Die Neuen im Quartier

22. Februar 2008, 17:00
  • Der schöne Raum wird jetzt von den Betreibern des Restaurants "Tancredi" bespielt.
    foto: gerhard wasserbauer

    Der schöne Raum wird jetzt von den Betreibern des Restaurants "Tancredi" bespielt.

  • Skeptiker dürfen beruhigt sein: Die Küche, darunter so Handfestes wie Schweinshaxel-Ragout, ist immer noch besser als im Rest des MQ.
    foto: gerhard wasserbauer

    Skeptiker dürfen beruhigt sein: Die Küche, darunter so Handfestes wie Schweinshaxel-Ragout, ist immer noch besser als im Rest des MQ.

Wer im Museumsquartier ordentlich essen will, für den bleibt das Restaurant im Hof des Architekturzentrums die beste Adresse - Auch nach dem Auszug von Una

Das Urteil der "Neuen Zürcher Zeitung", wonach das Restaurant beim Architekturzentrum der "vielleicht schönste Ort des neuen Wiener Museumsquartiers" ist, hat auch heute, sieben Jahre nach der Eröffnung, seine Gültigkeit. Das liegt an der Architektur des französischen Duos Lacaton/Vassal und dem traumhaft verfliesten Deckengewölbe sowie an der malerischen Stimmung, den der Gastgarten im stillsten Hof des Museumskomplexes im Sommer zu vermitteln vermag. Ganz entscheidend war wohl auch die Küche, die sich stets deutlich vom sonstigen Angebot im MQ abzuheben wusste. Seit ein paar Wochen aber ist Una Abraham, wie berichtet, in die nahe Burggasse übersiedelt. Das nunmehr "Milo" genannte Restaurant wird jetzt von Alexandra und Peter Neurath betrieben. Als Eigentümer des "Tancredi" in Wien-Wieden bringen sie beste Referenzen mit, wenn auch nicht ganz so vornehme, wie das bei den Eselböcks ("Taubenkobel") gewesen wäre - die hatte man sich im Architekturzentrum als Idealbesetzung gewünscht.

Mix aus Wiener und mediterraner Küche

Von der angekündigten Küchenlinie, in der von einer Konzentration auf Fisch die Rede war, ist zwar nicht gar so viel übrig geblieben, dennoch bezieht die "Milo"-Speisekarte durchaus deutlich Stellung. Küchenchef Bernd Ecke, der bei Herbert Malek im "Bauer" Souschef und zuletzt im Biedermeier-Puppenhaus "Zu ebener Erde und im ersten Stock" Küchenchef war, setzt auf einen Mix aus Wiener und mediterraner Küche. Das klingt jetzt weit öder, als es schmeckt.

Die klare Fischsuppe mit Safran und Geigenrochenraviolo etwa ist eine wunderbar dichte, mit ordentlich Fettaugen geschmückte Essenz, die Einlage bietet mit geschmeidigem Teig und hocharomatischer Fülle beste Unterhaltung, dazu gibt es noch ein Scheibchen zart pochierte Jakobsmuschel - mehr als ordentlich. Schweinshaxelragout mit Rosmarin-Polenta-Nockerln ist nicht nur eine mutige Vorspeise, sie bringt die Freude am Schlabber, der diese Extremität nun mal ausmacht, auch überaus fein papriziert auf den Teller - großartig. Das Kalbsbutterschnitzel dagegen gerät viel zu salzig, das Rucolapüree dazu ist bestenfalls lauwarm. Ricotta-Basilikum-Ravioli mit sautiertem Mangold und fein akzentuierter Weißweinsauce sind dafür tadellos, das kurz und scharf gebratene Gemüse sogar richtig gut. Dazu kann aus zwanzig offenen Weinen und einer ganz brauchbaren Auswahl an Flaschenweinen gewählt werden. (Severin Corti/Der Standard/rondo/22/02/2008)

"Milo"
Museumsplatz 1
1070 Wien
Tel.: (01) 523 65 66
Mo-Sa 11.30-14.30 und 17.30-23 Uhr, davor Frühstück, dazwischen kl. Gerichte, So 10-18 Uhr
VS € 3,60-10,20 HS € 7,80-19,80

Fotos: Gerhard Wasserbauer
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11 Postings
war gerade am samstag dort

mir war das essen etwas zu fad - vor allem für die doch saftigen preise habe ich mir mehr erwartet. die ravioli waren etwas zu fest, dafür das gemüse unterwürzt und was oben auf dem bild zu sehen ist, ist nicht wirklich das was serviert wird. vielleicht hilft es ein stadtbekannter gourmetkritiker zu sein. ; ) als vorspeise waren die fünf stück allerdings in ordnung. das lamm war ganz okay, aber ein ansonsten unspektakuläres couscous gericht. das esterhazy parfait stimmte versöhnlich, der raum selbst ist natürlich sehr sehenswert, vor allem die zickige chefin ist eine herrliche kopie aus desperate housewifes. aber dafür genügt auch ein espresso.

Schlabber

... sie bringt die Freude am Schlabber, der diese Extremität nun mal ausmacht ...
Entschuldigung, ich versteh nur Bahnhof.

Sie sind eben ein Gastronomie-Sprech-Laie!

Als solchener - womöglich noch dazu der deutschen Sprache mächtig - haben Sie hier nichts mitzureden: "nullo" wie der Autor dieser Kolumne wohl sagen würde, nachedem er ausgeschlabbert hat.

Herzelichst
Ihr Lappe

jede wette dass du noch nie a haxl ghabt hast

Doch.

Früher hab i Haxl wie a Hendl ghabt, aber seit i regelmäßig ins Fitnesscenter geh ...

...müssens trotzdem keine sau worden sein

zur erklärung: so ein schweinshaxel besteht in der hauptsache aus (dicker) haut und knochen. wobei erstere durch langes sieden tatsächlich weich wird, und zwar, wegen des hohen collagen-gehalts, auf höchst schlabbrige, gallertige weise. das finden manche menschen, hauptsächlich franzosen, aber auch steirer (klachlsuppe) echt gut.
ziemlich extrem, stimmt. die extremitäten wiederum haben gar nichts aus der norm gehendes an sich. wenns nicht wissen, worum es geht: wiki hilft

de.wikipedia.org/wiki/Extremität

Danke, ich weiß Ihre Mühe zu schätzen. Aber Sie hätten mir mehr geholfen, wenn S' mir erklärt hätten was ein Schlabber is. Darüber schweigt sich Wiki aus.

geh bitte

habs doch grad erklärt. sie wollen nicht verstehen, oder?

Das Wort "Schlabber" existiert nicht.

Ausnahme: in C.s Infantilsprach-Hirnhälfte vielleicht...

Herzelichst
Ihr Lappe

Das also ist ein Schlabber. Danke, Herr Corti.

zufällig

war ich letzte woche dort. im großen und ganzen tadellos, bis auf den tintenfisch mit leichter gummikonsistenz.

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