere

Am einem normalen Samstag Vormittag sind Studierende am College of Wooster entweder in der Bibliothek zu finden oder sie schlafen sich von der Party in der campuseigenen Disko aus – oder eine Kombination aus beidem. Am Samstag eine Woche vor den Vorwahlen haben eine handvoll Studierende allerdings andere Prioritäten: Sie gehen auf Stimmenfang in die Ortschaft.

Menschen links der Mitte

Wooster ist ein kleines Städtchen eine Stunde südlich von Cleveland im Tor zum Mittelwesten, Ohio. Das College ist der einzige Fleck in der Stadt, an dem man Menschen links der Mitte findet. Rund fünfundzwanzig davon wollen an diesem Samstag Vormittag für Barack Obama werben, etwa fünfzehn weitere Studierende sind Hillary Clinton-Fans. RepublikanerInnen brauchen nicht aufzustehen, mit dem Ausscheiden Mitt Romneys hat John McCain die republikanische Nominierung inoffiziell gewonnen.

"Wir versuchen ein Gefühl dafür zu bekommen, wo die Menschen stehen und wir versuchen, Obama in der Gemeinde sichtbar zu machen", erklärt Sam Hickey, der Mathematik im dritten Jahr studiert. Er geht gemeinsam mit der Biologiestudentin Claire Kirby von Tür zu Tür. Für sie ist Obama eine Inspiration. "Er denkt, dass Menschen mehr in die Regierungsarbeit involviert sein sollen und dass nicht Lobbyisten und große Konzerne entscheiden sollen, was die Themen in Washington sind."

"Ich will Amerikanerin werden"

Auch Lena Mityushina wirbt an diesem Vormittag für Obama. Lena ist Russin, eine von rund 250 internationalen Studierenden. Sie wirbt trotzdem für Obama: "Ich will später Amerikanerin werden und stolz auf meinen Präsidenten sein. Deshalb helfe ich ihnen beim Auswählen". Der Pakistani Aneeb Sharif verfolgt das Rennen genau, nicht nur weil er ein Politikwissenschaftsstudent ist. "Wer der nächste U.S. Präsident oder Präsidentin ist, beeinflusst nicht nur Amerika, sondern die ganze Welt, vor allem Pakistan, weil wir sehr eng mit den USA zusammenarbeiten. Bush war eine Katastrophe." Deshalb ist er für Hillary Clinton.

Clinton in der Minderheit

Damit ist er am College in der Minderheit. Auch wenn Umfragen Clinton in Ohio einen fünfprozentigen Vorsprung voraussagen, hier am Campus ist Obama eine Mehrheit gesichert. Das macht sich auch beim "Hillary für Anfänger" Treffen bemerkbar, das die "Wooster Studenten für Hilary" organisiert haben. "Obama ist wie ein iPod", beklagt sich ein Clinton-Unterstützer, "Es gibt wesentlich bessere Geräte, aber alle kaufen den iPod, weil das gerade cool ist."

Sarah Green-Golan, die Sprecherin der Gruppe, versucht die Stimmung im Raum von Anti-Obama zu Pro-Clinton zu drehen: "Es ist schade, dass Obama nicht beschlossen hat, in acht Jahren zu kandidieren. Er hat die Qualitäten eines großartigen Präsidenten, aber nicht die Erfahrung." Die 21-Jährige hat in den Winterferien freiwillig für die Clinton Kampagne im Bundesstaat Nevada gearbeitet und hat danach die Gruppe am College aufgebaut. "Ich bin mir sicher, wenn man über die Last, dass sie eine Frau ist, hinweg sehen würde, wäre sie die unumstrittene demokratische Kandidatin: Hillary hat bereits außenpolitische Erfahrung, sie ist in über 82 Länder gereist und hat auch schon Frieden verhandelt. Obama hat diese Erfahrung nicht. Das macht mir Angst."

Zwei Themen geben Diskussionsstoff

Ansonsten bleiben die ClintonwahlkämpferInnen bei Themen. "Ich habe mir gedacht: Ok, der eine ist schwarz, die andere eine Frau, ich schaue mir gleich ihre Positionen an", erzählt Alex Jue seine persönliche Clinton-Geschichte. Thematisch scheinen sich die Studierenden nicht von der übrigen Bevölkerung zu unterscheiden. Die Diskussion kommt immer wieder auf zwei Themen zurück: Die allgemeine Gesundheitsversicherung und den Irakkrieg. Aus letzterem will Clinton sich nicht abrupt zurückziehen. "Es ist unrealistisch, ein bestimmtes Datum zu setzen. Was wir brauchen ist ein Plan und den will Hillary innerhalb ihrer ersten 60 Tage im Amt erstellen", versucht Sarah die Unentschlossenen zu überzeugen und es klingt ein bisschen aus einem Kampagnentextbuch, wenn sie sagt: "Außerdem will Hillary eine allgemeine Gesundheitsversicherung. Obamas Plan deckt laut New York Times, Times Magazin und anderen, rund 15 Millionen Menschen nicht ab."

