Projektaufträge als Zukunft für CFOs

22. Februar 2008, 16:46
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Der Umgang mit Zahlen ist längst nicht alles: Als Chief Financial Officer gilt es, den Überblick über ein gesamtes Un­ternehmen zu bewahren

Der Chief Financial Officer (CFO) als kaufmännischer Geschäftsführer und Chef der betrieblichen Finanzen war Thema des aktuellen Karrierenforums. Sieben Expertinnen und Experten diskutierten im Roten Salon des Wiener Palais Trauttmansdorff über "Financial Talents – Die Rolle von CFOs in Unternehmen".

Gundi Wentner, als Partnerin beim Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen Deloitte/Wentner-Havranek verantwortlich für das Talent-Management, machte die Bedeutung der strategischen Personalplanung für jedes Unternehmen klar: Man sichere sich damit gegen die Verlegenheit ab, die passenden Mitarbeiter suchen zu müssen, "wenn diese nicht mehr am Markt sind".

Notwendige Fähigkeiten

Gemeinsam mit Reinhard Kandera, Head of Finance & Investor Relation beim Biotech-Unternehmen Intercell AG, Corinna Fehr, CFO bei Siemens Electronic Tolling, einem internationalen Lösungsanbieter für elektronische Mautsysteme, und Berndt May, Österreich-Chef des Finanzdienstleisters JP Morgan, näherte sich Wentner den notwendigen Fähigkeiten des idealen CFO.

Ebenfalls mit dabei waren Georg Schöppl, Vorstand für Finanzen und Immobilien der Österreichischen Bundesforste AG, sowie Geschäftsführerin Johanna Moder von der Buchhaltungsagentur des Bundes und Josef Schuch, Professor für Finanzrecht am Institut für österreichisches und Internationales Steuerrecht der WU Wien und seit dem Jahr 2000 Partner und Steuerberater bei Deloitte Österreich.

Rollenbild: Herausforderungen und Veränderungen

Standard-Mitarbeiterin Gudrun Ostermann moderierte die Veranstaltung und fragte eingangs nach den künftigen Herausforderungen an den CFO und die Veränderungen seines Rollenbilds. Reinhard Kandera stellte fest, dass der Kapitalmarkt auch in kleinen Firmen Einzug halte: Die Globalisierung mache vor niemandem halt, weshalb auch diese Betriebe nicht mehr nur ihre Hausbank für finanzielle Fragen kontaktieren, sondern aus einer wachsenden Vielzahl an Finanzdienstleistern wählen können.

Die entsprechende Aufstellung der Finanzverantwortlichen entscheide über die Marktperformance, so Kandera – der CFO nehme dabei eine immer wichtigere Rolle ein: "Er übernimmt die Verantwortung für die Zukunft des Unternehmens." Schließlich fordere "die Globalisierung den ständigen Vergleich mit internationalen Mitbewerbern und eine andauernde Neuorientierung an Trends."

Das Geschäft kennen

Johanna Moder als "CFO der Republik Österreich" machte klar, dass ihre Job-Description danach verlange, "das Geschäft sehr gut kennen zu müssen". Er müsse gleichermaßen Bescheid darüber wissen, was bei den Banken und beim Kunden passiert.

So bestätigt auch Berndt May, dass "die Finanzabteilung das operative Geschäft gut kennen" müsse. Dem CFO komme die Aufgabe zu, Geschäftsniederlassungen in unterschiedlichen Ländern zusammen zu führen. In den letzten Jahren, "seit 2000", habe diese Schaltstelle im Betrieb jedenfalls "eine starke Veränderung" erfahren.

Auch wenn es banal klingen möge: Der CFO müsse innerhalb des Unternehmens "Vertrauen schaffen", strich Corinna Fehr hervor. Zentrale Fähigkeit dafür: "Man muss kommunizieren können." Das frühere alleinige Spiel mit geschäftlichen Zahlen habe diese Fähigkeit nicht so stark verlangt: "Zahlen sind überall gleich."

Sprachen

Was Bundes-CFO Moder bestätigte, die in ihrem Arbeitsalltag "viele unterschiedliche Sprachen" verwende, ohne eine Fremdsprache einzusetzen. In der Zusammenarbeit mit Universitäten, mit der Verwaltung oder mit der Wirtschaft sei stets "ein anderes Wording" notwendig. Und für einen CFO sei es einfach unumgänglich, "das, was er sagen will, so sagen zu können, dass es jeder andere versteht".

