Kinder als Ware im Bettlergeschäft

Redaktion, 22. Februar 2008, 18:29
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    In Wien soll es keine bettelnden Kinder mehr geben, so lautet der politische Wille. In Graz gibt es sie seit einem gesetzlichen Verbot nicht mehr.

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    Die "Drehscheibe" Norbert Ceipeks bietet Kindern von der Straße Beratung und Hilfe.

Mit Verboten wird gegen "Bettlerkinder" vorgegangen - doch wo liegen die sozialen Ursachen? - Jugendbetreuer warnen auch vor Zwangsprostitution

Wien/Graz - In der Polizeiinspektion Schmiedgasse, die für die Grazer Innenstadt zuständig ist, ist das Thema längst abgehakt. "Kein Problem", sagt einer der Beamten. "Bettelkinder" seien seit langem "keine mehr gemeldet worden".

In Graz wurde Ende 1996 eine damals sehr umstrittene Verordnung beschlossen, die das Betteln von Kindern und "aufdringliches Betteln" untersagt. Jene zwei, drei Familien, die mit ihrem Nachwuchs in der City gebettelt hatten und Anlass für die strenge Verordnung waren, sind längst weitergezogen. Sie sitzen vielleicht heute noch irgendwo in Italien, Frankreich, Deutschland oder Holland mit neuen Kindern auf der Straße. Oder in Wien - aber das soll sich hier jetzt ändern.

Diese Woche endete die Begutachtungsfrist für die Novelle des Wiener Landessicherheitsgesetzes, in der auch in der Bundeshauptstadt das Betteln von Kindern verboten werden soll - "aggressives und organisiertes" Handaufhalten steht in der Wien bereits unter Strafe. Das Gesetz sieht eine Verwaltungsstrafe von bis zu 700 Euro oder eine Woche Ersatzfreiheitsstrafe vor. Im Landtag wird die Regelung voraussichtlich Ende März beschlossen, in Kraft treten soll sie im Juni.

Nach dem Beschluss muss das Gesetz von der Bundesregierung genehmigt werden, da es von der Polizei, einem Bundesorgan, vollzogen wird. Damit seien die geplanten Maßnahmen gegen Bettelei in Wien dann ausgeschöpft, sagt die zuständige Stadträtin Sandra Frauenberger (SP): Ein generelles Bettel-Verbot werde es in Wien niemals geben.

Bettele man mit Kindern, sei der Mitleidseffekt größer und die Passanten in den Wiener Flaniermeilen machten auch mehr Geld locker. "Die Leidtragenden sind dabei immer die Kinder und Babys, die stundenlang ruhig sitzen, beziehungsweise liegen müssen", sagt Norbert Ceipek. Er leitet die "Drehscheibe", das Krisenzentrum des Wiener Jugendamtes.

"Geborgte" Kinder

Ceipek hat täglich mit Kindern zu tun, die von der Polizei aufgelesen und zu ihm in die Wasnergasse 33 gebracht werden. Dort warten die vorwiegend bulgarischen und slowakischen Kinder bis die Eltern sie abholen. Bei Ceipek kommen auch kleine Taschendiebe und "geborgte" Kinder unter: "Ausgeliehen" meist an Schlepper oder andere Leute, bei denen die Eltern Schulden haben. "Die Woche dieser Kinder sieht dann so aus: Wochentags müssen sie stehlen oder betteln gehen, am Wochenende werden sie an Pädophile vermittelt und zur Prostitution gezwungen."

Auch kein neues Phänomen ist, dass Minderjährige Blumen oder Zeitungen auf der Straße verkaufen. 72 (nicht nur bettelnde) Kinder von der Straße kamen im vergangenen Jahr in die "Drehscheibe", 2006 waren es 319, im Jahr davor 700. Die Zahl hat abgenommen, unter anderem, weil Wien mit der Regierung in Bulgarien und Rumänien zusammenarbeitet, wo die Kinder in eigenen Zentren betreut werden.

In Graz kennt man laut Angaben des Jugendamtes derartige krasse Formen der Kinderbettelei und -arbeit nicht. An "verborgte" Kinder könne er sich nicht erinnern, die jungen Bettler oder Musikanten seien stets in Obhut ihrer Eltern angetroffen worden, sagt Vasiliki Argyropoulos von Grazer Jugendamt. Ärztliche Untersuchungen hätten zudem ergeben, dass die Kinder "gut ernährt und gesundheitlich OK" gewesen seien. Agyropoulos: "Roma ziehen in Gruppen durch Europa, der Nachwuchs ist immer mit dabei, eben auch beim Broterwerb, dem Betteln. Den Kleinen gehe es hier im Schnitt besser als in ihren Herkunftsländern."

