"Therapie-Effekte messen"

24. Februar 2008, 19:09
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Magnetresonanztomografie (MRT) wird nicht nur diagnostisch, sondern neuerdings auch therapeutisch eingesetzt - Im Interview der Radiodiagnostiker Siegfried Trattnig

Ob niedrige Magnetfelder auf abgenutzte Knorpel tatsächlich eine positive Wirkung haben, besprach Regina Philipp mit dem Radiodiagnostiker Siegfried Trattnig. Er wünscht sich, dass neue Methoden wissenschaftlich objektiviert werden.

STANDARD: Was genau passiert bei einer Magnetresonanzuntersuchung?

Trattnig: Der Magnetresonanztomograf ist eine Röhre, in der ein starkes statisches Magnetfeld wirkt. Der Patient liegt darin, und alle seine geladenen Wasserstoffkerne richten sich wie kleine Stabmagnete in eine Richtung aus. Über ein Spule, die um das zu untersuchende Körperteil gelegt wird, werden dann Hochfrequenzwellen in das Gewebe geschickt.

Diese bewirken, dass die kleinen Stabmagnete aus ihrer Orientierung unterschiedlich weit wegkippen. Stoppt man diesen Hochfrequenzimpuls, dann bewegen sich die Stabmagnete in ihre ursprüngliche Position zurück. Diese Rückbewegung erfolgt je nach Gewebe unterschiedlich schnell. Darum lässt sich krankes Gewebe von gesundem so gut unterscheiden.

STANDARD: Sie beschäftigen sich seit Jahren mit Arthrosen. Welche Anforderungen stellen Sie hier an radiologische Verfahren?

Trattnig: Ziel unserer Forschungen war und ist es, Knorpel möglichst gut bildgebend darzustellen. Mittlerweile gibt es MR-Techniken, an deren Entwicklung wir beteiligt waren, mit deren Hilfe sich Proteoglykane und Kollagenfasern, wesentliche Bestandteile des Knorpelgerüstes, sehr gut differenzieren und quantifizieren lassen. Das ermöglicht uns heute eine frühere Diagnose von Gelenksarthrosen und eine Verlaufskontrolle unter medikamentöser und operativer Therapie.

STANDARD: Kann man mit Magnetresonanz Knorpelgewebe in abgenützten Gelenken stärken?

Trattnig: In einer Studie mit Knorpel von Tierpräparaten konnten wir im Routine-MRT keine Wirkung auf Knorpelzellen nachweisen. Stärkere MR-Tomografen zeigten sogar einen vorübergehend hemmenden Effekt auf Knorpelzellen.

STANDARD: Die neue Methode bringt also keine positiven Effekte?

Trattnig: Möglicherweise schon, denn die Geräte, die für Behandlungszwecke verwendet werden, arbeiten mit niedrigeren Frequenzen als das Routine-MRT. Ich kann nicht ausschließen, dass Niederfrequenzwellen auf Knorpelzellen stimulierend wirken. Bisher existieren allerdings nur einzelne tierexperimentelle Studien, die einen schützenden Effekt auf abgenützten Knorpel zeigen.

Interessant wäre, unsere Tierstudien mit diesen MR-Geräten zu wiederholen und den Gehalt von Proteoglykanen im Knorpel unmittelbar am Patienten vor und nach der Therapie zu messen. Wenn die Therapie so gut wirkt, müssten sich die Therapie- effekte ja messen lassen.

STANDARD: Das klingt skeptisch ...

Trattnig: Das ist es, und ich kann ich auch erklären, warum. Verschiedene Firmen erzeugen knorpelaufbauende Präparate, die unmittelbar ins Knie gespritzt wirken sollen. Wir wollten anhand unserer Quantifizierungstechnik nachweisen, ob es tatsächlich zu einem Knorpelaufbau kommt oder nicht. Keine einzige Firma war bisher bereit, den Effekt ihrer angebotenen Präparate durch unsere MR-Technik objektivieren zu lassen. (Regina Philipp, MEDSTANDARD, Printausgabe, 15.02.2008)

  • Zur Person

Siegfried Trattnig ist Facharzt für Radiodiagnostik, ärztlicher Leiter des Kompetenzzentrums für Hochfeld-Magnetresonanz an der Klinik für Radiodiagnostik am Wiener AKH und Projektleiter für das österreichweit einzige Ultrahochfeld-MR.

Als Radiodiagnostiker am AKH Wien, erforscht er die Arthrose mittels moderner MR-Knorpelbildgebung.
    foto: privat

    Zur Person

    Siegfried Trattnig ist Facharzt für Radiodiagnostik, ärztlicher Leiter des Kompetenzzentrums für Hochfeld-Magnetresonanz an der Klinik für Radiodiagnostik am Wiener AKH und Projektleiter für das österreichweit einzige Ultrahochfeld-MR.

    Als Radiodiagnostiker am AKH Wien, erforscht er die Arthrose mittels moderner MR-Knorpelbildgebung.

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