Geschundenes Fleisch in Stein gehauen

26. Februar 2008, 18:14
posten

Ausstellungen rund um den Jubilar

Wien - Eine Skizze im Sandstein soll es werden. Neben einigen Bronzen soll im April am Albertinaplatz auch eine neue Arbeit, den Prozess des Bildhauens veranschaulichend, aufgestellt werden. Kaum vorstellbar, dass der "Fleischhauer" unter den Bildnern einmal so zarte Spuren in Stein graben wird. Aber es geht nicht mehr, der Geist ist willig, das Fleisch schwach.

"Zu Tode geschunden" hat er sich, der meißelnde Berserker, der nur mehr zeichnerisch die Keule schwingt (aktuelle Serie Dschingis Khan) und es trotz allem Tatendrang nicht schaffen wird, zu all den Ausstellungen zu reisen, die zu seinen Ehren in Österreich, Deutschland und andernorts stattfinden. Bei ganzen zwanzig an der Zahl wäre das selbst für einen voll im Saft Stehenden ein beachtlicher Marathon.

Begonnen hat dieser am 19. Jänner mit einer Retrospektive im deutschen Schwäbisch Hall, wo die Kunsthalle Wuerth dem Bildhauer, Maler und Grafiker mit über 200 Werken aus fünf Jahrzehnten die größte Ausstellung widmet. Die zu weiten Teilen aus der hauseigenen Sammlung gespeiste und mit einem umfassenden Katalog (ca. 340 Seiten, Swiridoff) begleitete Würdigung reist im Anschluss nach Wien, wo das Künstlerhaus sie ab 8. August in adaptierter Form zeigt.

Der "Macht des Fleisches" geben sich hiesige Ehrungen hin: Der sexuellen Fleisches-lust, jüngsten Kohle- und Pastell-Arbeiten, widmet sich ab morgen seine Heimgalerie Hilger, die nur einige Treppenstufen von seiner Wohnung trennen. Der Fleischwerdung Gottes und dem Religiösen in Hrdlickas Schaffen widmet sich das Dommuseum (ab 11. 3.). Im Mai schließen in Österreich etwa die Kunsthalle Nexus (Saalfelden), im Sommer die Galerien Welz (Salzburg) und Sikoronia (Rosegg) an. Berlin, Augsburg und Wittlich sind weitere Orte des Hrdlicka-Geschehens in Deutschland.

Lesestoff bieten zwei neue Publikationen: Der gekreuzigte Mensch im Werk von Alfred Hrdlicka heißt es im Untertitel der Dissertation von Christian Walda (Böhlau); das Politische und Nonkonformistische des Steineschinders beleuchtet hingegen der Band Hrdlicka (Residenz), der Texte und Polemiken des "linken Paten" mit Beiträgen von Weggefährten, darunter Oskar Lafontaine, vereint. (Anne Katrin Feßler/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27. 2. 2008)

  • Laut Alfred Hrdlicka ein "wahres Monument am Wiener Gürtelstrich": Der sand-steinerne "Hansi" (Illusion perdue), 1965.
    foto: kunsthalle wuerth

    Laut Alfred Hrdlicka ein "wahres Monument am Wiener Gürtelstrich": Der sand-steinerne "Hansi" (Illusion perdue), 1965.

Share if you care.