Mörderische "große Hetz"

von Redaktion  |  29. Februar 2008, 19:51
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    Die deutsche Wehrmacht auf Russlandfeldzug: Aufgrund der zunehmenden Verrohung der Truppen im Kriegsalltag wurden unmenschliche Handlungen möglich und die Soldaten zu willkürlichen Vollstreckern im Vernichtungskrieg.

Er war in der Hitlerjugend und im NS-Studentenbund, später Soldat in der Wehrmacht. Mit 84 spricht er zum ersten Mal über "damals" und seinen Lebenslauf als Nazi

"Bubi, sprich schön!", der Satz seiner Großmutter hat sich eingeprägt. Im kleinbürgerlichen Milieu seiner Familie wurde großer Wert auf eine gepflegte Sprache gelegt. Herr H. erinnert sich, dass die Mutter und Großmutter diskutierten, ihn in einen Montessori-Kindergarten schicken wollte. Er erhielt Geigen- und Violoncellounterricht und absolvierte ein Jahr bei den Wiener Sängerknaben. So oder ähnlich könnte die Beschreibung eines musterhaften, bildungsbürgerlichen Lebenslaufes beginnen - und nicht die eines überzeugten Nazis.

Herr H. sitzt in seinem Wohnzimmer in der Wiener Leopoldstadt und versucht, es sich am eigenen Sofa bequem zu machen. Seine Haare und sein Oberlippenbart sind weiß, und beim Sprechen legt sich seine Stirn in tiefe Falten. Er spricht langsam, wählt seine Worte mit Bedacht. Das Erinnern an die Zeit des Nationalsozialismus erfordert heute seine ganze Konzentration.

Als sein Vater aus dem Ersten Weltkrieg nach eineinhalb Jahren Kriegsgefangenschaft nach Hause kam, war er wie viele andere auch überzeugt, dass der Sozialismus die Zukunft sei. Zur selben Zeit war die antisemitische Saat von Karl Lueger bereits so aufgegangen, und Juden wurden als Ursache vieler Probleme vorgeschoben - auch in der Familie H. Weil das Hutmacherzubehörgeschäft nicht erfolgreich lief, war es ein Leichtes, das jüdische Hutmacherzubehörgeschäft in der Nähe für den Misserfolg verantwortlich zu machen. So kam der Vater - über den Antisemitismus - vom Sozialismus zum Nationalsozialismus.

1926, drei Jahre nach R.s Geburt im Jahr 1923, war der Vater an der Gründung der österreichischen NSDAP beteiligt und als Landespressereferent in der Parteispitze aktiv. Nach der Ausschaltung des Parlaments im März 1933, dem Verbot der österreichischen NSDAP im Juni 1933 und der Errichtung des autoritären Ständestaates im Jahr 1934 ging der alte H. im Frühjahr 1934 in das nationalsozialistische Deutschland. Sohn und Mutter folgten noch vor dem Putschversuch der österreichischen Nazis im Sommer 1934 - zuerst nach München, dann nach Karlsruhe, schließlich nach Stuttgart, wo sein Vater beim Hilfsbund der Deutsch-Österreicher tätig war.

R. H. erlebte diese Zäsur als Aufbruch: "Ich bin nahtlos von den Wiener Sängerknaben zum deutschen Jungvolk gekommen." Mit 14 ging es zur Hitlerjugend, wo er zum begeisterten Anhänger der nationalsozialistischen Bewegung wurde: "In der Hitlerjugend habe ich wie alle anderen eine vormilitärische Erziehung durchlebt." Er erzählt von Wanderfahrten, von Lagern und zitiert Landknechtslieder wie etwa Spieß voran, drauf und dran, setzt aufs Klosterdach den roten Hahn: " Wir haben das mit Inbrunst gesungen, mit Vehemenz gebrüllt. Wir haben das für sehr wichtig gehalten."

"1938 konnten wir endlich als Sieger nach Österreich zurückkehren", sagt Herr H. Die Ereignisse rund um den Anschluss im März 1938 verfolgten sie noch aus Stuttgart, aber kurz vor der Volksabstimmung kehrten sie in die "Ostmark" zurück, wo sie als verdiente Parteigenossen sofort eine arisierte Wohnung im 19. Gemeindebezirk beziehen konnten. Dem jugendlichen R. kamen keinerlei Zweifel über die Rechtmäßigkeit dieses Vorgangs, sondern er fand, dass sie "ganz legitim dort wohnen konnten".

