Sündenfall Shopping

24. Februar 2008, 18:16
6 Postings

Judith Levine hat ein Jahr lang nichts gekauft - zumindest nichts, was über das Nötigste hinausging

Eine Kreditkarte, die nichts mehr hergibt, und der weihnachtliche Einkaufswahn bewegten die amerikanische Journalistin Judith Levine und ihren Mann Paul zu einem Selbstversuch: Ein Jahr lang wollen sie ohne Shopping leben. Keine neuen Schuhe, nichts für den Kleiderschrank oder den CD-Player, keine Kinobesuche; ausgenommen sind lediglich Lebensmittel und Dinge des täglichen Bedarfs.

Die Levines, die abwechselnd im Shoppingmekka Manhattan und am Land in Vermont leben, entziehen sich dem Konsumwahn - was ihnen je nach Aufenthaltsort unterschiedlich schwerfällt.

In einer Art Tagebuch erzählt die Autorin mit einer großen Portion Selbstironie von ihren Erlebnissen als Einkaufsverweigerin, den Versuchungen, denen sie zu trotzen hat (was ihr nicht ausnahmslos gelingt) und vom Einfluss des Shoppingentzugs auf ihr und Pauls tägliches Leben.

Auch wenn Levine nicht ohne Sündenfälle auskommt und gelegentlichen "Spontankäufen" erliegt, zieht sie ihre Shoppingabstinenz 365 lange Tage lang durch.

Die Autorin kommt leider nicht ganz ohne die gängigen Klischees aus, dass Frauen unheimlich gern einkaufen würden und shoppen zu gehen glücklich mache. Zudem ist das Buch mit persönlichen Details gespickt, die mit dem Thema nicht viel zu tun haben und die man auch nicht wirklich wissen will. Amüsant geschrieben ist es dennoch.

Conclusio: Ganz ohne shoppen geht es scheinbar aber nicht. (baf, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.02.2008)

  • Judith Levine. No Shopping! Ein Selbstversuch. Verlag Kiepenheuer, Berlin 2007. Preis: 19,80 Euro
    foto: verlag kiepenheuer

    Judith Levine. No Shopping! Ein Selbstversuch. Verlag Kiepenheuer, Berlin 2007. Preis: 19,80 Euro

Share if you care.