Neues Kaufhaus für Kärntnerstraße: Chipperfield plant "Palazzo"

22. April 2008, 17:43
87 Postings

Entwurf ist auffällig unauffällig - Noch heuer soll mit dem Umbau des ehemaligen Finanz-Ministeriums begonnen werden

Im Architekturzentrum kann man sich derzeit Entwürfe internationaler Architekten für moderne Wiener Kaufhäuser anschauen. Gebaut wird allerdings nur eines der gezeigten Projekte.

* * *

Wien - Groß auffallen wird das "Weltstadthaus" ja nicht. Denn der schlichte, vierstöckige Bau unterscheidet sich nach außen hin kaum von jenem Haus, das jetzt dort steht. Bis vor drei Jahren war in dem schmucklosen Kasten in der Kärtner Straße, Ecke Himmelpfortgasse, das Finanzministerium untergebracht. Jetzt soll er einem neuen Kaufhaus von Peek & Cloppenburg (P & C) weichen. Wann abgerissen beziehungsweise gebaut werden soll, ist allerdings noch nicht fix. "Es liegen noch nicht alle Voraussetzungen vor", sagt P-&-C-Chef Horst Clemens, "aber wir hoffen, dass es noch in diesem Jahr losgehen kann."

In Innsbruck erfolgreich

Die deutsche Textilkette bat - gemeinsam mit der Stadt Wien - vier namhafte internationale Architektur-Büros um ihre Ideen für eine neue Innenstadt-Mall. Durchgesetzt hat sich dabei der Entwurf von David Chipperfield. Der Brite hat bereits das Kaufhaus Tyrol in Innsbruck geplant, das nächstes Jahr eröffnen soll. Außerdem war er unter jenen acht Architekten, die zur Teilnahme am Wettbewerb für die "Bahnhof City" beim künftigen Wiener Hauptbahnhof eingeladen wurden. Derzeit ruht das Verfahren, weil erst geklärt werden muss, ob eine EU-weite Ausschreibung des Projekts nötig ist.

Welche weltstädtischen Mode-Kaufhäuser den Büros Richard Meier (New York), José Raphael Moneo (Madrid) und Eduardo Souto de Moura (Porto) für Wien vorschwebten, kann man sich bis 2. März im Architekturzentrum Wien im Museumsquartier anschauen: Dort sind alle vier Projektentwürfe ausgestellt.

"Wenig Erklärung"

Überzeugt hat Chipperfields Entwurf laut Rüdiger Lainer, Vorsitzender der Fachjury, vor allem durch dessen Weiterentwicklung des traditionellen Wiener Kaufhauses. Chipperfields Mitarbeiter arbeiteten sich durch über 2000 alte Aufnahmen von Wiener Kaufhäusern.

Herausgekommen ist laut Chipperfield dabei ein "Palazzo": "ein schlichtes Gebäude, das nach außen hin kommuniziert und wenig Erklärung braucht." Im Vergleich zu den drei Konkurrenz-Entwürfen kommt die neue Mode-Mall des Briten tatsächlich auffallend unauffällig daher - Wickel mit der Unesco bezüglich des Titels Weltkulturerbe für die Innenstadt wird's wegen des "Weltstadthauses" jedenfalls keine geben.

Mieterstand unklar

Ob man im neuen Kaufhaus ausschließlich Mode von Peek & Cloppenburg bekommen wird, ist noch unklar: Bisher konnten nicht alle Geschäftsleute zum Auszug aus dem alten Ministeriumsgebäude bewegt werden. "Wir verschließen uns nicht grundsätzlich dagegen, dass ein paar Shops weiterhin im Gebäude bleiben", sagt P-&-C-Chef Clemens.

Für den deutschen Textilriesen ist Wien inzwischen der wichtigste Auslandsmarkt, das "Weltstadthaus" soll bis spätestens 2010 stehen. (Martina Stemmer, DER STANDARD Printausgabe, 27.2.2008)

  • Neue Mode-Mall für die Kärntner Straße: Bis 2010 soll Chipperfields "Weltstadthaus" stehen
    foto: michalski

    Neue Mode-Mall für die Kärntner Straße: Bis 2010 soll Chipperfields "Weltstadthaus" stehen

Share if you care.