Microsoft: "OpenXML ist ein offener Standard"

16. April 2008, 15:07
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Dokumentenformat wird im zweiten Anlauf die ISO-Standardisierung schaffen, so Jason Matusow - Wenn nicht, dann ist es auch egal

Seit einiger Zeit tobt eine sehr emotional geführte Auseinandersetzung um die Zukunft der internationalen Dokumentenformate. Auf der einen Seite findet sich das Open Document Format (kurz: ODF) welches unter anderem in OpenOffice seinen Einsatz findet und von Unternehmen wie etwa IBM oder Sun präferriert wird. Auf der anderen Seite steht das Office Open XML File Format (Open XML) von Microsoft. Beide Formate wollen sich in der Bürowelt etabliert sehen und in beiden Lagern wird heftig gegen den jeweils anderen argumentiert.

Zweiter Anlauf

Ein wesentlicher Unterschied zwischen ODF und Open XML ist derzeit noch die ISO-Standardisierung. Während ODF selbige schon vorweisen kann, ist Microsoft im ersten Versuch gescheitert. In wenigen Tagen wird der zweite Anlauf genommen und dann soll Open XML nicht nur en ECMA-Standard, sondern auch ein ISO-Standard sein, so hofft man bei Microsoft.

Heiße Phase

In London versammelte sich auf Initiative von Microsoft eine Expertengruppe zum Thema Standardisierung, Open XML und Interoperabilität und gab ihre Sicht der Dinge preis. Es sei demnach keine Frage, dass Open XML ein ISO-Standard sein könne, so der Grundtenor. Man habe sich die Einwände der einzelnen ISO-Mitglieder, die ihre Einwände kundgetan und damit eine Standardisierung in der ersten Wahl verhindert hatten, angesehen und verbessert, nun warte man der Ergebnisse der zweiten Abstimmung.

"Es ist ein offener Standard"

"OpenXML ist ein offener Standard. Wer etwas anderes behauptet, der will nur Verwirrung stiften", so Jason Matusow von Microsoft. Man habe sich zur Standardisierung entschlossen, da dies der Wunsch vieler Kunden vor allem im Bereich Verwaltung war. Es muss sichergestellt werden, dass Behörden alle Dokumente, die von den BürgerInnen kommen, öffnen können", so Matusow. Der aber auch in einem möglichen negativen Entscheid bei der ISO-Standardisierung keinen Nachteil sieht: "OpenXML wurden nach den Anmerkungen und Wünschen der ISO-Gremien adaptiert und ist nun besser als zuvor. Egal, ob es nun zum Standard wird oder nicht."

Übersetzer

Microsoft und andere Firmen hätten, so der Softwarekonzern in London, bereits große Schritte in Richtung Interoperabilität gemacht. Als Beispiel wurde unter anderem der Open XML-ODF Translator, der kostenlos verfügbar ist, genannt. Dieser kann in Microsofts Office, aber auch in andere Anwendungen integriert werden und soll den AnwenderInnen so mehr Auswahl und Möglichkeiten bieten.

Eine friedliche Koexistenz

"Open XML addressiert andere Anforderungen als das OpenDocument Format (ODF), das von IBM und Sun entwickelt und von der OASIS standardisiert wurde - zum ISO-Standard wurde es im November 2006 erklärt. Das Hauptziel von Open XML ist die Abwärtskompatibilität mit den Inhalten und Funktionen von Milliarden Dokumenten, die in der Vergangenheit erzeugt wurden, um sie so weiterhin nutzbar und zugänglich zu machen. ODF ist hingegen im wesentlich darauf konzentriert die Information, die in einer Applikation, nämlich OpenOffice, erzeugt wurde, abzubilden."

Doppelte Unterstützung

Microsoft verweist darauf, dass EntwicklerInnen einen größeren Funktionsumfang und mehr Flexibilität von Open XML im Vergleich zu ODF und anderen Dokumentenformaten schätzen würden. Auch die - kritisierte - ausführliche Dokumentation würde begrüßt. Zudem hätten Firmen wie Novell, Corel, Apple, Microsoft, Sun und zahlreiche andere Anbieter bereits beide Formate adaptiert oder kundgetan, beide adaptieren zu wollen. Somit würden sowohl ODF wie auch OOXML auf den unterschiedlichen Plattformen, darunter Linux, Windows, Mac OS, Palm OS, Java und .NET, laufen.

Breitseite gegen IBM

Die Auseinandersetzung rund um ODF und OpenXML hat auch zu einer härteren Gangart zwischen Microsoft und IBM geführt. So fühlt sich Microsoft von seinem Mitbewerber in eine Schlammschlacht gezerrt - der WebStandard berichtete. In einer Aussendung sieht Microsoft in den "Bemühungen von IBM die ISO-Standardisierung zu blockieren, nicht mehr als einen egoistischen Versuch die Wahlmöglichkeiten am Markt zu beschränken. Und dies ohne Rücksicht auf die negativen Auswirkungen, die damit den KonsumentInnen und dem Markt erwachsen können."

Die Vorteile

Als Vorteile für Open XML nennt Microsoft, dass es von einer Vielzahl von Firmen entwickelt wurde. Zudem soll die Abwärtskompatibilität mit Inhalten und Funktionen in Milliarden existierender Dokumente sichergestellt sein. Der Datenaustausch zwischen Behörden und BürgerInnen, eine wesentliche Treibfeder für die ISO-Standardisierung, soll ebenfalls leichter möglich sein. Auf über 6000 Seiten habe man die Spezifikationen ausführlichst dargelegt und würde somit wesentlich mehr Funktionalität und Flexibilität als ODF bieten können. Microsoft habe zudem eine unwiderrufliche lizenzfreie Nutzung für alle Implementierungen von OpenXML zugesichert.(red)

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