Das Internetvideo "Story of Stuff" zeigt, woher die Gegenstände kommen, die wir täglich konsumieren, und wer die eigentlichen Kosten zu tragen hat
Ein Radio um drei Euro? Die meisten Konsumenten würden sich bedenkenlos freuen über ein solches Schnäppchen. Nicht so die amerikanische Umweltaktivistin Annie Leonard. Sie fragte sich, wie es denn möglich sein kann, dass ein Radio derart billig ist: Das Metall kommt vielleicht aus Südafrika, der Kunststoff aus China, das Öl dafür aus dem Irak, zusammengebaut wurde das Radio in Mexiko. Können drei Euro hier tatsächlich alle Kosten abdecken?
Wenn andere zahlen
Diese Überlegungen dahinter sind durchaus bekannt: Lehrbücher der Volkswirtschaft sprechen hier von externen Kosten. Umweltkosten des Transports und der Produktion etwa werden nicht von den Konsumenten bezahlt, sondern von den Betroffenen oder der Allgemeinheit – im Land des Konsumenten oder einem anderen. Globalisierungsgegner kritisieren seit Jahren, dass billige Produkte nicht zuletzt erst durch eine Senkung von Sozialstandards und niedrige Löhne möglich sind.
Wenn die Chemie (nicht) stimmt
Annie Leonard zeigt in dem Video, wie unsere materielle Welt funktioniert – vom Abbau der Rohstoffe, über Produktion und Konsum bis zur Entsorgung des Abfalls. Mit Details argumentiert sie, warum es wert sein kann, sich über die Geschichte der Dinge, die man täglich benutzt, Gedanken zu machen.
Zur Steigerung des Absatzes der Produkte sehen Menschen heute mehr Werbung in einem Jahr als Menschen vor 50 Jahren in ihrem ganzen Leben. Und die Produktion zeigt Nebenwirkungen: So sind derzeit etwa 100.000 synthetische Chemikalien im Umlauf. Nicht alle davon wurden auf Gesundheitsfolgen getestet. Wie die Chemikalien in Kombination auf uns wirken, bleibt einem großen Selbstversuch überlassen.
Wissenschaftlich ist das Präsentierte zwar nicht neu und schon länger bekannt. Aber Leonard hat die manchmal etwas sperrigen Zusammenhänge der globalen Wirtschaft doch recht schön in ein leicht verständliches und unterhaltsames Video verpackt. Und die Herausforderungen, es besser zu machen, bestehen nach wie vor.
Zum AutorMark Hammer arbeitet als freier Journalist in Wien.
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