Tatsächlich will Obama nicht sofort eine Gesundheitsversicherung verpflichten, sagt Ted Hickey. Der Wirtschaftsstudent ist Sprecher der "Students for Obama": "Ich mag Hillarys System, aber wie alles ist auch das ein Kampf für sie. Barack sagt: Wir stellen es für alle zur Verfügung und machen es für Kinder verpflichtend. Wenn alle davon überzeugt sind, dann werden alle das staatliche Angebot annehmen. Sein Plan zeigt seinen Willen, Kompromisse einzugehen und eine Balance zu finden."

Wahlkampfort Internet

Durch Facebook ist es für beide Gruppen einfach, sich zu organisieren. "Es ist das erste Rennen, bei dem die neuen Medien so gezielt eingesetzt werden", beobachtet die Politikwissenschaftsprofessorin Angela Bos, "2004 hat man noch nicht so viele Facebook-Gruppen gesehen. Das trägt sicher zur Mobilisation von Jugendlichen bei." Die Faszination von jungen Menschen für Obama sieht sie in seinem Kampagnenstil und seinem Image begründet. "Junge WählerInnen tendieren eher zum Kandidaten des Idealismus. Zusätzlich passt sein Grassroots Stil zum Campusumfeld." Bos hofft auf eine Steigerung der Wahlbeteiligung, allerdings könnte die komplizierte WählerInnenregistrierung das Gegenteil bewirken.

Ob es morgen eine Entscheidung gibt oder nicht, eines ist sicher: Wie auch in Wooster, Ohio, werden Studierende ihre akademische Karriere für ein paar Wochen ruhen lassen, um bis zur tatsächlichen Wahl im November an Türen in verschlafenen, amerikanischen Kleinstädten klopfen. (Gastautor Yussi Pick/derStandard.at, 3. März 2008)

Yussi Pick, ehemaliger ÖH-Pressesprecher, ist Teaching Assistant am College of Wooster.

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College of Wooster

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 55
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Matt Santos
04.03.2008 18:24
Ich frage mich

die so weisen Standardleser verstehen, dass die Mitte eine flexibe Variable ist. Weder Clinton noch Obama sind links im europaeschen sinn. Aber trotzdem links der Mitte in den USA.

powerpack
04.03.2008 16:38

genau dieses "links von der mitte" ist auch das problem warum obama im echten präsidentschaftswahlkampf keine chancen gegen mccain haben wird. oder glaubt hier wirklich irgendjemand die amerikanische gesellschaft ist in ihrer gesamtheit links der mitte?

in der realität ist die große mehrheit der amerikaner wohl eher stark rechts der mitte.

das obama bei den vorwahlen viele stimmen von linkslinken "neo-demokraten" bekommen hat wird ihm im wahlkampf sicher keinen sieg einbringen. man muss doch klar sehen,dass nur eine winzinge minderheit überhaupt zu den vorwahlen geht.

wenn im november das gesamte wahlvolk abstimmen wird,werden ihre stimmen sicher nicht zum linkslinken obama wandern-soviel dürfte schon ziemlich sicher sein.

seebas
04.03.2008 17:54

du hast wohl amerika nicht verstanden.
selbst wenn obama links der mitte ist, macht ihn das nicht zur figur konzentrierten hasses, wie hilary clinton, die jeden nichtwähler für die republikaner mobilisieren würde.

Bjoern Kauzig
04.03.2008 17:07
our time is now

have little faith.

derTwister
04.03.2008 15:16
"links von der mitte"?

..wer soll das sein?

die frage im us-amerikanischen wahlkampf ist eher die des geringeren übels.

ich finde es positiv (und mutig), dass die demokraten kandidaten stellen, die aus bevölkerungsgruppen kommen, die in der politik der usa bislang unterrepräsentiert waren.

jedoch kann ich mir nicht vorstellen, dass sie sich so stark von den republikanern unterscheiden.

Fritz Meyer
04.03.2008 09:23
"Red' Dir deine Marionette schön..."

Wesentliche Änderungen in der Politik wird's sowieso keine geben.

Fritz.

Juni73
 
04.03.2008 07:31

Ich kann dieses Unerfahren-Geschwafel nicht mehr hören.
Wenn Obama so unerfahren ist, sollte sich Hillary Clinton die Frage stellen, warum sie gegen einen so unerfahrenen Außenseiter derart unter die Räder gekommen ist.
Meine Meinung:
Er hat ganz einfach das wesentlich größere politische Talent.

