Fluggastrechte-Verordnung

25. Februar 2008, 09:38
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Der Anspruch auf Ausgleichszahlung oder Betreuungsleistungen richtet sich danach, ob ein Flug anulliert wird oder verspätet startet

Leider wird Reisenden immer wieder vorgegaukelt, dass es einen "Anspruch" auf Leistungen aus der Fluggastrechte-Verordnung gibt. Dadurch entsteht der Eindruck, dass es für Verspätungen Geld gibt. Ich wollte mit Air France von Wien über Paris nach St. Denis (Reunion) fliegen; das liegt zwar im indischen Ozean, gehört aber zur EU! Meine Frau und ich "strandeten" jedoch in Paris, weil der Anschlussflug von Paris nach Reunion 12 Stunden Verspätung hatte. Das Ticket für den Flug haben wir beim Österreichischen Verkehrsbüro in Wien gekauft. Sowohl der Ticketverkäufer als auch der Flugveranstalter haben somit ihren Sitz in der EU. Somit wäre die so oft zitierte EU-Fluggastrichtlinie anzuwenden.

Nach unserem Urlaub schrieb ich deshalb an das Verkehrsbüro und forderte für die Verspätung eine Entschädigung gemäß Fluggastrichtlinie. Die Antworten: Vom Verkehrsbüro: "Wir sind nur Vermittler". Air France bot für die zwölfstündige Verspätung einen nicht ablösbaren Gutschein über 85 Euro pro Person an.

Mit freundlichen Grüßen, Helmut S., Wien

>>> Das Europäische Verbraucherzentrum sagt dazu: Bucht man einen Flug in einem Reisebüro, so ist dieses tatsächlich bloß Vermittler und haftet nicht für Flugverspätungen oder -annullierungen. Konsumenten sollten sich direkt an die Fluglinie wenden.

Hinsichtlich Ihrer Ansprüche gemäß der Fluggastrechte-Verordnung, ist genau zwischen einer Verspätung und einer Annullierung des Fluges zu unterscheiden! Ein Anspruch auf Ausgleichszahlung besteht nur, wenn ein Flug annulliert wurde und dies nicht auf höherer Gewalt basierte.

Bei einer erheblichen Verspätung hat man Anspruch auf Betreuungsleistungen (Verpflegung, Hotelunterbringung). Beträgt die Verspätung 5 Stunden oder mehr, haben Sie das Recht, nicht zu fliegen und den Ticketpreis rückerstattet zu bekommen. Sollte Ihnen durch die Verspätung ein Schaden im Sinne des Schadenersatzrechtes entstanden sein, kann Ersatz gefordert werden. Dies hat aber nichts mit der Ausgleichszahlung zu tun, die die Fluggastrechte-VO vorsieht. (DER STANDARD/Printausgabe/23./24.2.2008)

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  • Beträgt die Verspätung 5 Stunden oder mehr, haben Sie das Recht, nicht zu fliegen und den Ticketpreis rückerstattet zu bekommen.
    foto: pixelo.de

    Beträgt die Verspätung 5 Stunden oder mehr, haben Sie das Recht, nicht zu fliegen und den Ticketpreis rückerstattet zu bekommen.

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