Von Paris nach Abu Dhabi

29. Februar 2008, 14:40
posten

Die "artparis" kündigt zum Jubiläum eine weitere Expansion an

Paris – Während deutsche Kunstmessen abgesagt werden, hat die zeitgenössische Kunstmesse "artparis" im letzten Herbst eine Zweitmesse in Abu Dhabi gegründet und erwägt, ab 2009 in China eine dritte Messe zu lancieren.

Selbstbewusst feiert die zweitgrößte französische Kunstmesse artparis ihren zehnten Geburtstag. Vom 3. bis 7. April erwarten im Pariser Grand Palais einhundert Aussteller aus achtzehn Ländern zirka 40.000 Besucher. Rund 40 Prozent der Galeristen kommen aus dem Ausland: Ernst Hilger vertritt Österreich. Weitere Aussteller kommen aus den USA, Italien, Deutschland, Belgien, der Schweiz, Spanien, Schweden, Holland, Monaco und China.

In der Folge der ersten erfolgreichen Messe artparis-abudhabi vom 23. bis 27. November 2007, reisen je eine tunesische, iranische und syrische Galerie an. Etwa fünfzehn Galeristen zeigen nur Fotografie, darunter La Navire aus Brest, die eine One Man Show des französischen Fotografen und Malers Jacques Bosser präsentiert. Als kulturellen Brückenschlag zum Vorderen und Mittleren Orient bieten die artparis-Organisatoren eine nicht kommerzielle Ausstellung unter dem Titel Traversées, wo Werke von zwanzig zeitgenössischen Künstlern vom Mittelmeerraum bis nach Indien zu sehen sind. Der langjährige Direktor des Pariser Institut du Monde Arabe, Brahim Alaoui, zeichnet für deren Auswahl verantwortlich. Die Teilnahme von Stars, wie des in Algerien geborenen Franzosen Kader Attia, sowie Mounir Fatmi und Mouna Hatoum, steht bereits fest.

Die Qualität der artparis verbessert sich von Jahr zu Jahr, da immer mehr französische und internationale Spitzengalerien an der Messe teilnehmen. Der Konkurrenzabstand zur Pariser Herbstmesse Fiac (Foire internationale d’art contemporain), aber auch zu anderen modernen und zeitgenössischen europäischen Messen wird immer geringer.

Deswegen werden die Organisatoren der artparis, Caroline Clough-Lacoste, Henri Jobbe-Duval und Henri Faraut im Mai konkrete Verhandlungen mit der südchinesischen Stadt Schenzhen (westlich von Hongkong) aufnehmen, um auch dort eine artparis-Kunstmesse zu gründen. Diese könnte erstmals im Mai 2009 stattfinden.

Im Hinblick auf die Krise der deutschen Kunstmessen beweisen die expansiven Initiativen der Franzosen umso mehr Optimismus. Indirekt profitiert artparis auch vom deutschen Mangel an Qualitätsbewusstsein und Dynamik, was zur Absage der heurigen dc duesseldorf contemporary führte, die vom 17. bis 20. April geplant war, sowie zur Einstellung der von der Koelnmesse organisierten Art Palma (auf Palma di Mallorca) – mangels eines "ausreichenden Entwicklungspotenzials". Wozu noch die bis jetzt erfolglose Suche nach einem neuen Leiter der Art Cologne kommt. Der persönliche Einsatz der artparis-Leiter, die an der Betreibergesellschaft France Conventions finanziell beteiligt sind und in einem ziemlich kleinen Team arbeiten, machen die Pariser Messe extrem kompetitiv. (Olga Grimm-Weissert / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.2.2008)

  • Die Fotogalerie La Navir zeigt Arbeiten von Jacques Bosser.
    foto: bosser

    Die Fotogalerie La Navir zeigt Arbeiten von Jacques Bosser.

Share if you care.