Endlich "Feindberührung"

R. H. erinnert sich heute daran, dass in der Reichskristallnacht am 9. November 1938, als in Wien die Synagogen brannten, Geschäfte und Wohnungen geplündert wurden und Juden erniedrigt, verletzt und ermordet wurden, alle an dem Abend bei der HJ "Dienst" hatten, obwohl die Ereignisse laut damaligen Stellungnahmen "spontan und freiwillig" abgelaufen seien. 70 Jahre später versucht R. H. zu erklären, was bis heute unerklärlich bleibt. In seinem damaligen ideologischen Umfeld kam er nicht auf die Idee, sich Gedanken über das Schicksal der Opfer zu machen. Herr H. erinnert sich heute nur noch daran, dass diese mörderische Hetze für sie eine "große Hetz" war.

Nach Beginn des Krieges bot sich den fanatisierten Jugendlichen schließlich die Möglichkeit, in der Realität zu versuchen, was sie sich beim Singen der HJ-Landknechtslieder vorstellten. 1941 meldete sich R. H. freiwillig zum Militär. Der Vater, der für seinen noch nicht volljährigen Sohn unterschreiben musste, blieb trotz Nazi-Gesinnung und aufgrund seiner eigenen Erfahrungen im Ersten Weltkrieg skeptisch. Als Freiwilliger konnte er sich die Waffengattung aussuchen und wählte die Panzertruppe - auch deshalb, weil ihn die martialische Symbolik der schwarzen Uniform mit den Totenköpfen am Kragen (ähnlich der SS) beeindruckte. Mit der 2. Panzerdivision kam er in die Umgebung von Smolensk in Russland. Nach ersten Enttäuschungen darüber, dass der Kriegsdienst im Panzer II wenig mit den Heldenmythen aus der HJ-Zeit gemein hatte, wurde seine Einheit mit dem größeren Panzer III ausgerüstet. Jetzt hatte auch er Gelegenheit zur "Feindberührung", da er mit einem kleinen MG ausgerüstet war.

R. H. spricht heute aus, worüber er lange geschwiegen hat. Er beschreibt eine Szene aus dem Russlandfeldzug. Als sie mit dem Panzer entlang eines zugefrorenen Sees gefahren waren, lief eine leicht bewaffnete Einheit russischer Soldaten auf sie zu: "Ich schoss mit Triumph-Gebrüll in die Einheit hinein und mähte die Reihe der Angreifer nieder." Der 84-Jährige beschreibt die Szene nicht als nüchterne Kriegshandlung, sondern als orgiastischen Akt: "Ich empfand höchste Befriedigung, als ich die Russen der Reihe nach in den Schnee purzeln sah!" Ringt er heute mit Schuldgefühlen? H.: "Es war willkürliche Brutalität. Wir haben als Soldaten scheußliche Sachen erlebt und selbst scheußliche Sachen getan."

R. H. war nicht nur an "normalen" Kriegshandlungen, sondern auch am willkürlichen Zerstörungswerk der Wehrmacht an der russischen Zivilbevölkerung beteiligt: "Ich kann mich genau an eine Situation Anfang 1943 erinnern. Als ich gerade an der Reihe war, den Panzerfahrer zu dirigieren, kamen wir durch eine Ortschaft. Ich muss eingestehen, dass es mir einen diabolischen Spaß bereitete, den Fahrer so zu lenken, dass das Haus schwer demoliert wurde. Vorher habe ich noch gesehen, dass Rauch aus dem Schornstein kam, das Haus also bewohnt war." Damals hatte R. H. keinerlei moralische Bedenken, heute, sagt er, sei er sich seiner Schuld bewusst: "Ich habe keine Entschuldigung! Ich war Teil der deutschen Soldateska."

Unmenschliche Willkürakte

R. H. wurde Zeuge von Kriegsverbrechen, die er aus nächster Nähe beobachten konnte. Immer wieder kamen sie in Kontakt mit Zivilpersonen, die mangels einer Uniform in den Verdacht kamen, Partisanen zu sein. Einmal, erinnert sich R. H., kam der wachhabende Soldat mit einem etwa 35-jährigen Russen in das Quartier. "Legen S' ihn um!", befahl der Leutnant seinem 22-jährigen Unteroffizier, der bis dahin noch nie einen Schuss abgegeben hatte. "Nachdem er diesen Willkürakt ausgeführt hatte, war er ein gebrochener Mann", erzählt R. H. Der Rest der Truppe zeigte keinerlei Betroffenheit wegen des Mordes. R. H. erinnert sich auch an eine Szene in einem russischen Bauernhaus, das zum Quartier für die Truppe gemacht wurde. Ein Oberfeldwebel versuchte die etwa 25-jährige Tochter des Hauses vor den Augen der Truppe zu vergewaltigen, was ihm nicht gelang. Daraufhin wurde der zornig, zog seine Pistole und schoss ihr in den Unterleib. R. H. hat über diese Situation immer wieder nachgedacht und sich gefragt: "Was hätte ich da machen können?" Heute stellt sich Herr H. die Frage anders: "Warum habe ich damals nichts gemacht?" Aufgrund der rassenideologischen Propaganda und auch aufgrund der zunehmenden Verrohung der Truppe wurden Handlungen möglich, deren Widerwärtigkeit heute unerträglich erscheint. Ideologische Indoktrination und Kriegspropaganda haben aus Menschen wie Herrn H. unmenschliche Vollstrecker im Vernichtungskrieg gemacht.

