Nachwuchs: "Raus aus der Komfortzone"

25. Februar 2008, 12:19
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Beim Management- nachwuchs sieht Beraterin Marlies Buxbaum "ungeheures Anspruchsverhalten" und warnt im Interview vor einem abrupten Ende des Hypes

Standard: "Schuftest du noch, oder lebst du schon?" – Das war vor kurzem noch die Frage an Absolventen von Unis und Fachhochschulen. Hat sich das durch die Angebotsknappheit, gepaart mit der zuletzt guten Konjunktur, gewandelt?

Buxbaum: Allerdings. Aus der Generation Praktikum hat sich so etwas wie eine Generation Maßlosigkeit entwickelt. Die jungen, gut Ausgebildeten sind in der Komfortzone, werden heißumworben und haben daraus schnell ein ungeheures Anspruchsverhalten entwickelt.

Standard:  In welcher Form?

Buxbaum: Viele wollen den schnellen Gewinn ohne entsprechende nachhaltige Leistung dahinter. Diese Leute erwarten in den ersten Berufsjahren Gagen von 5000 Euro, verlangen fünf Wochen Urlaub am Stück und sagen gleich zu Beginn, dass sie maximal 40 Stunden arbeiten wollen. Dazu sind sie extrem wechselbereit.

Standard:  Das erinnert irgendwie an den Yuppie-Hype der 80er-Jahre ...

Buxbaum: Ja, und an den Dot.com-Hype der 90er-Jahre. Und genau das ist der Punkt: Beide Hypes haben sehr abrupt geendet. Es gab den ganz bösen Aufprall für sehr viele, deren persönliche Entwicklung und deren tatsächlicher Beitrag zur Wertschöpfung des Unternehmens plötzlich gar nicht mehr mit den Ansprüchen zusammengepasst hat.

Standard:  Aber noch haben wir ja den sogenannten Bewerbermarkt, der die sehr qualifizierten Endzwanziger so heftig umwirbt.

Buxbaum: Ja, der Markt transportiert derzeit noch, dass dieses sehr hohe Anspruchsniveau erfüllt wird. Die Leute verhalten sich – um Carl Menger mit seiner Lehre vom subjektiven Wert zu zitieren – so gesehen auch rational nach einem „optimizing principle“. Aber das ist erfahrungsgemäß nicht nachhaltig. Ein konjunktureller Backlash wird kommen – früher oder später.

Standard:  Und dann?

Buxbaum:  Ich warne davor, dass die guten alten Tugenden wie nachhaltige Leistung nicht mehr zählen. Einsteiger und Leute in den ersten Berufsjahren entwickeln zu wenig Bewusstsein für die ständige persönliche Weiterentwicklung, und das in einer Erbengeneration, die das Gewicht der Work-Life-Balance eindeutig in Richtung Life verschoben hat. Ich halte es für eine trügerische Sicherheit, dass die Motivationsfaktoren dieser Generation, die stark im Fun- und Erlebnisbereich liegen, nachhaltig sind. Diese Menschen haben noch gut 30 Jahre Beruf vor sich, da muss man aufpassen, dass die Weichen tragfähig gestellt werden. Man muss an die Konjunkturzyklen denken. Und auch daran, dass diese Generation auf dem internationalen Arbeitsmarkt sehr Motivierten aus Osteuropa und Asien gegenübersteht.

Standard: Da ist aber den Unternehmen auch einiges vorzuwerfen ...

Buxbaum: Sie sind jedenfalls sehr gefordert: Unternehmen müssen den Jungen so viel wie möglich über tatsächliche Leistung und Position im Wettbewerb geben. Personalentwickler und die Vorgesetzten sind gefragt: Rein in Development-Centers, Assessments, Audits. Feedbackschleifen in möglichst vielen relevanten Umwelten der Mitarbeiter, "peer feedbacks". Nur solche persönlichen und beruflichen Benchmarks befördern die Weiterentwicklung. Feedback is the breakfast for champions. (DER STANDARD Printausgabe, 23./24. Februar 2008)

Zur Person
Managementberaterin und Assessment-Expertin Marlies Buxbaum hat nach ihrer Industriekarriere ihr Unternehmen bzd gegründet.

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  • Marlies Buxbaum: Passen der tatsächliche Beitrag zur Wertschöpfung und die Ansprüche zusammen?
    foto: m. cremer

    Marlies Buxbaum: Passen der tatsächliche Beitrag zur Wertschöpfung und die Ansprüche zusammen?

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