Donaufestival mit Bruce LaBruce und Ursula Rucker

4. April 2008, 13:29
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Zwischen Tabubrüchen und der Poetik der Angst bewegt sich das ambitionierte Programm der 2008er-Ausgabe des Festivals

Wien, Krems - "angst obsession beauty" steht als Motto über der heurigen Ausgabe des Donaufestivals, das an zwei Wochenenden zwischen 24. April und 3. Mai in Krems stattfindet. Der musikalische Bogen spannt sich dabei von der großen HipHop-Poetin Ursula Rucker über die Queer-Pop-Formation Hidden Cameras, die Rock-Neudefinitionen von Xiu Xiu oder Tortoise bis zu den Goldenen Zitronen. Für Groove sorgen unter anderem The Go!Team und Fischerspooner, aus Österreich sind etwa Naked Lunch und Gustav (gemeinsam mit der Trachtenkapelle Dürnstein) vertreten.

"Inhaltlich abgründig, aber gar nicht unkulinarisch"

Das gewohnt ambitionierte Musikprogramm ist aber bei weitem nicht die einzige Attraktion des Festivals: "Eigentlich sind wir ja mittlerweile ein Performance-Festival geworden", resümierte Intendant Tomas Zierhofer-Kin am Freitag in Wien bei der Programmpräsentation. "Inhaltlich abgründig, aber gar nicht unkulinarisch" will der Intendant sein Konzept verstanden wissen.

Im Zeichen einer "Poetik der Angst" und des "Tabubruchs als moralischem Akt" stehen die meisten Veranstaltungen an den insgesamt sieben Festivaltagen. Zahlreiche Uraufführungen und Österreichische Erstaufführungen werden angekündigt: So zeigt beispielsweise der kanadische Regisseur Bruce LaBruce seine erste Theaterarbeit "Cheap Blacky". LaBruce mischt seit Jahren den Kinobetrieb mit Filmen auf, die politische Radikalität mit schwuler Pornografie zu einem trashigen, aber stimmigen Ganzen verknüpfen - vor kurzem erst lief auf der Berlinale sein aktueller Zombie-Film "Otto; or: Up with Dead People".

Wider den Main- und "Malestream"

Weiters gelangt als Auftragswerk ein "Satan Mozart Moratorium" von Paul Poet & Ensemble Jean Louis Costes auf die Bühne, das Kollektiv H.A.P.P.Y. bringt "Das schlechteste Musical der Welt - jetzt aber wirklich", und der 81-jährige Kanadier Kenneth Anger kommt mit zwei Weltpremieren ("Ich will!" und "Technicolor Skull") nach Krems.

Neben dem Angriff auf den Mainstream hat Zierhofer-Kin auch den "Malestream" im Visier: Die "Leitbilderfabrik einer männerdominierten Gesellschaft" wird u.a. durch die extremen Performances von Ann Liv Young oder Roberta Lima durchbrochen. Interaktives Verhalten und Selbstverantwortung werden vom Publikum beim Projekt der Gruppe Reaktor ("Munkanon") erwartet. Gob Squad kehren mit einer in Krems gedrehten Filmperformance zurück, Rainer Prohaska entwickelt im Stadtpark Krems sein Work in Progress "Gazebo Extensions". Am Messegelände breitet die Gruppe Toxic Dreams eine Installation mit Automobilen aus ("The Mystery of the enchanted cars"). (APA/red)

Donaufestival 2008, 24. April bis 3. Mai, Krems. Information, Tickets, Rückfahr-Shuttles: Tel. 02732 / 908033
  • Die Goldenen Zitronen
    foto: simone scardovelli

    Die Goldenen Zitronen

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