Hilfe zur Selbsthilfe

In Graz versucht "Armenpfarrer" Wolfgang Pucher daher seit Jahren, in der Slowakei Projekte zur Selbsthilfe auf die Füße zu stellen. Auch Norbert Ceipek hat geholfen, in den Heimatländern Krisenzentren mit Sozialarbeitern aufzubauen. Er schätzt, dass ungefähr 100 Familien mit Kindern täglich betteln. Trotz der Projekten in der Herkunftstaten würden Bettler Teil des Stadtbilds bleiben. Noch lasse sich im wohlhabenden Wien mehr verdienen, als es daheim an Sozialhilfe gebe. (Marijana Miljkovic/Walter Müller/ DER STANDARD, Printausgabe, 23./24. Februar 2008)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 175
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madman
01
25.2.2008, 07:39
ich kann eigentlich das gefälle wien-graz

nicht richtig verstehen. liegt es daran, dass in graz leute wie frau doktor sommer das wort führen?

Frau98
02
25.2.2008, 07:22
Jedes Kind ist schützenswert

Das betrifft auch Kinder die von Erwachsenen zum Betteln gezwungen werden. Und hier sollte es auch wurscht sein, ob das jetzt Roma Kinder sind oder nicht.

Nebenbei: Da müssen die Regierungen der Heimatländer in die Mangel genommen werden.

cludpert
00
24.2.2008, 23:20
ja, nicht sie fallen schon lästig auf die ganzen bettler da. in der einkaufstrasse. und überhaupt,gell.

diese menschen sind sklaven verbrecherischer organisationen, kinder wie erwachsene,ob verkrüppelt oder nicht. die ärmsten unserer momentanen gesellschaft. es sollte uns zu denken geben, das eine solche ausbeutung noch immer existiert; die anwesenheit der bettler nur als störend zu betrachten halte ich für bedenklich.

Flavius
44
24.2.2008, 15:13
Diese Bettler sind verantwortungslose Menschen

Anstatt ihre Kinder in die Schule zu schicken (das müsste eigentlich in der gesamten EU relativ problemlos möglich sein) missbrauchen sie diese zu Bettelei, Diebstahl und schrecken offenbar nicht einmal zurück, sie auf den Kinderstrich zu schicken !

Schon einmal was vom Konzept "Erwerbstätigkeit" gehört ? Da geht man regelmäßig in die Arbeit und bekommt regelmäßig Geld dafür. Wenn man besonders fleißig und ehrgeizig ist, macht man später bessere Arbeit und bekommt mehr dafür bezahlt, das nennt man "Karriere". Das steht - in Europa jedem Menschen offen. Wenn es einmal nicht so gut klappt, hilft einen zwischendruch der Staat mit Sozialhilfe aus. - Nicht nur in Österreich !

An alle Bettler: lasst die armen Kinder in Ruhe und arbeitet !

Liverp00l
 
00
28.3.2008, 10:54
Sie erinnern an Berlusconi.

Seine Thesen zum Thema Armutsbekämpfung sind von gleicher Durchschlagskraft.

Eigentlich ist vieles erstaunlich einfach, nicht wahr?

Wer arm ist sollte mehr arbeiten.
Wer krank ist sollte sich gesünder ernähren.
Wer sich keine Kinder leisten kann sollte keine kriegen.
Wer Frieden möchte sollte sich nicht aufregen.
Wer kriminell ist sollte, ehm, naja artig sein.

die Großmutter
00
16.10.2009, 21:58

gesund ernähren-so falsch finde ich das nicht, arbeiten auch nicht.

Flavius
11
28.3.2008, 15:05
Ich erinnere Sie an Berlusconi ?

Danke ! Ich würde ihn wählen, wäre ich in Italien wahlberechtigt.

Flavius
00
28.3.2008, 21:57
Warum ?

Liverp00l
 
11
28.3.2008, 16:33

ich wünschte sie wären es...

Bodo Ballermann
00
29.2.2008, 10:14

wie ich ihrem posting entnehmen kann, sind sie ein völlig ahnungsloser!
BB

Flavius
00
29.2.2008, 20:20
Und Sie ?

Igor Gassner
210
24.2.2008, 13:52
Die ganze Verlogenheit der Multikulturellen Gesellschaft

kommt da wieder zu Tage denn es ist vorallem ein Roma Problem und das weis so gut wie jeder. Genauer ist es ein Problem der Selbstsicht der Roma ihrer Führungsebenen die oft in kriminellen Strukturen verstrickt sind und auf der anderen seite in den Multikulturellen Plattformen sitzen. Wenn die Grünen und Linken es nicht fertig bringen ein wenig näher der Wahrheit zu leben und auch einmal einen Konflikt mit einer Minderheit zu riskieren da diese eine falsche Weltsicht hat wird man den Menschen nie helfen können.

die Großmutter
00
16.10.2009, 22:01

Vielleicht wollen die Linken und Grünen das garnicht, denn, ich glaube nicht daß die so dumm sind.

Liverp00l
 
10
28.3.2008, 11:03
?

