Klub der Nichtchristen-Parlamentarier

24. Februar 2008, 19:55
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Der britische Lord Janner of Braunstone hat ein Netzwerk für muslimische und jüdische Abgeordnete mitbegründet

"Wir sind die einzige Organisation in der politischen Welt, die nur Muslime und Juden als Mitglieder hat", stellt Greville Janner den "Coexistence Trust" vor. Lord Janner of Braunstone, 27 Jahre im britischen Unterhaus, seit 1997 im House of Lords, hat den Trust gemeinsam mit Prinz Hassan von Jordanien vor knapp drei Jahren gegründet. Die Kerngruppe besteht aus Parlamentariern - weshalb Österreich auf der langen Liste der Mitgliedsländer, mittlerweile 54, nicht aufscheint: Hierzulande gibt es keine jüdischen und muslimischen Abgeordnete. Im Mitgliedsverzeichnis der "Trust" sind aber auch jüdische und muslimische Nichtparlamentarier zu finden, das sind die "Patrone".

 

"Niemand hat einen Finger gerührt"

Die Initiative wurde gestartet, erzählt Lord Janner dem Standard, als in Belgrad eine Moschee angezündet wurde und "niemand einen Finger gerührt" hat. Der "Coexistence Trust" versteht sich als Plattform gegen Islamophobie und Antisemitismus. Die Organisation arbeite im Hintergrund, erklärt Janner, das parlamentarische Netzwerk werde ausgenützt, um intervenieren zu können, wann und wo dies erforderlich sei.

Beispiel: In einem Land hätte auf dem Weg über muslimische Parlamentarier die muslimische Gemeinde verhindert, dass ein antisemitischer Sprecher eingeladen wurde. "Trust"-Direktor Samuel Klein ergänzt: Ein Teil ihrer Arbeit bestehe darin, in die verschiedenen Länder zu fahren, Problemfelder zu identifizieren und sie den Verantwortlichen zur Kenntnis zu bringen.

Beendruckt

Von der österreichischen Situation zeigen sich beide nach Besuchen bei jüdischen und muslimischen Gemeindevertretern beeindruckt. Die österreichische Islam-Konferenz von Herbst 2005 könnte als Vorbild dienen, so Klein, um jüdische und muslimische Exponenten zusammenzubringen. Noch eine Konferenz, gibt es nicht schon so viele? Konferenzen können langweilig sein, sagt Lord Janner, der mit knapp 80 vor Energie und Witz sprüht, aber sie bringen die Leute zusammen, zum weiteren "networking".

Janner bestätigt, dass der Idealfall - dass Muslime gegen Antisemitismus und Juden gegen Islamophobie auftreten - eher im religiösen Kontext zu erreichen ist, es wird schwieriger, wenn die Politik, etwa die Politik Israels, mit hereinspielt. Die Anzahl von Extremisten unter den Muslimen in Europa bezeichnet er als "winzig" - wenn auch das Problem als "ernst" -, und gar nichts hält er von den Theorien über den Islam als genuin gewalttätige Religion: "Ich akzeptiere das nicht, es kommt immer auf das Individuum an."

"Kein schlechter Start"

Lord Janner bereitet ein Buch vor, das im Juli herausgekommen soll: zum 150. Jubiläum des Einzugs des ersten Juden in das britische Parlament. Seitdem seien es 200 gewesen. Muslime gebe es momentan vier im Unterhaus und sechs im Oberhaus, "kein schlechter Start" dafür, dass die Gemeinschaft jung sei, meint er. Juden und Muslimen in Österreich rät er: "get moving." (Gudrun Harrer, DER STANDARD, Printausgabe 25.2.2008)

  • Lord Janner of Braunestone.
    foto: hendrich

    Lord Janner of Braunestone.

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