Gastwirte präsentierten Charta

26. Februar 2008, 15:36
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Raucherzonen in größeren Gaststätten, Wahlfreiheit für kleine Lokale - Nichtrauchende Mitarbeiter sollen im qualmfreien Bereich beschäftigt werden

Gastwirte mit Lokalen, deren Gästebereich größer als 75 Quadratmeter ist, stellen zumindest die Hälfte der Plätze für Nichtraucher bereit, Inhaber kleinerer Gaststätten sollen frei entscheiden, ob sie Raucher- oder Nichtraucherlokal sind und entsprechende Kennzeichnungen anbringen. Das sieht eine Charta der österreichischen Gastwirte vor, die am Dienstag bei einer Pressekonferenz des Fachverbands Gastronomie der Wirtschaftskammer Österreich in Wien präsentiert wurde.

Weitere Punkte, die in dem Grundsatzpapier enthalten sind: Bei Neubauten muss der Raucherbereich räumlich abgetrennt sein, bei bestehenden Betrieben, in denen eine solche Trennung nicht möglich ist, muss die Nichtraucherzone deutlich abgegrenzt oder mit entsprechender Lüftung ausgestattet sein. Nichtrauchende Servicemitarbeiter werden nach Wunsch möglichst im qualmfreien Bereich beschäftigt.

"Partnerschaftliches Miteinander"

Mit dieser freiwilligen Vereinbarung - die gesetzliche Regelung lässt nach wie vor auf sich warten - wollen die Wirte einerseits den angestrebten Nichtraucherschutz forcieren, andererseits aber auch jene Gäste nicht vergrämen, für die der Griff zur Zigarette zum Ausgeh-Erlebnis gehört. Fachverbandsobmann Helmut Hinterleitner sieht ein "partnerschaftliches Miteinander von Rauchern und Nichtrauchern als einzig gangbaren Weg", schließlich soll die österreichische Wirtshaus- und Kaffeehauskultur bewahrt werden.

Im Fall eines rigiden Rauchverbots in Lokalen sieht Hinterleitner zahlreiche Lokale vom Zusperren bedroht. Auf Erfahrungen in Irland basierende Hochrechnungen ergäben mindestens 5.000 kleinere Betriebe, die in ihrer Existenz gefährdet wären, sagte der Fachverbandsobmann. 12.000 Arbeitsplätze wären betroffen. In Irland gilt seit knapp vier Jahren ein komplettes Rauchverbot in Lokalen. In der österreichischen Gastronomie gibt es rund 180.000 unselbstständig Beschäftigte in 70.000 Betrieben. 13.000 bis 14.000 Betriebe habe weniger als 75 Quadratmeter Gästebereich.

Möglichkeit der Wahlfreiheit

Eine Bestätigung für die Möglichkeit der Wahlfreiheit sieht der Fachverband auch durch eine kürzlich in Deutschland ergangene Entscheidung. Der Verfassungsgerichtshof Rheinland-Pfalz hat nach einer Beschwerde von fünf Gastwirten, die sich in ihrer Existenz gefährdet sehen, das totale Rauchverbot für kleine Betriebe mit nur einem Gastraum ausgesetzt.

Michaela Schimanko, Inhaberin der legendären Eden-Bar, plädierte dafür, dass jeder Gastronom selbst entscheiden solle, ob er ein Raucher- oder Nichtraucherlokal führen möchte. In der "Eden-Bar" sei noch zu Lebzeiten ihres Vaters, des 2005 verstorbenen Heinz-Werner Schimanko, eine großzügige Entlüftungsanlage eingebaut worden. Die Luft werden 18 Mal pro Stunde ausgetauscht und sei vermutlich besser als zur Stoßzeit auf der Ringstraße, meinte die Gastronomin.

Landtmann: "Beste Erfahrungen mit 50-50-Lösung"

Im Cafe Landtmann hat man nach den Worten von Besitzer Berndt Querfeld beste Erfahrungen mit einer 50-50-Lösung gemacht. Im neuen Wintergarten und im angrenzenden Bereich sitzen die Nichtraucher, bei der Reservierung werde immer nach den Wünschen der Gäste gefragt. "Eine extrem schöne Koexistenz", meinte der Cafetier, "was in einem Lokal passiert, regelt eigentlich der Markt".

In Wien sind derzeit 106 erklärte Nichtraucherlokale gemeldet - bei rund 6.000 Betrieben. In Vorarlberg sind Zigaretten in rund zwölf Prozent der größeren Speiselokale verpönt. Die Beschäftigung von nichtrauchenden Servicemitarbeitern in qualmfreien Bereichen soll auch bei den im März beginnenden Kollektivvertragsverhandlungen Thema sein, wobei es um die Möglichkeiten der Umsetzung der Idee geht. Einen Rechtsanspruch auf einen solchen Arbeitsplatz kann Hinterleitner sich allerdings nicht vorstellen.

SPÖ will neu verhandeln

Die SPÖ fordert nun die Wiederaufnahme der Verhandlungen zum Tabakgesetz. Durch die freiwillige Selbstverpflichtung der Gastronomie sei der Schutz von Nichtrauchern bisher nämlich nur ungenügend umgesetzt worden, erklärte Gesundheitssprecherin Sabine Oberhauser am Dienstag in einer Aussendung.

Deshalb spreche das derzeitige Regierungsübereinkommen auch von klaren gesetzlichen Regelungen mit räumlich abgetrennten Raucherzonen. "Die Charta des Fachverbands Gastronomie der Wirtschaftskammer zeigt, dass sich die Gastronomen mit der Thematik Nichtraucherschutz beschäftigen, und zwar mehr als es die Gesundheitsministerin derzeit tut", meinte Oberhauser. (APA)

  • Bernd Querfeld (Cafetier), Michaela Schimanko (Reiss Bar), Helmut Hinterleitner (Obmann des Fachverbandes Gastronomie der WKO) bei der Präsenation der Charta am Dienstag.
    foto: wkö/katzinger

    Bernd Querfeld (Cafetier), Michaela Schimanko (Reiss Bar), Helmut Hinterleitner (Obmann des Fachverbandes Gastronomie der WKO) bei der Präsenation der Charta am Dienstag.

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