Leiberltausch, die Zweite

20. Februar 2008, 22:10
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Roland Düringer als Scheinehemann: Die Neuauflage der "Blackaustria"-Kampagne holt sich prominente Unterstützung

Letztes Jahr machten in Österreich lebende, schwarze Menschen erstmals mit auffälligen Plakaten und provokanten T-Shirt-Aufdrucken wie "Drogendealer" oder "Sozialschmarotzer" auf sich aufmerksam. Mit der Kampagne "Blackaustria" wiesen sie auf gängige Vorurteile und Diskriminierung hin. Nun geht die Kampagne in die zweite Runde, und neben Erweiterungen des T-Shirt-Projektes wird es nun auch Kino- und TV-Spots geben.

Um die Öffentlichkeit so gut wie möglich auf die bereits bestehende T-Shirt Kampagne aufmerksam zu machen, haben nun fünf allgemein beliebte Prominente unentgeltlich ihr Gesicht an 'Blackaustria' verliehen. "Ich kann das Vorurteil ausziehen - Schwarze Menschen können's nicht" - unter diesem Motto präsentieren Roland Düringer, Dodo Roscic, Herbert Prohaska, Lukas Resetarits und Kristina Sprenger Stereotype wie "Scheinasylant" und "Taschendieb". Eeinige T-shirts wurden mit Autogrammen versehen. Die signierten Leiberln werden im Internet versteigert, um Geld für weitere Aktionen zu sammeln.

Kamera ab

Obwohl das gesamte blackaustria-Team unentgeltlich arbeitet, ist die Finanzierung des Projektes nicht einfach. Blackaustria bezieht keine staatlichen Förderungen und ist daher komplett auf Sponsoren, Spendengelder und die Einnahmen aus dem T-Shirt-Verkauf angewiesen. Trotz finanzieller Hürden sind 2008 aber noch weitere Initiativen geplant. Zu den 1000 Plakaten, die die bekannten Gesichter der prominenten Unterstützung zeigen, kommen auch ein Kino- und ein TV-Spot hinzu: Die Animation einer Figur, die sich ein T-Shirt mit dem Aufdruck ‚Wer spüren will, wie schwer Vorurteile wiegen, kann sie jetzt tragen’ auszieht - begleitet von österreichischer Volksmusik.

Neuzuwachs

Für die diesjährige Kampagne holte sich das ‚Blackaustria’ Team Verstärkung aus Graz. Mou Poh a Hom war fünf Jahre lang Vorsitzender des MigrantInnen-Beirats in Graz sowie Leiter des dortigen Afrika Zentrums und hat viel Erfahrung mit Projektarbeit im Bereich Integration. Er möchte gemeinsam mit dem Blackaustria Team auch heuer darauf aufmerksam machen, dass Menschen mit Migrationshintergrund Unternehmer, Intellektuelle und Künstlerinnen sein können - und im Alltag trotzdem als Taschendiebe, Drogendealer oder Scheinehemänner wahrgenommen werden.

Am 16. Mai soll es zudem im Rahmen der Wiener Festwochen eine Ausstellung der Fotoaktion ‚Schwarz-Weiss’ zu bestaunen geben. Blackaustria-Fotograph Philipp Horak hat die Kamera an Kinder mit Migrationshintergrund weiter gegeben und diese gebeten, ihren Alltag zu fotografieren.

Wer sich traut, kann es den Prominenten nachmachen - und am eigenen Leib spüren, wie es sich anfühlt, durch sein Aussehen aufzufallen. (Madeleine Geibel, derStandard.at, 20.02.2008)

  • Roland Düringer als "Scheinehemann"
    fotos: blackaustria

    Roland Düringer als "Scheinehemann"

  • Herbert Prochaska als Taschendieb

    Herbert Prochaska als Taschendieb

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