Der Vater von R. war nach 1945 mehrere Jahre im Entnazifizierungslager Glasenbach. R. selbst wurde 1944 verletzt, aber er überlebte. Schon gegen Kriegsende befallen Herrn H. Zweifel an der Sinnhaftigkeit dieses Krieges und schließlich an der nationalsozialistischen Ideologie. Nach dem Krieg studiert er Architektur und vollzieht eine ideologische Kehrtwende. Seine Erinnerungen an die Kriegsgräuel trägt er bis heute mit sich, mit den Jahren wachsen die Schuldgefühle. Jahrzehnte hat er kaum über die Kriegsjahre gesprochen, weder mit seiner Frau, von der er sich später wieder trennte, noch mit seiner Tochter. Er war bis zu seiner Pensionierung im Wohnbau tätig und engagierte sich im Weltfriedensrat und wurde Aktivist der Ostermarschbewegung. (Heinrich Berger/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1. 3. 2008)

Der Zeitzeuge R. H. arbeitet derzeit mit Unterstützung des Autors an einer Autobiografie mit den Schilderungen seiner Kriegserlebnisse.
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Kirtag
03.03.2008 13:55
solche überlieferung sind wichtig ...

... um den wahnsinn und die unmenschlichkeit des krieges festzuhalten (sofern die quelle - wovon ich ausgehe - auch eine seriöse ist); auch für jene generationen, die keinen direkten kontakt mehr mit der WK2-Generation haben; dass die gefahr einer wiederholung solche gräuel besteht ist wohl jedem klar (siehe Jugo.); mMn kann es nicht "zuviele" Dokus über die versch. Bereiche des WK2 geben; schlußendlich dürfen wir frei entscheiden, ob wir die artikel lesen bzw. dokus ansehen wollen! Und jedes Vergessen erhöht die Gefahr einer Wiederholung.

Data100
11.03.2008 17:51
Sehr guter Post

Was ich noch ergänzen möchte ist, dass diese Dokus alle Seiten zeigen MÜSSEN um den Leuten nicht das Gefühl zu geben das solche Abstumpfung nur mit einem Hakenkreuz am Arm möglich ist.
Das ist auch genau das Problem das ich heute sehe. Wenn irgendwo ein Politiker eine AUSSAGE wählt welche Nazi ähnlich ist oder Bezug hat, so wird gleich groß aufgeschrien.
Wenn aber z.B. ein schwarzer Warloard ohne Nazi nähe einen Völkermord plant und begeht, ist das interesse nur noch verschwindend gering. Das nenne ich falsch verstandene historische Verantwortung. Unsere Verantwortung ist es Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu verhindern und nicht irgendwelche Symbole oder Phrasen zu verbieten.

Dr. Lari and Mr. Fari 
03.03.2008 13:35
Sehr interessant und erhellend.

Möchte aber eine andere Erhellung, die mir bisher nie jemande geben konnte: es geht um einen anderen R. H., der eine sehr ähnliche vita wie obiger hatte, als Illegaler nach D ging und von dort im März 38 im Triumph zurückging.
Der hatte nach dem Krieg einen Sohn, der schließlich Landeshauptmann wurde, welcher auch immer wieder in den Geruch extrem rechter Sympathien kam.

Dieser Rober Haider starb vor wenigen Jahren. In seiner Todesanzeige wies man u. a. das große goldene Ehrenzeichen der Republik Österreich aus. Wofür hat er das bekommen? Wieso war es möglich, das einem zu verleihen, der einmal Hochverrat begangen und der alten Ideologie nicht wirklich abgeschworen hat?!

Berli Jucker
02.03.2008 11:01
Panzertruppe = SS-Verfügungstruppe, Waffen-SS

Wenn das gemeint ist sollte es bitte auch so dortstehen, schon um der Genauigkeit willen.

krendl
02.03.2008 18:56
Warum sollte das gemeint sein?