Hans Hansen
04.03.2008 11:57

Mit Unerfahrenheit hat ihre Stimme für den Irakkrieg auch zu tun gehabt.

powerpack
04.03.2008 16:34

hillary clinton den zustimmung zum irakkrieg anzulasten ist lächerlich. der beginn dieses kriegs war sowas wie ein nationaler konsens - die überwiegende mehrheit der amerikaner wollte den krieg. da kann ein politiker nicht einfach dagegenstimmen - immerhin sind politiker auch ihren wählern verpflichtet.

das das ganze dann zu einem disaster wurde, war dem amerikan. volk in ihrer selbstherrlichkeit ja überhaupt nicht klar.genausowenig war abzusehen, dass sich die stimmung so dreht.

auf ö umgelegt wagt es doch auch kein politiker,egal welcher partei zB gegen die allg. sozialversicherung zu arbeiten,eben weil die allergrößte bevölkerungsmehrheit dafür.

obama hat hier nur den vorteil,damals noch nicht im amt gewesen zu sein.

Harald Hörmann
05.03.2008 03:05
obama hat hier nur den vorteil,damals noch nicht im amt gewesen zu sein.

Obama war Senator und hat dagegen gestimmt.

Andreas Prucha
04.03.2008 15:31

Ich denke viele haben damals einfach dafür gestimmt, weil es während der 9/11-Paranoia der einfachste Weg war. Die Patriotismus-Keule Bushs hat einfach gewirkt. Entschuldigung für Clinton ist das aber nicht wirklich. Eigentlich finde ich eine aus Angst vor dem Wähler motivierte absichtlich falsche Entscheidung aus Unwissenheit

Hans Hansen
04.03.2008 16:12

Hmm, das kann gut sein. Spricht für jene Demokraten, die dagegen stimmten.

mlybdene
04.03.2008 06:41

Wo kann man Wetten auf den Ausgang der US amerikanischen Wahlen plazieren?

Danke

Der Leser für die Zeitung
04.03.2008 10:16

ich schätz mal in london.

bei den buchmachern dort könnens auch darauf setzen, ob's weihnachten einen schnee haben wird

oder wer der erste spieler ist, den sie bei der euro 08 mit der bare vom platz tragen werden

oder dass ihr sohn bei den spielen 2024 die silbermedailie im dann olympischen kaugummiweitspucken gewinnen wird.

bei denen gilt: everything goes

StalKing
 
04.03.2008 10:06
bei mir (hähä!)

*geld aus der hand reiss, weglauf*

LingLom
04.03.2008 06:26

"Das College ist der einzige Fleck in der Stadt, an dem man Menschen links der Mitte findet."

sind die so "links" wie die sp, herr pick? oder gar so extremistisch linkslinks wie der vsstö?

mir scheint eher, es handelt sich um die us-versionen von busek und ederer.

Pünther Glatter
03.03.2008 20:03
wenn obama ein ipod ist, dann ist

die hillary ein nokia handy mit jamba klingeltönen

karcsi
 
03.03.2008 17:54
links ist, wenn man gegen krieg und für soz. gerechtigkeit ist

also darf ein linker nur nader wählen

TrifterSepp
 
04.03.2008 07:21
Und Alle Rechten sind für Elend, Gewalt und Unterdrückung?

Muffel
 
04.03.2008 10:14

Ja.

Roland Rabe
04.03.2008 16:00

und josef stalin und pol pot waren Neoliberale ?

Muffel
 
04.03.2008 18:18
(2. Versuch, durch die Zen*ur zu kommen.)

Nein, Sie waren 2 der übelsten Verbrecher der Menschheitsgeschichte.
Die Untaten der Rechten durch Ablenkung auf die Untaten der Linken zu rechtferigen ist übrigens Kindergarten- & Volksschulniveau ("Aber Frau Lehrerin, der xy ist aber auch schlimm gewesen!").
Also lassen Sie das bitte!

Die Verbrechen der von Ihnen aufgezählten Herren machen die Gräuel rechter Regime nicht besser.

(PS: kann mir jemand erklären, wieso solch ein Posting nicht durch die Zen*ur kommt?)

Muffel
 
05.03.2008 01:30

Und wieso erscheinen meine 2 Postingversuche von 16:31 und 18:18 hier erst um 1:29 in der Nacht? Seltsam.

Muffel
 
04.03.2008 16:31

Und wo habe ich das behauptet?!
Beide waren Verbrecher der übelsten Sorte.
Aber von dem Elend, das die Rechten schon verursachten abzulenken (oder es gar rechtzufertigen), indem man die Untaten anderer vorschiebt, das ist Rechtfertigung auf Kindergarten- und Volkschulniveau ("Aber Frau Lehrerin, die xxxx ist doch auch schlimm gewesen, nicht nur ich!).

Peinlicher und Tiefer geht's nicht!

diskdusk
03.03.2008 21:16

Wenn Nader wirklich ein Kandidat mit Chance wäre könnte er ja an Vorwahlen teilnehmen...

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