Neue Bö in den Segeln

27. Februar 2008, 12:50
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Der Rechnungshof kriti­sierte in einem zweiten Bericht die EU-Förder­vergabe an die Segel-WM am Neusiedler See - Die Landes-FPÖ fordert nun einen Untersuchungsausschuss

Eisenstadt - Irgendwie geht sich's schon aus. Irgendwo kommen wir schon z'samm. Irgendwann wird's schon wieder gut werden.

So ungefähr ließe sich der - geradezu prototypische - Befund des burgenländischen Landesrechnungshofes zum Konkursfall "World Sailing Games 2006" auf dem Neusiedler See zusammenfassen. Nachdem der Rechnungshof schon vor längerem die nicht nur freihändige, sondern vor allem blauäugige Vergabe von Landes- und Bundesförderungen an die Veranstalter gegeißelt hatte, hat er nun die europäische Dimension unter die Lupe genommen. Und siehe, auch hier lief es, wie Workflow-Experten es seit langem ausführlich beschreiben: Alles, was schiefgehen kann, geht auch schief.

Es geht um eine Direktförderung der europäischen Kommission in der Höhe von 221.148 Euro, zweckgewidmet für die Abwicklung des Volunteers-Programms. Die dafür vorgesehene "koordinierende Stelle" war das beim VP-Landeshauptmann-stellvertreter ressortierende Landes-Jugendreferat, das darüber hinaus noch eine "lebende Subvention" in Form einer Bediensteten gewährte, die als "Kontaktperson" fungierte, deren "Verantwortlichkeiten, Zuständigkeiten und Weisungsrechte bei der Projektdurchführung weitgehend ungeklärt" blieben, wie der Rechnungshof kritisiert.

Hauptkritikpunkt der Prüfer war allerdings ein eklatanter Verstoß gegen die Förderbestimmungen. Da das Geld aufs Geschäftskonto des Veranstalters kam und nicht, wie eigentlich vorgesehen, auf das eines Treuhänders, ging diese Förderung in der Konkursmasse auf - immerhin 70.311,70 Euro hätten nämlich nach der erfolgten Abrechnung zurückgezahlt werden müssen.

Am Mittwoch befasste sich auch der Kontrollausschuss des burgenländischen Landtages mit der Materie. Danach meldete sich des- sen Vorsitzender, FPÖ-Chef Johann Tschürtz, mit der Forderung nach einem Untersuchungsausschuss zu Wort. "Nachdem beide involvierten Regierungsmitglieder erklärten: ,Wir waren nicht Veranstalter, sondern lediglich Unterstützer'", sei es offensichtlich, dass kein Interesse an Aufklärung bestehe.

Beinahe zeitgleich informierte eine der zwei - VP-Tourismuslandesrätin Michaela Resetar, der zweite ist SP-Landeshauptmann Hans Niessl als Sport-Landesrat - via Presseaussendung die Medien. Titel: "Segel-WM 2006 war aus Marketingsicht für Bgld. erfolgreich: Segelparadies Neusiedler See wurde erfolgreich beworben." Um dann dem Rechnungshofpräsidenten Franz Katzmann - der sich zur Zeit vehement gegen eine geplante Übersiedlung ins Landhaus, "in den Schoß der Exekutive" wehrt - anzudrohen: "Die Fußball-EM bietet eine Chance, die Internationalisierung unserer Gästeherkunftsmärkte weiter zu forcieren."

Zuweilen ist der Standard ein Schalk. Deshalb fragte er in der roten Reichshälfte an, ob die SPÖ eventuell einem Untersuchungsausschuss zustimmen würde. Wie aus der Pistole geschossen kam die Antwort: "Ja! Wir verlangen volle Aufklärung!" Auf gezieltere und die Landes-FPÖ verweisende Nachfrage hieß es: "Das ist Sache des Landtages." (Wolfgang Weisgram, DER STANDARD Printausgabe 22.02.2008)

  • Im Mai 2006 segelten sie auf dem Neusiedler See um die Wette. Und nun geistert die WM quasi als Fliegender Holländer herum.

    Im Mai 2006 segelten sie auf dem Neusiedler See um die Wette. Und nun geistert die WM quasi als Fliegender Holländer herum.

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