Berli Jucker
02.03.2008 22:26
Wegen der schwarzen Uniformen mit

Totenköpfen am Kragen

da seppl hoit
05.03.2008 09:13

..Die Panzeruniformen (der Wehrmacht!) hatten Totenköpfe an den Spiegeln - das hat aber nicht mit SS zu tun!!

(SS hatte den Totenkopf nicht am Kragen sondern an der Tellerkappe bzw am Ärmel..)



Spinndoktor
11.03.2008 16:09
Ergänzung

SS & SD hatten dort, wo Panzertruppen Totenköpfe trugen ihre Rangabzeichen. Diese Totenköpfe haben nicht wenige dieser Leute zuletzt das Leben gekostet, weil die zornigen Russen damit oftmals SS assozierten.

callanish
02.03.2008 10:16
Interessanter Artikel.

Bringt nur ruhig mehr davon!

seebas
01.03.2008 17:04

ein mehrfacher mörder läuft frei herum!

Im Exil
10.03.2008 23:36

als linkslinker gutmensch, antifaschist, nazi hasser und anti militarist muss ich ihnen sagen:

selten so ein schwachsinniges post gelesen.

yotix
02.03.2008 11:48

Hunderttausende Morde sind ungesühnt geblieben, und die Täter sind unsere Eltern/Großeltern; Das weiß IMO fast jeder in Österreich, man spricht es nur ungern aus.

frei sein
02.03.2008 02:09
jeder grosse Krieg führt dazu, dass Millionen junger Männer zu Mörder werden.

Zumindest hat Herr H. umgedacht und den NS bereits während des Krieges in Frage gestellt, trotz Indoktrinierung von frühester Kindheit - auch sein späteres Engagement für eine Friedensbewegung rechne ich ihm persönlich hoch an.

Da gibts, bzw. gab es leider genug, die mit dem Jahr 1945 nicht umdachten.
Über einen gabs erst eine Doku - Hafners Paradies - glaube ich - der lebt noch unbehelligt in Spanien.

Ich denk mir wichtig ist natürlich schon die Vergangenheit, aber noch wichtiger ist die Gegenwart ! dass wir verhindern, dass irgendwas in diese Richtung nochmal von unserem Land ausgeht.

Ein geläuteter Herr h. und Friedensaktivist ist mir lieber, als ein "unbehelligter" Herr Strache.

epep
03.03.2008 18:46
ein gelaeuteter moerder und kriegsverbrecher?

ein adolf eichmann hat sich auch auf befehle und "die damalige zeit" herausgeredet, waere ihnen der auch lieber gewesen, als ein - so schlimm er auch sein moege - laecherlicher provinzpolitiker?

Gilgamesh
12.03.2008 12:53

Nun er wurde indoktriniert und wandelte sich.

Aber was ist mit den Leuten, welche trotz manigfaltiger Information, Mord bejubeln???

Nichts kann die Taten dieses Mannes ungeschehen machen. Er hat Verbrechen begangen, keine Frage, er war ein Täter...
Dennoch zeigt sein Bericht auch, wie Kinder in dieses System hineingezogen wurden.
Was hätte aus ihm werden können, bei dem Vater, bei der Erziehung durch Elternhaus und Staat?
Richtig, eine Nazi und williger Landser....

Wir tun uns leicht, wir wurde nicht solchen Fallen ausgesetzt in unserer Kindheit..

frei sein
02.03.2008 02:19

als ein "unschuldiger" Strache meinte ich, wobei ich Strache jetzt gar nicht so sehr als den Übeltäter, sondern eher als den Erfüllungsgehilfen von Mölzer und Co sehe.

Politiker wie die Winter können unter dieser Partei wieder letztklassige Sager loslassen OHNE ihren Job zu verlieren.
So und dabei haben wir eher ruhige sichere reiche Zeiten.

Was ist erst los, wenn die Wirtschaft bei uns so richtig kracht mit AL-Rate von 30 % + X ?

Grey
01.03.2008 17:44
.... da laufen

... viel Mörder noch frei herum ... ob bei uns oder sonst wo ... die alle haben das gemacht was befohlen wurde, von denen die an die Macht kamen. Eigentlich ganz einfach.

Waren sie beim Heer? Grundausbildung? Versuchen Sie da mal was entgegen der Befehle zu tun ... viel Spaß dabei - sie werden mit Sicherheit Ihre Familie länger nicht mehr sehen -> klar, hat mit Töten während des Krieges nichts zu tun, aber genauso wenig mit Freiheit in Friedenszeiten.

epep
01.03.2008 22:49
sie wollen aber nicht gerade kriegsverbrechen dieses mannes ...

