Highlife auf der Uni

28. Februar 2008, 17:56
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Der neue Trendsport im Pop: afrikanische Musik. Vampire Weekend aus New York und Mahjongg aus Chicago üben ihn aus

Dass sich afrikanische Musik gegenwärtig wieder einmal auf die In-Listen des westlichen Pop verirrt, kündigte sich schon vergangenes Jahr mit Arbeiten der jungen und jüngeren US-Bands The Dirty Projectors, Yeasayer, Extra Golden oder etwa auch den britischen Foals an. Nicht nur Stile wie Soukous, Juju oder Highlife wurden in ihrer ohnehin traditionellen Brechung mit westlichen Einflüssen zitiert. Fela Kuti oder Youssou N'Dour als große, wichtige und vielzitierte Vertreter afrikanischer Popmusik waren und sind ja alles andere als Traditionsbewahrer.

Es ging und geht bei diesen neuen US-Bands immer auch um das postmoderne Zitat des Zitats. Hier wird (vielleicht mit Ausnahme des Quartetts Extra Golden) also weniger aus den Quellen geschöpft. Hier geht es darum, einfach zu Hause den Wasserhahn aufzudrehen.

Daraus sprudeln dann nicht nur Paul Simons Graceland oder die Solowerke Peter Gabriels unter besonderer Berücksichtigung der afrikanischen Phase von David Byrne und den Talking Heads (Fear of Music, Remain in Light) - was im Falle des New Yorker Quartetts Yeasayer auf All Hour Cymbals dann gar zu einem Wannenbad im reinen Ethnokitsch führt, dem Elton-John-Musical König der Löwen.

Mit dem titellosen Debüt der New Yorker Jungakademiker Vampire Weekend um die beiden musikalischen Köpfe Ezra Koenig und Rostam Batmanglij (XL Recordings/Edel) und dem neuen Album der aus Chicago kommenden Art-Punks Mahjongg (K Records/Trost) aber erreicht der neue Minitrend jetzt tatsächlich eine Qualität, der man sich trotz aller Befürchtungen einer kurzfristigen Retrowelle kaum verschließen kann. Dafür ist die gebotene Musik einfach zu eigenständig und originell. Vampire Weekend beschränken sich in ihren äußerst kurz gehaltenen Songs auch nicht darauf, die spiralförmigen Gitarrengirlanden und den polyrhythmischen Duktus einfach nachzustellen, sondern benutzen afrikanische Musik als Grundlage für eine heitere und sanfte Weltsicht, die vor allem auch auf Humor baut. Neben David Byrne und Paul Simon und teilweise auch Sting und The Police muss hier als zusätzlicher Mentor ihrer Kunst immer wieder auch der große alte New Yorker, nun ja, Blödelbarde Jonathan Richman erwähnt werden. Dessen verschmitzter Zugang und eine Liebe zu lustigem Vaudeville stehen bei Songs wie Mansard Roof, Oxford Comma oder Walcott sehr wohl auch im Vordergrund.

Dazu wird über grammatikalische Probleme, gemeine Uni-Professoren oder Peter Gabriel und die "Colors of Benetton" gesungen. Dennoch, man muss diese Band mit ihrem unbedingten Willen, den sonst streng der Lederjacke oder der Disco verpflichteten New Yorker Popkontext mit sonnendurchfluteten Dreiminütern aufzubrechen, sehr ernst nehmen. Eine heitere Band, die nicht lustig sein will.

Zügiger und mehr dem Freak-out verpflichtet ist hingegen Kontpab, das zweite Album des Chicagoer Kollektivs Mahjongg auf dem verdienten Independent-Label K Records. Vor allem live soll es laut Augenzeugen recht heftig und unberechenbar zur Sache gehen. Auf CD versucht die Band, harten, strengen 80er-Jahre-Dance-Punk, wie er etwa auch vom ungleich erfolgreicheren LCD Soundsystem geboten wird, mit afrikanischer Polyrhythmik und Drogenexperimenten zu verbinden, wobei zwingende Tracks wie der Opener Pontiac herauskommen. Eine ziemlich wilde und mitreißende Sache. Demnächst auch in Ihrem Club. (Christian Schachinger / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.2.2008)

  • Das New Yorker Quartett Vampire Weekend verbindet auf seinem CD-Debüt jugendlichen Übermut mit afrikanischem Pop Marke David Byrne und Talking Heads.
    foto: xl recordings

    Das New Yorker Quartett Vampire Weekend verbindet auf seinem CD-Debüt jugendlichen Übermut mit afrikanischem Pop Marke David Byrne und Talking Heads.

  • Auch Mahjongg aus Chicago haben Afrika in ihrem Programm.
    foto: k records

    Auch Mahjongg aus Chicago haben Afrika in ihrem Programm.

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