Streit mit den FH-Nachbarn

25. Februar 2008, 10:13
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Ein steirisches Unternehmen und eine deutsche FH bieten in Österreich Fernstudien an - Die heimischen FHs zweifeln an der Qualität

Die Geschäftsführung der FH Joanneum Graz könne „leider keinen Kommentar zur Ingenium Friedrich GmbH abgeben“, teilt die Pressestelle auf Anfrage des Standard mit. Ob das Thema eher unangenehm sei? – „Das ist anzunehmen“, so der knappe Kommentar, der auch die Ansicht anderer FHs zu spiegeln scheint, die nicht Stellung beziehen wollen.

Etwas gesprächiger gibt sich Annette Zimmer, Geschäftsführerin der ebenfalls in Graz angesiedelten Fachhochschule Campus 02. „Grundsätzlich“ folge sie der Argumentation der FH-Konferenz (FHK), die Ingenium Friedrich GmbH betreibe zusammen mit der deutschen FH Mittweida „teilweise unlauteren Wettbewerb“.

Fakt ist, dass besagtes Unternehmen seit einigen Jahren Weiterbildungsangebote in Österreich organisiert, die zum Teil auf Bachelor- und Masterebene abschließen. Das Problem – wenn es nach der FHK geht – ist, dass z.B. der Bachelortitel nicht in sechs Semestern, sondern in der Rekordzeit von drei Semestern erreicht werden kann.

„Nach österreichischem Recht können gleichwertige akademische Titel nur über Studien mit einer deutlich längeren Studiendauer erworben werden“, heißt es in einem Schreiben, das FHK-Generalsekretär Kurt Koleznik vor genau einem Jahr an das verantwortliche Ministerium richtete. „Eine generelle Anrechnung von zwei Studienjahren“, wie es bei den Ingenium-Angeboten teilweise der Fall sei, „ist in Österreich nicht vorgesehen“. Die erwartete ministerielle Reaktion blieb aus, in der FHK zeigte man sich zuletzt resigniert, ohne sich mit der staatlichen „Duldung“ der qualitativ infrage gestellten Ingenium-Studien abfinden zu wollen.

Kein Kurzstudium „Dass verschiedentlich behauptet wird, wir böten ein verkürztes Studium an, ist ganz einfach falsch“, entgegnet Günther Friedrich, Geschäftsführer und Gründer der Ingenium Friedrich GmbH. Zwar gebe es schon Leute, „die das in drei Semestern machen können“, aber das sei nicht generalisierbar.

AHS-Absolventen müssten auf jeden Fall sechs Semester studieren. Anders die Interessierten mit HAK- oder HTL-Matura, denen je nach Studienwahl einzelne Module, deren Inhalte sich mit dem Stoff der absolvierten berufsbildenden höheren Schule überschneiden, erlassen werden. Außerdem, so Friedrich, der das Familienunternehmen mit seinen Söhnen Gerald, Helmut und Stefan führt, gebe es weitere strenge Kriterien. So müssen die Studierenden eine neunmonatige einschlägige Berufspraxis nachweisen. In Einzelgesprächen wird dann individuell entschieden, ob jemandem Einzelmodule erlassen werden und wie viele.

Das Studium selbst wird über Fernlehre betrieben. Pro Monat gibt es einen Präsenztermin, zu dem Professoren der FH Mittweida anreisen. Genau diese Tatsache mache die Attraktivität aus, so Friedrich senior: „Das sind oft Menschen, die nicht die Zeit finden, regelmäßig dem Abendunterricht folgen zu können“, den berufsbegleitende Studien herkömmlicher FHs bieten. Dem stimmt auch die Prorektorin für Bildung an der FH Mittweida, Monika Häußler-Sczepan, zu: „Unsere Studierenden in Österreich sind nur zu acht Prozent im Alter zwischen 21 und 25 Jahren. Wem nehmen wir denn die weg?“ Die Mehrheit sei zwischen 26 und 33 Jahre (44 Prozent) bzw. zwischen 34 und 41 Jahre (31 Prozent) alt.

FHs "zu spezialisiert"

Auch die FH-Mittweida-Kanzlerin Sylvia Bäßler versteht die österreichischen Kollegen nicht: „Wir haben vor zwei Jahren die Gelegenheit genützt und Vertreter der FHs und des Fachhochschulrats (FHR) zu uns eingeladen, um zu zeigen, was wir können.“ Transparenz sei ihr ein großes Anliegen. Die Attraktivität des grenzüberschreitenden Angebots beschränke sich aber nicht auf die Fernlehre. Vielmehr seien die Studiengänge der österreichischen FHs „teilweise zu spezialisiert“, das Mittweida-Angebot weise eine viel größere Breite auf. Der Geschäftsführer des FHR, Kurt Sohm, „ginge nie so weit zu sagen, dieses Angebot ist schlecht“. Jedoch habe der FHR Zweifel geäußert, die über „externe Qualifizierungsmaßnahmen ausgeräumt“ werden sollten, was nicht geschah. Rechtlich sei das Angebot der FH und der Ingenium GmbH natürlich gedeckt, das sei nicht die Frage. „Es spricht auch nicht grundsätzlich etwas dagegen, durch Anrechnungen eine zeitliche Verkürzung herbeizuführen“, meint Sohm. „Es geht dabei nur um den Umfang.“ (Bernhard Madlener/DER STANDARD Printausgabe, 23./24. Februar 2008)

  • Ausländische Anbieter ärgern die heimischen FHs.
    foto: standard

    Ausländische Anbieter ärgern die heimischen FHs.

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