Krimi: Nachricht aus der Hölle

29. Februar 2008, 14:47
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Meine Eltern haben ihn zum Schlafen zu einem Nachbarn geschickt. Deshalb entgeht der kleine Bub der Deportation nach Auschwitz

60 Jahre später spricht Herr Hofmann in Paris mit einer Journalistin von Arte zum ersten Mal über seine Geschichte, die er so viele Jahrzehnte lang verdrängt hat. Nach der Sendung meldet sich eine alte Dame, die einen Brief von Hofmanns ermordetem Vater hütet. Im Kuvert finden sich ein verschlüsselter Text und die unbekannte Partitur einer Operette von Jaques Offenbach. Ein Fund, der ganz offensichtlich sehr viel Geld wert ist. Soweit die Rahmenerzählung. Der TV-Auftritt des alten Mannes setzt eine unheimliche Kettenreaktion in Gang. Die Journalistin, die Hofmann interviewt hat, will ihm helfen, die Partitur zu verkaufen und gleichzeitig eine tolle Story an Land ziehen. Sie fährt nach Deutschland, wo die Musikverlage begierig auf Verhandlungen warten.

Zunächst begreift niemand, dass die Ermordung von fünf Restaurantbesuchern in Frankfurt mit der Geschichte von Hofmann zusammenhängt. Die Journalistin scheint auch am Tatort gewesen zu sein, aber sie ist verschwunden. Hauptkommissar Robert Marthalers Job wird immer aufreibender. Es gibt weitere Tote, der mediengeile Innenminister macht Druck und würde den aufmüpfigen Beamten am liebsten suspendieren. Jan Seghers alias Matthias Altenburg zeichnet in seinem dritten Krimi die Figuren glaubwürdig, mit all ihren Fehlern, ihrem schuldbewussten Wegschauen, wo das Grauen zu unerträglich wird, ihren Vorverurteilungen und speziellen Macken. Eine stimmiger, packender Roman, der Vergangenheit und Gegenwart schmerzlich verbindet, aber auf Klischees verzichtet und zudem über ein Register mit Quellen zum Weiterlesen verfügt. (Ingeborg Sperl, ALBUM/DER STANDARD, 23./24.02.2008)

Jan Seghers, "Partitur des Todes". € 20,50/472 Seiten. Wunderlich, Reinbek bei Hamburg 2008.
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