Im Keller der fliegenden Puppen

25. Februar 2008, 18:46
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Der fliegende Fidelio: "Kabinetttheater in der Hölle" in den Untergeschoßen des Theater an der Wien

Wenn Rocco und Fidelio in die geheimen Kerker absteigen, finden sie normalerweise Florestan in Ketten liegend. Im "Kabinetttheater in der Hölle" in den Untergeschoßen des Theater an der Wien entdecken die beiden jedoch mehr; oder besser gesagt: werden entdeckt. Denn während die Protagonisten in dieser Puppentheaterinszenierung von Thomas Reichert, gefangen in einer Art Stanislaw Lem'scher Zeitschleife, durch die Kellergewölbe schleichen, bemühen sich allerlei seltsame Figuren um sie herum, sie unentdeckt wieder loszuwerden.

Als Mittel dient in Der fliegende Fidelio die musikalische Flucht nach vorne, und so werden mit teils kraftvoller (Bariton: Stefen Scheschareg), teils brüchiger Stimme Arien und Chöre aus unterschiedlichen Opern des 19. Jahrhunderts gesungen, so etwa aus Wagners Fliegendem Holländer oder Verdis Nabucco. Den Reiz bezieht diese Inszenierung einerseits aus den immer wieder neuen szenischen Überraschungen, die sich jedoch durchaus logisch in das Gesamtkonzept einfügen, sowie durch die ungewöhnliche, aber gut harmonierenden musikalischen Arrangements (Matthias Thurow) aus Tuba, Cello und Klavier.

Als am Ende der Vorstellung Rocco und Fidelio dann doch noch den Ausgang finden, haben sie zwar noch immer nicht Florestan entdeckt, das Publikum aber eine durchaus reizvolle Möglichkeit gefunden, die Operngeschichte um Fidelio herum anders zu betrachten. (spou/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26. 2. 2008)

>> Kabinetttheater in der Hölle, Theater an der Wien, weitere Vorstellungen 26., 27. und 29. 2., jeweils 19.30
  • Kabinetttheater-Puppen von Julia Reichert.
    f.: theater a. d. w.

    Kabinetttheater-Puppen von Julia Reichert.

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