"Politischer Vergleich"

Der Wandel der CFO-Rolle veranlasste Kandera zu einem Vergleich: "Er ist vom Innenminister des Unternehmens zum Außenminister geworden", so der Intercell-Manager. Was sich auch in den Karrierewegen verfolgen lasse. Kandera: "Der Chief Financial Officer wird immer öfter zum Chief Executive Officer", und damit zum alleinigen Geschäftsführer oder gar Vorstand eines Unternehmens.

Bundesforste-Vorstand Georg Schöppl forderte an dieser Stelle des Karrierenforums "Bodenhaftung" ein. Es gelte in Hinblick auf den steigenden Einfluss des CFOs im Unternehmen und den damit immer weitreichenderen Entscheidungen zu reflektieren, "ob am Ende des Tages etwas übrig bleibt, das sich rechnet".

Jedenfalls aber wolle man keine Leute, "die nur Außenminister sind und nicht mehr rechnen können", plädierte auch Wentner für eine gewisse klassische Orientierung der Stellenausschreibungen. Und Fehr bekräftigte: "Natürlich sind die Hausaufgaben zu machen", man trage schließlich Verantwortung. "Es braucht aber auch Visionen – die sind das Salz in der Suppe."

"Bilanz muss stimmen"

Dass "am Ende des Tages die Bilanz stimmen muss" betonte Moder als Hauptaspekt in der täglichen Ausrichtung des CFO. Was den Finanzrechtler Josef Schuch den Auftrag des Chief Financial Officer auf den Punkt bringen ließ: "Geld verdienen für die Eigentümer" sei seit jeher im Mittelpunkt gestanden. Nur die Art und Weise, wie das geschieht, ändere sich eben. Für Wirtschaftsprüfer, so Schuch weiter, seien CFOs "gute Sparringpartner", deren "verdammte Aufgabe" es sei, "das Unternehmen am besten zu kennen".

In der jüngeren Vergangenheit sei die durchschnittliche Verweildauer eines CFO im Unternehmen dramatisch gesunken. Im Jahr 2006 habe sich in diesem Sinne jeder vierte CFO der "Fortune‘s Top 50" von seinem Dienstgeber verabschiedet. "Rent a CFO", so Schuch, nenne sich ein Trend, der auch in Österreich stark spürbar sein werde: Finanzprofis werden künftig "wie ein Fitnesstrainer" für zeitlich definierte Aufträge geholt "und ziehen dann weiter".

"Es ist sicher nicht schlecht, wenn jemand schon viel gesehen hat", meinte Schöppl, und bezeugte grundsätzlich Sympathien für die Idee der Leih-CFOs. Und auch für ein Unternehmen sei es gut, "wenn immer wieder einmal frischer Wind rein weht". Fehr bezeichnete die projektbezogen agierenden Finanzprofis als "moderne Nomaden". Das Nomadentum in Zusammenhang mit Projektaufträgen grundsätzlich bestätigend, sah May dieses jedoch weniger bei den CFOs: "So operativ" sei die Funktion für ihn nicht. Vielmehr arbeite der CFO intensiv "mit den operativen Leuten zusammen – aber er steuert sie nicht."

Eine Lanze für eine gewisse Portion Idealismus und Verantwortungsgefühl brach Schöppl, indem er noch einmal eine Aussage Schuchs aufnahm: "Bei den Österreichischen Bundesforsten wäre es zu wenig, nur Geld zu verdienen. Wir müssen auf die Natur schauen, die Seen sauber halten und die Nationalparks pflegen".

Hausverstand nützen

In diesem Zusammenhang verwies Schöppl auf "den Oberbegriff der Nachhaltigkeit – den gibt es in der Forstwirtschaft schon seit vielen hundert Jahren". In seinem Fall gelte es, "eine gute Balance" aus allen Anforderungen und Zielen zu finden. "Ratschläge sind wichtig", stellte Fehr am Ende der Diskussion fest, aber dennoch: "Bevor ich mir all zu viele Bücher durchlese, vertraue ich auf meinen Hausverstand", forderte sie die Rückbesinnung auf die menschliche Intuition – auch in Zusammenhang mit der Unternehmensführung – ein. (Bernhard Madlener, DER STANDARD, Printausgabe, 23./24.2.2008)

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    foto: standard/regine hendrich

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