Pressestatement: "Besser geht's nicht"

26. Februar 2008, 14:18
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Ruzowitzky und sein Team vor langer Nacht - Österreichische Film-Kollegen gratulieren und blicken voraus

Wien/Los Angeles - Kaum fassen konnte Stefan Ruzowitzky die Auszeichnung seines Films "Die Fälscher" mit dem Oscar für den Besten nicht englischsprachigen Film. Es sei "das Beste, was einem Filmemacher passieren kann", schwärmte er bei der Pressekonferenz im Anschluss an die Oscar-Gala im Kodak Theatre in Los Angeles, "das ist ein echter Kindheitstraum, der wahr geworden ist." Und glücklich fügte er hinzu, der Zusatz "Oscar-Gewinner" werde von nun an immer Teils seines Namens sein. "Besser geht's nicht."

"Der Film ist eben im Kino angelaufen und verzeichnete den zweitbesten Start eines deutschsprachigen Films", erzählte der Regisseur dem Ö1-"Mittagsjournal": "Der Film funktioniert hier extrem gut." Ob er sich der historischen Dimension seines Erfolges schon bewusst ist? "Nein, wahrscheinlich nicht." Das werde wohl noch dauern, "um das zu realisieren und richtig mitzubekommen". Rein politisch hofft er, dass nun ein gewisser Druck auf das Kultur- und das Finanzministerium entstehe. "Das wäre schon länger notwendig gewesen, dass man sich bewusster wird", so Ruzowitzky, und dass man stolzer sei auf die Filmproduktion aus dem eigenen Land. "Und nicht erst, wenn die großen Preise aus dem Ausland kommen." Für ihn persönlich erwartet sich der Regisseur auf jeden Fall noch einen Karriereschub: "Na, das will ich doch hoffen." Das bedeute nicht nur, dass man die Honorare nach oben schaufelt, sondern dass man "einfach an interessantere Projekte und Leute rankommt".

Starkes Zeichen

Hauptdarsteller Karl Markovics, der Ruzowitzky bei der Bekanntgabe des Erfolgs durch die spanische Schauspielerin Penelope Cruz in die Arme gefallen war, meinte gegenüber der Austria Presse Agentur, "nachdem ich 'Austria' gehört habe, habe ich mich einfach ausgelassener Freude hingegeben". Zu Zeit der Aussage wartete er noch, bis Ruzowitzky mit seiner Frau und dem Oscar von Arnold Schwarzeneggers Governor's Ball in das österreichische Konsulat komme - "dann wird der Höhepunkt des Abends erreicht sein, mit hoffentlich noch halbwegs standfesten Gratulanten."

Markovics hoffte, dass nun die "maßgeblichen Stellen in Österreich" versuchen würden, aus der "nationalen Euphorie" vielleicht auch "kreatives Potenzial zu schlagen, das dem österreichischen Film als solches zu Gute kommt". Das sei so sein Wunsch unter dem Christbaum: "Die Geschenke haben wir bekommen, aber nur von den Geschenken können wir nicht leben - denn Weihnachten ist morgen wieder vorbei, aber es soll ja trotzdem weitergehen." Die Ankündigungen von Bundesministerin Schmied und Bundeskanzler Gusenbauer, sich für eine Verbesserung der Förderbedingungen einzusetzen, sah Markovics als "guten Weg, wenn es nicht nur bei Lippenbekenntnissen bleibt".

Der Kärntner Produzent Josef Aichholzer konnte unterdessen vermelden, dass "Die Fälscher" in den USA diese Woche "mit grandiosen Zahlen" angelaufen sei. "Die Kinos waren alle ausverkauft." Die Nominierung habe diesbezüglich schon Rückenwind gegeben, "der Oscar dazu ist jetzt natürlich doppelter Rückenwind für den Film". Ruzowitzky hatte sich bei der Pressekonferenz noch überrascht gezeigt, wie viel die Nominierung in Österreich bedeutet habe.

"Kein singuläres Zufallsprodukt"

"Diese wichtigste internationale Auszeichnung beweist, dass der österreichische Film weltweit höchste Anerkennung genießt", freute sich indes in Wien der Verband Filmregie Österreich über den Oscar für Stefan Ruzowitzkys "Die Fälscher" in einer Aussendung. Die Auszeichnung sei ein "starkes Zeichen für die Bedeutung des österreichischen Films als Kulturbotschafter und Wirtschaftsfaktor." Der Freude schließe sich aber auch der Aufruf an die Politik an, jetzt verstärkt in die Zukunft zu investieren.

Ruzowitzky wird in der Aussendung zitiert, dass man bei allem Jubel nicht vergessen sollte, dass "der internationale Erfolg von 'Die Fälscher' kein singuläres Zufallsprodukt" ist, "sondern Ergebnis einer langjährigen Aufbauarbeit durch österreichische Filmförderungseinrichtungen sowie Ausdruck des hohen Niveaus, auf der sich die heimische Produktion befindet."

Dornhelm freut sich für Markovics

Über einen "super Impuls für den österreichischen Film" freute sich Regisseur Robert Dornhelm im Zusammenhang mit dem Oscar für Stefan Ruzowitzky. "Besonders freue ich mich natürlich für den Karl Markovics, den ich sehr verehre. Wenn es einer verdient, dann er." Vor allem als politisches Signal sei die Auszeichnung wichtig. "Die Politiker erkennen, dass wir trotz der wenigen Mittel, die wir bekommen, internationale Erfolge haben."

Für die österreichische Filmwirtschaft ginge es schließlich nicht um "kosmetische Verbesserungen", sondern es müsste endlich eine "großzügige Herangehensweise" an ein "absolutes Massenkommunikationsmittel" geben. In Österreich gebe es ganz offensichtlich genug talentierte Menschen, die genauso gut abwandern könnten. "Ich persönlich hab dieses Zeichen nicht gebraucht, ich wusste das schon", so Dornhelm, "aber die Politiker werden das jetzt vielleicht auch endlich so sehen."

Kein Grund zum Ausruhen

Ähnliche Töne schlug auch Regisseurin Barbara Albert an. "Es ist gut und wichtig, dass die Politiker das zum Anlass genommen haben, sich dazu zu bekennen, dass es mehr Mittel für den Film geben muss." Das Schlimmste was jetzt passieren könne, sei, dass man sich auf diesem Erfolg ausruht. "Man darf jetzt nicht sagen: Na, da sieht man, es geht auch mit weniger". "Die Fälscher" seien nur aufgrund von jahrelangen Förderungen zustande gekommen, der Oscar sei nun die Spitze eines Eisbergs, so Albert.

"Ganz begeistert", zeigte sich auch Diagonale-Intendantin Birgit Flos. "Das ist ein großer Tag für den österreichischen Film, aber vor allem für Stefan Ruzowitzky." Sein politischer Zugang zum Filmschaffen beeindrucke sie seit Jahren, auch sein Übergreifen auf andere Genres zeichne ihn aus. "Mit den 'Fälschern' ist ihm etwas sehr Schwieriges gelungen: Ein Konzentrationslager sensibel in einem spannenden, unterhaltsamen Film zu zeigen und da wirklich interessante Konflikte mit hineinzubringen." Gefreut habe sie sich auch über seine Dankesrede, in der seine politische Haltung stark zum Ausdruck gekommen sei. "Meine Glückwünsche." (APA)

  • Karl Markovics als einer der "Fälscher" in einer nächtlichen Strandszene
    foto: filmladen

    Karl Markovics als einer der "Fälscher" in einer nächtlichen Strandszene

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