Der Unterschied zwischen Schweiz und Österreich

25. Februar 2008, 17:31
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Charles E. Ritterband, NZZ-Korrespondent, im Wordrap zwischen Wien und Zürich über herben Charme vs. barocke Sinnlichkeit

Was haben die SchweizerInnen, was die ÖsterreicherInnen nicht haben?

Einen herben Charme, der manchmal allzu herb ist. Emanzentümelei, die einem schnell mal auf die Nerven geht. Aber sehr mode- stil- und designbewusst. Manchmal bringt dies eine allzu ausgeprägte Konzentration aufs Äußerliche mit sich.

Was haben die ÖsterreicherInnen, was die SchweizerInnen nicht haben?

Barocke Lebenslust, ja Sinnlichkeit. Humor, flirten gern, sind durchaus ansprechbar. Und oft sehr attraktiv.

Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Österreich und Schweiz?

Größe. Beides kleine Länder. Alle Vor- und Nachteile von Alpenländern (Touristisches Potential der Berge, aber Problem des Transits). Als Alpenländer haben beide Ambitionen im Bereich Ski.

Was unterscheidet Zürich von Wien?

See und Fluss als Lebenszentrum. Bürgerlich-protestantische Schlichtheit der Häuser in der Altstadt. Klein aber Fein. Qualität bis ins letzte, Eleganz und Design, kühneres, originelleres Modebewusstsein. Dominanz der Banken und der teuren Geschäfte. Effizient, aber kalt und spröde.

Was unterscheidet Wien von Zürich?

Reiches Kulturleben - weit überproportional im Vergleich zur Größe der Stadt. In der Altstadt dominieren Barock, Historismus und Biedermeier - Schnörkel, Größe, Pracht einer vergangenen Epoche. Es gibt mehr zu entdecken als in Zürich: Versteckte, nostalgische Zeugen der Vergangenheit - alte Geschäfte, Märkte, Innenhöfe. Gute Luft, und gutes Trinkwasser, erstaunliche Stille in der Altstadt. Fiaker. Die Vorteile einer Metropole von Weltrang - und zugleich eine fast kleinstädtische Beschaulichkeit. Von der Donau abgewandt.

Gemeinsamkeiten zwischen Wien und Zürich?

Beide Städte haben hohe Lebensqualität, Kultur auf höchstem Nivau, saubere Luft und Wasser, exzellente Infrastruktur, sind beide sehr teuer.

Gibt es bestimmte Verhaltensregeln, die ÖsterreicherInnen befolgen sollten, wenn sie mit SchweizerInnen in Kontakt treten?

Sollten den SchweizerInnen offen und direkt begegnen, ohne "Schmäh" und falsche Komplimente. Sie sollten sich von einer gewissen Sprödheit der SchweizerInnen keineswegs abschrecken lassen: Die Beziehungen sind umso ehrlicher und dauerhafter.

Wird die Schweiz oder Österreich bei der EM weiter kommen?

Natürlich die Schweiz.

(rasch, derStandard.at, 24.2.2008)

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