Fußmarsch für die Menschenwürde

24. Februar 2008, 17:00
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Der 7.000-Kilometer- Marsch von Franz X. Lahmer und Willi Triml soll auf die Leprakranken im Senegal aufmerksam machen

Es bedarf einer ordentlichen Portion Idealismus, um sich für sieben Monate auf einen 7.000 Kilometer langen Weg quer durch Europa und Afrika zu begeben und damit auf Menschen aufmerksam zu machen, die eigentlich im öffentlichen Bewusstsein keinen Platz haben. Franz Xaver Lahmer und sein Freund Willi Triml haben ausreichend davon, um sich auf das Abenteuer einzulassen. Am 14. April 2008 wollen sie den ersten Schritt für einen Kraftakt setzen, der Menschen eine Stimme geben soll, die normalerweise still leiden. Ihr Projekt "Weg der Freundschaft" wird sie in sieben Monaten Groß-Rust nach MBalling im Senegal führen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Franz Lahmer in den Senegal reist - aber es ist zum ersten Mal, dass er per pedes dorthin gelangen will. Bereits dreimal hat er die Menschen im Lepradorf MBalling besucht, zuletzt im November 2007, von damals hat er auch Fotos mitgebracht, die die Menschen hinter der Krankheit mit dem verstörenden Namen zeigen. Lepra. Das kennt man als Geißel des Mittelalters, die es eigentlich nicht mehr gibt. Die Wahrheit ist, dass Lepra nach wie vor eine der häufigsten Infektionskrankheiten in Entwicklungsländern ist, obwohl sie mit Mitteln der modernen Medizin gut zu behandeln wäre. Laut WHO leiden etwa 2,5 Millionen Menschen weltweit daran. Lepra gilt als Krankheit der Armen, weil sie durch schlechte Wohnverhältnisse, Mangel an sauberem Trinkwasser und unzureichende Hygiene leicht übertragen wird. Unter- oder Fehlernährung sind daran schuld, dass die Betroffenen kaum oder keine Abwehrkräfte entwickeln können, mangelhafte oder fehlende medizinische Versorgung erledigen den Rest.

Der Wunsch, etwas zu tun

"Das Bedürfnis zu helfen, hatte ich ab meinem ersten Besuch ich MBalling im Herbst 2005", sagt Lahmer. "Die Menschen, die Armut, Krankheit und Hunger trotzen und dennoch außergewöhnlich gastfreundlich und höflich sind, zogen mich in ihren Bann und haben mich bis heute nicht losgelassen". 1978 entstand die Idee zur "Leprahilfe Senegal". Ehrenamtlich engagieren sich seither zahlreiche Menschen für das Projekt in MBalling. Günter Hainzl, seit 1997 Leiter des seit 2002 in Österreich eingetragenen Vereins, brachte Franz Lahmer 2005 in Kontakt mit dem Projekt in MBalling. Seither engagiert sich Lahmer für die Menschen im Lepradorf.

"Um zu helfen und zu berichten entstand der „Weg der Freundschaft“. Willi Triml und ich starten am 14. April um 14 Uhr von meinem Wohnhaus in Groß-Rust zu diesem 7000 Kilometer langen Benefiz-Fußmarsch. Bis Ende November möchten wir beim Haus von Thierno Diop in MBalling ankommen. Thierno ist ein leprakrankter Freund, den ich seit meiner ersten Reise nach Senegal kenne und der mich fast täglich bei meinen Rundgängen durchs Dorf begleitet", erklärt Lahmer die genauen Pläne. "Der Fußmarsch führt uns quer durch Österreich, Italien, Frankreich und Monaco bis nach Gibraltar, wo wir auf den afrikanischen Kontinent mit dem Schiff übersetzen werden. Dort führt die Reise weiter durch Marokko, die Westsahara und Mauretanien und endet schließlich in MBalling. Wir wollen versuchen, möglichst die gesamte Strecke tatsächlich zu Fuß zurückzulegen. Lediglich wenn uns Regierungen, beispielsweise aus Sicherheitsgründen, verbieten, gewisse Abschnitte zu Fuß zurückzulegen, müssen wir zwangsweise auf Auto oder Schiff umsteigen."

Hilfe zur Selbsthilfe

"Ziel dieses Fußmarsches quer durch zwei Kontinente und neuen Länder ist, die Öffentlichkeit auf die Lebensumstände dieser Menschen im Senegal und in anderen Teilen Afrikas aufmerksam zu machen. Vielleicht können wir ein wenig beizutragen, das Leben für diese Menschen menschenwürdiger zu machen", sagt Lahmer. Die Leprahilfe Senegal bringt 100 Prozent der Spenden persönlich zu den Menschen. Verwendet werden die Spendengelder unter anderem für Brunnenbauten, Schulbildung sowie für die Errichtung von Häusern und sanitären Anlagen. Außerdem werden mit dem Geld Netze für die Fischer gekauft. Angesichts der Tatsache, dass die Fischereierträge zdrastisch urückgegangen sind, ist dies ein wichtiger Beitrag, um der Hungersnot entgegenzuwirken.

"Es wäre schön, wenn sich Menschen finden würden, die uns ein Stück des Weges begleiten. Immer mehr Freunde haben schon jetzt angekündigt, dabei sein zu wollen. Wenn wir gemeinsam zehn Millionen Schritte schaffen und Sponsoren viele dieser Schritte mit je einem Cent unterstützen, wäre dies ein tolles Ergebnis", sagt Lahmer. "Alles Geld, das nach Abzug der tatsächlichen Projektkosten übrig bleibt, kommt zur Gänze leprakranken Menschen im Senegal und unserer neuen Kinderhilfs-Organisation dimbale.com – benefits for kids' zu Gute. Es gibt viele Möglichkeiten zu helfen, um diesen Menschen und vielen Kindern unter ärmsten Verhältnissen ein menschenwürdiges Dasein mit Aussicht auf eine Zukunft zu ermöglichen." (ham)

>>> Zur Ansichtssache von Franz Xaver Lahmer über MBalling, Senegal.

Weitere Informationen:
Leprahilfe Senegal
soulfoto. com - Informationen, Presseberichte uvm. über das Projekt von Franz Lahmer
world7000.com - Offizielle Web-Seite von "Weg der Freundschaft" - auch unter dimbale.com
  • Schon früh werden die Kinder mit den der Betreuung ihrer jüngeren Geschwister betraut. 
Mehr Bilder über das Leben in MBalling gibt es in der Ansichtssache.
    foto: franz xaver lahmer

    Schon früh werden die Kinder mit den der Betreuung ihrer jüngeren Geschwister betraut.
    Mehr Bilder über das Leben in MBalling gibt es in der Ansichtssache.

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