Die aktuelle Situation der Bettler geht wohl eher auf das Konto derer, die Österreich während der letzten Legislaturperioden regiert haben, oder? Hier eine Hausübung:

Zählen Sie auf (oder schlagen Sie nach):

Die Sozialminister, Innen- und Finanzminister der letzten 2 Regierungen. Jeweiliges Parteilogo neben die Namen setzen. Anzahl der Sozialprogramme gegen 1. Armutsbekämpfung und 2. Sozialprogramme für Roma aufzählen.
Abschliessend unterstreichen Sie die Namen der "Grünen und Linken" (*gg*). Je mehr Namen Sie erhalten, desto fundierter ist ihre Meinung.

Viel Erfolg

Ernst Kratochwil
01
28.3.2008, 12:43
Entweder haben Sie nicht verstanden, dass die

Bettler aus dem Ausland kommen oder Sie glauben unsere Sozialgesetze wären für alle Armut in der EU zuständig?

Liverp00l
 
00
28.3.2008, 16:31
seufz

gehts um bettler in österreich? ja oder nein?

Ernst Kratochwil
00
28.3.2008, 19:33
Ja,

die aber aus dem Ausland zum Betteln hierherkommen.




Litschi Monster
01
24.2.2008, 12:16

Na wirklich wahr - kann man einem SPÖ-Wähler doch nicht antun, dass er mal echte Armut sehen muss.

Am besten die Kinder den Eltern wegnehmen, und in ein sozialistisches Gehirnwäschecamp, damit endlich nur mehr Gleichgeschaltene rumlaufen.

yomellamo
00
24.2.2008, 14:31

.. es wird eh schon kräftig für die Gesamt-ganztages-schule geworben.

Varghese
33
24.2.2008, 00:24
Was kann die Polizei eigentlich derzeit dagegen tun?

Mehrmals täglich sehe ich Polizeiwägen auf einer bekannten Einkaufsstraße Wiens herumfahren, die diese Kinder eigentlich sehen müssten... Und die Kinder sind immer dieselben. Man merkt irgendwie überhaupt kein Engagment seitens Kieberei.. Irgendwie steigen die nur aus ihrem Auto, wenns eine Leberkässemmel kaufen gehen..

Woyt'sa Vadshn?
 
02
25.2.2008, 10:15
Also, ich versteh' die Polizisten

Ich würd' in einem grünverseuchten Bezirk, in dem Drogendealerdenkmäler errichtet werden, auch nicht riskieren wollen, dass mir nach einer an sich gerechtfertigten Amtshandlung Menschenverachtung, Rassismus etc. vorgeworfen wird.

Rene Stangeler
011
24.2.2008, 12:23
Nur immer hindreschen

Werter Varghese,man merkt dass sie keinerlei Ahnung von den Verhältnissen in Wien haben.Zum einen sind die, wie sie vermuten nur zum Leberkäsesemmel kaufen in der Gegend herumfahrenden Polizisten derart mit Arbeit belastet (Danke Herr Ex-Innenminister Strasser für den niedrigsten Personalstand der 2. Republik [bei höchster Kriminalitätsrate] in der Exekutive), sprich zwischen 2 Einsätzen vielleicht mal 10 Minuten "nur" durch die Gegend fahren. Zum anderen möchte ich das Wutgeheul hier ("Rassisten, Ausländerhetze") hier hören wenn wirklich rigoros vorgegangen würde. Dümmlich auf schlechtbezahlte und überlastete Beamte hindreschen ist aber, wie sie sehr deutlich bewiesen haben,halt einfacher als sich mit einem Thema auseinanderzusetzen.

georggringer
00
24.2.2008, 00:16

der link zu den aktuellen stellenangeboten unter der story erscheint hier gleich auch unter einem anderen licht. ebenfalls die bezahlte werbeeinschaltung "Arbeit - Meistern Sie alle Herausforderungen"

Samantha Mulder
011
23.2.2008, 20:20

Das ist zwar alles sehr lustig, aber was mit diesen Kindern passiert ist Kindesmisshandlung, und es schafft die nächste Generation von Bettlern.

Diese Kinder sollten ihren "Eltern" — oder ihren Zuhältern — entzogen werden und zur Adoption freigegeben werden, und zwar so früh wie möglich.

Christian Berger
00
24.2.2008, 11:30

Ich gebe Ihnen vollkommen Recht.

Hier sieht man, wie unsere Politik arbeiten. Nur auf den Moment bedacht. Egal welche Partei regiert, ob rot, schwarz, grün, blau, orange,...; es gibt keine Politiker mehr, die den Weitblick haben.

Ein Problem gehört zuerst identifiziert und dann muss eine geeignet Lösung gesucht werden.

Es kann nicht sein, das Betteln an einem Ort zu verbieten, wenn es an einem anderen fortgesetzt werden kann. Das gesellschaftliche Problem bleibt

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