... durch befehlshoerigkeit , die sie beim bundesheer erlebt haben, entschuldigen, oder?

6 millionen juden und juedinnen, 3 millionen weitere romas, sintis, russen, polen, homosexuelle, kommunistInnen, 3 millionen verhungerte russische kriegsgefangene in konzentrationslagern - all das wurde erst moeglich, durch leute wie diesen "herrn h.".

und sie wollen das ernsthaft mit befehlshoerigkeit beim bundesheer vergleichen?

ChesneyB
11.03.2008 13:44

Es gab damals nur zwei Möglichkeiten: zu schießen oder selbst erschossen zu werden. Haben Sie eine Ahnung, was es damals hieß, wegen Befehlsverweigerung vors Kriegsgericht zu kommen?

Gilgamesh
12.03.2008 12:55

Diese Killerkommandos waren sogar im dritten Reich freiwillig...

Er hat daran teilgenommen, es jedoch irgendwann hinterfragt.
Er IST ein Täter.
Jedoch ist seine Rechtfertigung, dass man ihn als Kind so abgerichtet hat.
Ein Umstand, den keiner von uns kennt, nicht einmal die rechtesten Rechten...

epep
11.03.2008 18:26
dann hat hitler allein ...

... 6 millionen juedInnen ermordet, weitere millionen roma, sintis, sogenannte "slawen", kommunistInnen?

da hat ihm niemand dabei geholfen? das musste alles getan werden, ansonsten haette der hitler den goering erschossen, der goering den eichmann, der eichmann den ss-gruppenfuehrer, der ss-gruppenfuehrer alle anderen.

so einfach kann mensch es sich machen ...

star observer
03.03.2008 15:09

ja

gib ma a grünes strichal, oida!
01.03.2008 13:03

das schlimme ist, niemand von uns kann ausschließen, auch wenn das die meisten behaupten würden, in der gleichen situation nicht zu gleichen handlungen fähig zu sein.
klar kann man von einem jungen mann um die 18-20 jahre erwarten seinen eigenen verstand zu benutzen, aber man darf nicht erwarten, dass jahrelange indoktrinierung im kindesalter spurlos an einem vorüber geht.
wir wurden in einer humanistischen tradition aufgezogen, für uns ist es undenkbar dass menschen zu so etwas fähig sind. wir haben gelernt, dass menschenleben das höchste gut sind und glauben daran.
aber ich persönlich halte mich nicht für so fehlerfrei, dass ich von mir sagen könnt, ich wäre unter den gleichen bedingungen nicht ähnlich beeinflussbar gewesen.

Thomas Höbelt   
11.03.2008 11:55
Das wahrhaft erschütternde ist:

daß wir Europäer ( und nur durch viel Glück konnten wir Österreicher uns diesmal noch heraushalten) heute genau das gleiche tun. Angriffskrieg-Raub-Mord-Folter, Wie wollen sie einem Iraker den Unterschied erklären. Solange wir Krieg als politisches Mittel zur Durchsetzung eines, fallweise noch so heren Zieles, akzeptieren, wird er(der Krieg) uns immer mit allen seinen grausigen Fratzen heimsuchen. Keiner kann den "moralischen" Konflikt auflösen der durch eine Gesellschaft entsteht, die zwar sagt: du darfst nicht töten ( z.B. Deine Frau aus Eifersucht ), aber wenn wir Dich in eine Uniform stecken, dann sollst Du sogar töten.

Cauby Peixoto
04.03.2008 10:59
Sie schreiben: „Wir wurden in der humanistischen Tradition aufgezogen“

Da tun Sie sich aber ein wenig täuschen!

1
Sie meinen, dass 90+x% der Kinder von heute nach wie vor geschlagen werden, ist "humanistische Tradition "; für 10% aller Kinder sogar lucaähnliche Zustände Alltag ist ?

2
Wenn man das Pech hatte, vor 1962 geboren zu sein und als Kleinkind operiert werden musste, dann - und jetzt halten Sie sich fest - wurde man aufgeschnitten OHNE Narkose.
Diese Bestialität war weltweit (!) übliche Praxis.

Könnten Sie die Todesschreie der Kinder aushalten und wenn hoffentlich nicht, warum konnten dies damals alle Ärzte, OP Schwestern, Eltern?

MMn NUR aufgrund schädigender, entmenschlichter Erziehung, die das Mitgefühl zuschüttete.

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