Flucht aus Liechtenstein

9. April 2008, 11:00
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Mit politischem Druck habe der Rückzug der Hypo-Group aus Liechtenstein nichts zu tun, sagt ihr Chef. Er sei lange geplant

Mit politischem Druck habe der Rückzug der Hypo-Group aus Liechtenstein nichts zu tun, sagt ihr Chef. Er sei lange geplant. Wem der liechtensteinische Bankableger mehrheitlich gehört, sagt er nicht.

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Wien – Der Aufsichtsrat der Kärntner Hypo Group Alpe Adria wird sich bereits am 6. März mit dem Verkauf von deren Banktochter in Liechtenstein (49 Prozent) beschäftigen. Den Verkauf forciert, wie in einem Teil der Dienstag-Ausgabe berichtet, die neue Hypo-Group-Mehrheitseigentümerin Bayerische Landesbank (BayernLB), die nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch unter Druck geraten ist.

Ihre Verbindungen zur Steueroase Liechtenstein wurden zuletzt vor allem von der SPD gegeißelt, "das hat unseren Plan, uns aus Liechtenstein zurückzuziehen, aber nur beschleunigt", sagte ein Bayern-Banker am Dienstag zum STANDARD. Das erste Paket (51 Prozent) sei ja bereits Ende des Vorjahres verkauft worden, "nun folgt eben der zweite Schritt." Kurzer Blick zurück: Im Oktober hat die BayernLB (Ex-Bawag-Aktionär, der beim Verkauf derselbigen Cerberus unterlegen ist) 50 Prozent plus eine Aktie der Hypo-Group gekauft. (26 Prozent gehören der Grazer Wechselseitigen; 20 Prozent der Kärntner Landesholding, ein Prozent der Gruppe Berlin, drei Prozent der Mitarbeiterstiftung.) Damals hatten die Kärntner den Mehrheitsverkauf ihrer liechtensteinischen Tochter (die hatte die Hypo-Group mit der 2000 übernommenen, schwer zerzausten RBB Wolfsberg geerbt) bereits vorbereitet, im Dezember wurde er nach einem einstimmigen Aufsichtsratsbeschluss perfekt.

Über die Details des Deals wird eisern geschwiegen: Käufer des seither als Alpe-Adria-Privatbank firmierenden Instituts sei "eine durch das Industrie- und Finanzkontor Etabl. Vaduz koordinierte Investorengruppe". Wer die ist, wird ebenso wenig verraten, wie der Kaufpreis. Das Industriekontor ist laut Eigendefinition "ein unabhängiges und anerkanntes Finanzdienstleistungsunternehmen" und dem Fürstenhaus zuzurechnen: Präsident und Chef ist Prinz Michael von und zu Liechtenstein. Bei den Investoren dahinter, nur so viel ist zu hören, handle es sich weder um Ex-Hypo-Chef Wolfgang Kulterer noch die "Gruppe Berlin", noch um die BayernLB selbst.

Hypo-Group-Chef Tilo Berlin erklärt die Eile beim Abstoßen der Bank so: Es habe eine "Option der Abgabe weiterer Anteile" gegeben, den Kärntnern sei bewusst gewesen, dass "Liechtenstein aus deutscher Sicht einer vollkommen anderen Einschätzung unterliegt als aus Sicht unserer Märkte im Alpen-Adria-Raum."

Bei den Prüfern der Notenbank, die die Kärntner Hypo nach ihren Spekulationsverlusten unter die Lupe genommen hat, war die Liechtenstein-Connection schlecht weggekommen. Mangels Zugriff auf Daten in Liechtenstein sei „keine Evaluierung“ allfälliger Klumpenrisiken möglich, kritisierten die Prüfer – der Standard berichtete exklusiv.

Laut OeNB-Prüfbericht vom Juni bestand damals "die begründete Vermutung, dass in der Vergangenheit Finanzierung von Konzerneigenmitteln über diese Tochterbank abgewickelt wurde". Man sprach von "aufklärungswürdigen" Transaktionen, eingebunden waren darin die Hypo Leasing Holding, Privatstiftungen und Privatpersonen, die eine Kapitalerhöhung ermöglichten, dafür aber Kredite bei der Hypo aufgenommen hatten.

Die Kritik an diesen Geschäften, so heißt es in Aufsichtskreisen, hätten die Kärntner dann letztlich zum Mehrheitsverkauf ihrer Liechtenstein-Tochter bewegt. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.02.2008)

  • In der Idylle "Kärntner Bank in Liechtenstein" entstand ein Riss, die bayerische Mutter befiehlt: Abmarsch.
    montage: standard/friesenbichler

    In der Idylle "Kärntner Bank in Liechtenstein" entstand ein Riss, die bayerische Mutter befiehlt: Abmarsch.

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