Schwarz-Grün soll der CDU Hamburg sichern

24. Februar 2008, 16:51
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Bürgermeisterwahl in der Hansestadt: Ole von Beust (CDU) dürfte Mehrheit verlieren - Patt wie in Hessen droht

Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) dürfte bei der Wahl am Sonntag seine Absolute verlieren. Wegen der starken Linken droht ein ähnliches Patt wie in Hessen. Retten könnte sich von Beust mit Schwarz-Grün.

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„Da isser! Ach herrje, der ist ja viel kleiner als im Fernsehen. Aber gut schaut er aus.“ Das Damenkränzchen im Hamburger Shopping-Center ist entzückt. Dass Ole von Beust (CDU) nichts sagt, sondern nur lächelt und Autogramme verteilt, tut der Freude keinen Abbruch – so nahe war man noch nie am Bürgermeister dran. Und auch von Beust mag solche Termine. Immer noch wird er von den Hamburgern als strahlender Held verehrt, schließlich gilt er als „Drachenbezwinger“. 2001 koalierte er noch mit der rechtspopulistischen Partei des Richters Ronald Schill. Doch als dieser von Beust wegen dessen Homosexualität erpressen wollte, warf ihn von Beust blitzartig aus der Koalition. Das verschaffte ihm so viele Sympathien, dass von Beust seit 2004 allein regieren kann.

Doch nun brauen sich über seinem schönen Rathaus dunkle Wolken zusammen. „Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit, und neues Leben blüht aus den Ruinen“, steht da in goldenen Lettern im Phönix-Saal. Von Beust lächelt: „Aktuell seh ich nichts stürzen“, sagt er und verweist auf die Bilanz Hamburgs: Der Haushalt ist ausgeglichen, es gebe so viele Firmengründungen wie nie und Hamburg habe den größten Zuwachs von sozialversicherungspflichtigen Jobs in Deutschland. Zu möglichen Koalitionspartnern will er sich gar nicht äußern: „Ich kämpfe mit aller Kraft für meine absolute Mehrheit.“ Doch hinter verschlossenen Türen rechnet man hektisch. Umfragen sagen den Verlust der Absoluten voraus.

Wunschpartnerin für diesen Fall wäre die FDP. Doch diese schafft vielleicht auch diesmal den Einzug in die Hamburger Bürgerschaft nicht oder bekommt ein so schwaches Ergebnis, dass es für Schwarz-Gelb nicht reicht. Um eine große Koalition zu vermeiden, müsste von Beust also mit den Grünen koalieren, was nicht gänzlich unvorstellbar ist.

Rüge für „Kohle von Beust“

Die Grünen kritisieren den Bürgermeister zwar wegen dessen Absicht, ein Kohlekraftwerk zu bauen, als „Kohle von Beust“, sind aber auch nicht grundsätzlich abgeneigt. Denn ein solches Bündnis wäre auf Landesebene das erste in Deutschland und würde ein Jahr vor der Bundestagswahl sowohl CDU als auch Grünen neue Optionen eröffnen. Von Beust zählt ohnehin zum liberalen CDU-Flügel und distanzierte sich während des hessischen Wahlkampfes deutlich von den Anti-Ausländer-Tönen seines Kollegen Roland Koch.

Apropos Hessen. Eines eint alle Hamburger Parteien: Die Angst vor „hessischen Verhältnissen“ aufgrund eines ganz knappen Wahlergebnisses. Denn wie in Hessen Ende Jänner, wird die Linkspartei auch in Hamburg den Sprung ins Parlament schaffen – wegen der aktuellen Steueraffäre möglicherweise mit zweistelligem Ergebnis. Dann könnte es auch für Rot-Grün nicht reichen.

Dieses Bündnis strebt SPD-Spitzenkandidat Michael Naumann an. Der Ex-Kulturstaatsminister hat vor neun Monaten extra seine Mitherausgeberschaft bei der Zeit ruhen lassen, um der zerstrittenen Hamburger SPD zu helfen. Er kämpft für einen Mindestlohn, will aber nicht um jeden Preis Bürgermeister werden: „Ich werde mich auch nicht mit den Stimmen der Linkspartei zum Bürgermeister wählen lassen“, stellte er am Donnerstag klar.

Diese Strategie der hessischen SPD-Chefin Andrea Ypsilanti sorgt derzeit ja in Berlin für Aufregung. Ypsilanti plant, sich von SPD, Grünen und Linken zur Ministerpräsidentin wählen zu lassen und dann Neuwahlen auszurufen. Der rechte SPD-Flügel warnt Parteichef Kurt Beck, der dieses Vorhaben billigt. Mit den Linken dürfe es überhaupt keine Kooperation geben, nicht einmal in Form von Wahlunterstützung. (Birgit Baumann aus Hamburg/DER STANDARD, Printausgabe, 22.2.2008)

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    Sowohl SPD-Mann Michael Naumann als auch Ole von Beust (CDU) könnte am Sonntag das Lachen vergehen. Das Erstarken der Linken erschwert wahrscheinlich die Suche nach Koalitionspartnern.

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