Technologische Kooperation

1. April 2008, 13:55
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Das Potenzial der Technologie bei der Bekämpfung von Armut und Umweltbedrohungen - Kommentar von Jeffrey Sachs

Anfang Februar veröffentlichte die amerikanische National Academy of Engineering einen Bericht unter dem Titel "Die großen technologischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts". Ziel dieses Berichts ist, das Augenmerk auf das Potenzial der Technologie bei der Bekämpfung von Armut und Umweltbedrohungen zu lenken. Zu den in diesem Zusammenhang relevanten Technologien zählen kostengünstige Solarenergie, sichere Entsorgung des in Kraftwerken anfallenden CO2, die Kernfusion, neue Technologien im Bildungsbereich und die Kontrolle der durch Stickstoffdünger verursachten Umweltschäden. In dem Bericht wird auch eine globale Priorität hervorgehoben: die Förderung hochentwickelter Technologien für eine nachhaltige Entwicklung. Normalerweise denken wir bei internationaler Zusammenarbeit an Bereiche wie Geldpolitik, Krankheitskontrolle oder die Weiterverbreitung von Atomwaffen. Weniger oft kommt uns dabei die Förderung neuer Technologien in den Sinn, wie beispielsweise saubere Energie, ein neuer Malaria-Impfstoff oder trockenheitsresistente Pflanzen, die armen afrikanischen Bauern helfen sollen. Im Großen und Ganzen betrachten wir neue Technologien nicht als Chance für die Lösung globaler Probleme, sondern als eine Angelegenheit von Firmen, die diese Technologien für den Markt zu entwickeln hätten.

Doch angesichts enorm drängender Probleme auf globaler Ebene wie extreme Ungleichheit der Einkommen und massive Umweltschäden, müssen wir neue technologische Lösungen für diese Probleme konzipieren. So ist es beispielsweise unmöglich, die globale Energienutzung in sicherer Weise auszubauen, wenn wir nicht die Methoden der Elektrizitätserzeugung, des Autoantriebs sowie der Beheizung und Kühlung von Gebäuden von Grund auf ändern. Die Abhängigkeit von Kohle, Erdgas und Erdöl ohne Berücksichtigung der CO2-Emissionen ist zu gefährlich, weil dies zu Klimaveränderungen führt, die die Ausbreitung von Krankheiten, Vernichtung der Ernten, Dürre und Überflutungen sowie vielleicht auch den Anstieg des Meeresspiegels zur Folge haben.

Die National Academy of Engineering hat einige mögliche Antworten gefunden. Wir können uns sichere Atomkraft zunutze machen, die Kosten für Solarenergie reduzieren oder das bei der Verbrennung von fossilen Brennstoffen entstehende CO2 abscheiden und sicher lagern. Die Technologien dazu sind allerdings noch nicht einsatzbereit, und wir können nicht einfach darauf warten, bis der Markt sie uns bereitstellt, denn diese Technologien erfordern gravierende Änderungen in wirtschaftlicher, sozialer und politischer Hinsicht. Auch gibt es keine Marktanreize für private Unternehmen, um entsprechend in die Entwicklung derartiger Technologien zu investieren.

Für all das bedarf es eines neuen globalen Ansatzes. Wir werden uns globale Ziele setzen müssen und anschließend wissenschaftliche, technische und politische Prozesse etablieren, um das Erreichen dieser Ziele zu gewährleisten. Ebenso sind neue haushaltspolitische Anreize zur Förderung von Modellprojekten und zur Unterstützung des Technologietransfers zu schaffen. Und wir werden Großunternehmen einbinden müssen, indem wir ihnen Anreize und Geschäftsmöglichkeiten in Aussicht stellen, ohne ihnen aber eine Monopolstellung im Bereich jener erfolgreichen Technologien zu gewähren, die auf breiter Basis zur Anwendung kommen sollen. (Jeffrey Sachs, DER STANDARD Printausgabe 01.03.2008)

Zur Person:

Jeffrey Sachs ist Professor für Ökonomie und Direktor des Earth Institute an der Columbia University. © Project Syndicate, 2008. Übers.: Helga Klinger-Groier.

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