Wiens Fremdenführer kritisieren "katastrophale Infrastrukturmängel"

3. April 2008, 20:52
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Unter anderem werden mehr Toiletten gefordert - Gratisführungen anlässlich des Welttages der Fremdenführer

Wien - Anlässlich ihres 19. Welttages haben Wiens Fremdenführer am Donnerstag "katastrophale Infrastrukturmängel" in der Bundeshauptstadt angeprangert. Vereinspräsidentin Bibiane Krapfenbauer-Horsky kritisierte in einer Pressekonferenz vor allem das Fehlen öffentlicher Toiletten und fremdsprachiger Informationen, aber auch den Mangel an vernünftigen Ein- und Ausstiegsmöglichkeiten für Bustouristen.

Aus Anlass des Welttags der Fremdenführer gibt es am Donnerstag auch Gratisfühungen. Heuer steht der Stephansdom im Mittelpunkt, mit gleich drei verschiedenen Touren. Geboten wird eine Innenführung, eine Führung "im Schatten von St. Stephan" sowie eine Tour durch das Dom- und Diözesanmuseum. Zusätzlich gibt es eine Blindenführung im Wien Museum. Dabei können ausgewählte Objekte wie ein römisches Kanalgitter, Abgüsse gotischer Fürstenfiguren oder ein Geschützrohr aus den Franzosenkriegen berührt werden.

"Wirklich eine Katastrophe"

Zur derzeitigen Situation in Wien, erklärte Krapfenbauer-Horsky, amerikanische Pensionisten auf Luxus-Donaukreuzfahrt müssten an Obdachlosen vorbei in die U-Bahn-Toilette am Stephansplatz geführt werden: "Es ist wirklich eine Katastrophe." Zwar gebe es eine Anlage in der Hofburg, doch seien die Kapazitäten vor allem an Damen-WCs viel zu gering.

Krapfenbauer-Horsky zählte auch weitere Missstände auf: So gebe es rund um die Wiener Weihnachtsmärkte kaum Baby-gerechte Strukturen. Es komme daher vor, dass die umworbenen italienischen Gäste ihre Kinder bei Eiseskälte auf der Parkbank im Freien wickeln müssten. "Wenn wir damit werben, müssen die Grundbedürfnisse erfüllt sein", betonte sie.

Zu wenig fremdsprachige Beschilderungen

Auch fremdsprachige Beschilderungen oder Speisekarten seien Mangelware. Aus diesem Grund könne sie etwa ihre französischsprachigen Kunden nicht ins Kunsthistorische Museum schicken, so die Vereinspräsidentin.

Unglücklich sind die geprüften Fremdenführer auch mit den Strukturen für die Autobusse rund um die Innenstadt. So dürften die Busse am Schwedenplatz nur zum Aufnehmen der Fahrgäste halten, was zu einem Gedränge oft mehrerer Hundert Menschen auf einem kleinem Gehsteig mit wenig Sitzgelegenheiten und ohne Regenschutz führe. "Das nehmen die Menschen mit, das ist ihr letzter Eindruck", so die Fremdenführerin.

Nicht konzessionierte Konkurrenz

Auch die nicht konzessionierte Konkurrenz macht den Wiener Fremdenführern zu schaffen. Vor allem beim Markt der Touristen aus dem asiatischen Raum sei dies ein Problem, und das Marktamt kontrolliere nur wenig. Zusammen mit der Wirtschaftskammer will man nun verstärkt Aufklärungsarbeit leisten. (APA)

Treffpunkt für die Dom-Führungen ist das Pfarrcafé im Curhaus, 1., Stephansplatz 3. Von 10.00-16.00 Uhr startet alle zehn Minuten eine Gratisführung. Der Eintritt ins Dom-Museum erfolgt zum Gruppenpreis.

Kontakt für die Blindenführung: Sigrid Massenbauer, Telefon 0664-1609214)
  • Gratisführungen entlang der Wiener Ringstraße wurden anlässlich des "Welttages der Fremdenführer" angeboten.
    foto: wien tourismus

    Gratisführungen entlang der Wiener Ringstraße wurden anlässlich des "Welttages der Fremdenführer" angeboten.

  • Bibiane Krapfenbauer-Horski (Bildmitte), Präsidentin des Vereins der geprüften Wiener Fremdenführer, übte bei einer Pressekonferenz massive Kritik an den Infrastrukturmängeln in der Bundeshauptstadt.
    foto: derstandard.at/gedlicka

    Bibiane Krapfenbauer-Horski (Bildmitte), Präsidentin des Vereins der geprüften Wiener Fremdenführer, übte bei einer Pressekonferenz massive Kritik an den Infrastrukturmängeln in der Bundeshauptstadt.

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