"Als das Morden begann": Annäherung an das Unbeschreibliche

3. April 2008, 17:38
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Geschichte zweier feindlicher Brüder 1994 im ostafrikanischen Staat Ruanda - Film von Raoul Peck - Arte,
21 Uhr

Nahezu eine Million Menschen wurde im Frühjahr 1994 im ostafrikanischen Staat Ruanda Opfer eines Genozids. Dem systematischen Morden war entsprechende Indoktrinierung vorausgegangen – bei jenem Radiosender, der die rassistische Hetze verbreitet, arbeitet der Journalist Honoré, dem sein Bruder noch zehn Jahre später unversöhnt gegenübersteht.

Die Geschichte der beiden feindlichen Brüder ist der dramatische Kern von Raoul Pecks Spielfilm "Sometimes in April/Als das Morden begann", der sich ansonsten um größtmögliche Distanz zur konventionellen Zurechtschrumpfung komplexer Zusammenhänge auf die Ebene von Einzelschicksalen bemüht. Der US-Pay-TV-Kanal HBO hatte das Projekt an den auf Haiti geborenen und unter anderem an der Berliner Filmakademie ausgebildeten Regisseur herangetragen. Nach anfänglichem Zögern investierte er schließlich zwei Jahre Vorbereitungszeit, um Dokumente durchzuarbeiten, Berichte einzuholen und den Film dann in Ruanda mit einheimischen Darstellerinnen und Darsteller zu drehen.

"Als das Morden begann" ist denn auch – anders als der deutsche Titel vermuten lässt – in der Darstellung von Gräueln ganz zurückhaltend. Vielmehr entwickelt er ein atmosphärisch dichtes, breit aufgefächertes Bild. Und er lässt die Geschichte nicht 1994 enden, sondern nimmt sie vielmehr von 2004 aus in den Blick – auf dass, so Peck, der Film "ein Werkzeug sei", für die Gegenwart, und auch und gerade für das Land, von dem er erzählt. (Isabella Reicher/DER STANDARD, Printausgabe, 22.2.2008)

  • Differenzierte Vergangenheitsbewältigung: Raoul Pecks Spielfilm handelt vom Völkermord in Ruanda anno 1994.
    foto: arte

    Differenzierte Vergangenheitsbewältigung: Raoul Pecks Spielfilm handelt vom Völkermord in Ruanda anno 1994.

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