Fataler Hang zur Variation

27. Februar 2008, 18:25
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Albin Egger-Lienz: Lokalmatador auf dem Kunstmarkt, nicht zuletzt durch die Fülle an Fassungen, Repliken und Teilrepliken

Bei 33 Mahlzeiten, darunter allein 24 Fassungen, Repliken und Teilrepliken des "Mittagessens", ist selbst der aktivste Kunstmarkt übersättigt. Dementsprechend blieb das eine oder andere gleichnamige Gemälde im Rahmen einer Auktion auch schon unverkauft. Die preisliche Bandbreite reicht hier von umgerechnet 67.500 Euro (Karl & Faber, 1984) über 116.267 Euro (Dorotheum, 1994) bis zum vorläufigen Spitzensatz, als in der Galerie Hassfurther 2006 eine Version von 1920 für stolze 526.721 Euro den Besitzer wechselte. Viele Motive wiederholte Albin Egger-Lienz so oft, dass sogar Wilfried Kirschl, Autor des Werkverzeichnisses, von Repliken spricht. Bei den Fassungen der Mäher bzw. der Schnitter wird es mit 41 Teilrepliken, Studien und Endfassungen unüberschaubar. Dieser Hang zur ständigen Wiederholung hält die Nachfrage an seinem Œuvre im Ausland doch drastisch in Grenzen. Die aktuell im Leopold Museum gezeigte Retrospektive wird daran vermutlich kaum etwas ändern.

2006 restituierte das Egger-Lienz Museum in Schloss Bruck die fünfte von sechs Gemäldevariationen des Themas Totentanz an die in den USA lebende Erbin. Sie schlug das 550.000-Euro-Ankaufsangebot der Stadt Lienz aus und entschied sich, nach eingehender Beratung mit der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, für eine Versteigerung.

Auch Internationale Auktionshäuser wurden kontaktiert, aber keines war bereit eine solche Schätzung zu bieten wie das Dorotheum, das der Erbin zwischen 600.000 und 800.000 Euro in Aussicht stellte. Der davor gültige Höchstpreis – dieser hatte mit zwölf Jahren eine extrem lange Gültigkeit – lag bei umgerechnet 350.000 Euro, die "im Kinsky" 1994 für eine Totentanz-Version eingespielt wurden.

Aus internationaler Sicht ist Egger-Lienz markttechnisch stets ein Lokalmatador geblieben, wie auch die Liste der höchsten Auktionspreise verdeutlicht. An der Spitze steht ebenjener Totentanz aus dem Jahr 1921, für den das Dorotheum schließlich einen Nettozuschlag von 760.000 Euro notierte. Ein Ausfuhrverbot gab es aufgrund der Restitution nicht, aber auch kein Interesse aus dem Ausland. Der neue Besitzer, Rupert-Heinrich Staller, empfand es als "Gnade des Schicksals", dieses Werk, das den Freiheitskampf der Tiroler Bauern gegen die Vorherrschaft der Bayern und Franzosen thematisiert, nun sein Eigen zu nennen. In der aktuellen Ausstellung ist es nicht zu sehen, da Leopold eine der frühen Fassungen von 1915 besitzt. Das höchste internationale Ergebnis stammt von 2002, als Sotheby's in London eine Version der Bergmäher von 1907 für knapp 208.000 Euro versteigerte. Die erste Fassung ist derzeit in der Retrospektive zu sehen, Leopold erwarb diese, wie die Mehrheit seiner Egger-Lienz-Sammlung, im Wiener Kunsthandel. (kron / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.2.2008)

  • "Totentanz", 1921: 2006 restituiert und wenige Monate später versteigert, brachte den Erben den Rekord von netto 760.000 Euro.
    foto: dorotheum

    "Totentanz", 1921: 2006 restituiert und wenige Monate später versteigert, brachte den Erben den Rekord von netto 760.000 Euro.

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