Neues Wiener Großspital: Standort für Bauvorhaben ist fix

21. Februar 2008, 18:56
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Krankenhaus Wien-Nord soll als High-Tech-Spital auf der Brünner Straße errichtet werden - mit Grafik

Das Beste zuerst: Nach diesem Motto startete die Wiener SPÖ am Donnerstag ihre alljährliche Klubklausur in Rust am Neusiedler See. Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely verkündete stolz ihre Standortentscheidung für das neue Krankenhaus Nord – und bekam prompt Lob, sogar von der Opposition.

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Rust – Die kommunalpolitischen Knaller hebt sich die rote Stadtregierung meist für ihre zweitägige Klubtagung im burgenländischen Rust auf. Im vergangenen Jahr kündigte Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely für 2015 die Schließung des Geriatriezentrums Lainz an, am Donnerstag präsentierte sie den neuen Standort für das Krankenhaus Nord: die Brünner Straße 68–70 in Wien-Floridsdorf.

Einen Tag vor der Klubtagung, am Mittwoch, wurde das Angebot des Konsortiums der Firmen Porr, Siemens und Vamed angenommen. Diese erwarben auch das 120.000 Quadratmeter große Grundstück von den ÖBB und werden für die Errichtung des Spitals verantwortlich sein. Die ehemaligen Werkshallen in der Brünner Straße werden demnächst abgerissen, noch vor dem Sommer soll ein EU-weiter Architekturwettbewerb starten. Baubeginn ist 2010 mit einer Bauzeit von drei Jahren. Das Krankenhaus, das Finanzstadträtin Renate Brauner als "Hightech-Spital mit Wohlfühlcharakter" bezeichnete, soll eines der modernsten in Europa werden. Gleichzeitig will Wehsely damit auch "die größte Umstrukturierungsphase einleiten, die der Krankenanstaltenverbund (KAV) jemals hatte".

Konkret bedeutet das, dass nicht nur das Krankenhaus Floridsdorf in das neue Haus übersiedeln wird. Auch die Semmelweis-Frauenklinik und das Orthopädische Krankenhaus Gersthof sollen im 21. Bezirk eine neue Heimat finden. Die zuletzt heftig kritisierte Psychiatrische Abteilung des Otto-Wagner-Spitals wird ebenfalls umziehen, genauso wie ein Teil der Kinder- und Jugendheilkunde aus dem Wilhelminenspital und die Herzchirurgie, Kardiologie und Teile der Neurologie aus dem Krankenhaus Hietzing. Das Preyer'sche Kinderspital soll ins Kaiser-Josef-Spital übersiedeln. Durch die neue Verteilung sollen die elf KAV-Krankenhäuser mit den verbleibenden Abteilungen zu Schwerpunkthäusern werden.

Das Krankenhaus Nord mit 19 Abteilungen wie etwa der Unfallchirurgie, der Gynäkologie, Pulmologie, Thoraxchirurgie und anderen, soll seine 850 Betten ausschließlich in Ein- und Zweibettzimmern unterbringen. Laut Brauner wird das Spital 605 Millionen Euro kosten.

Verkehrsanbindung wichtig

Ausschlaggebend für den Standort in Floridsdorf sei unter anderem die "gute Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln" gewesen, sagte Wehsely. Dort fahren die Schnellbahnlinie_3, die Straßenbahnlinien 30 und 31 sowie drei Busse der Firma Dr. Richard.

Da werde man noch nachbessern müssen, sagte die Verkehrssprecherin der Wiener Grünen, Ingrid Puller: "Die S3 fährt nur alle 30 Minuten", kritisierte sie. "Zu jedem neuen Standort gehört auch ein begleitendes Verkehrskonzept", sagte Bürgermeister Michael Häupl dazu.

Ansonsten gab es zur Standortentscheidung Lob von den Grünen, der FPÖ, dem Patientenanwalt sowie der Gewerkschaft. Die grüne Gesundheitssprecherin Sigrid Pilz sagte, sie halte die Brünner Straße für einen "brauchbaren Standort". Der Prozess der Entscheidungsfindung, die langen Verzögerungen – das alles habe "nicht die Billigung der Grünen". (Marijana Miljkovic, DER STANDARD - Printausgabe, 22. Februar 2008)

  • Die Gründe der ÖBB an der Brünner Straße in Wien-Floridsdorf: Anstelle von Parkplätzen, Werkshallen und Gstätten, soll ab 2013 eines der modernsten Spitäler Europas stehen.
    foto: derstandard.at/regine hendrich

    Die Gründe der ÖBB an der Brünner Straße in Wien-Floridsdorf: Anstelle von Parkplätzen, Werkshallen und Gstätten, soll ab 2013 eines der modernsten Spitäler Europas stehen.

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    foto: bohman/kav
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