Volksfest von Weltformat

29. Februar 2008, 14:40
posten

Beeindruckendes Niveau auf der Arco in Madrid: Die Qualität der Objekte steht hier klar vor dem Einnahmen-Kalkül

Eine Messe wie ein Volksfest, bei dem sich Kunst nahezu von selbst verkauft.


Madrid – In Madrid scheren sich Lourdes Fernández, ihr Kuratoren- und Messe-Team nicht im Geringsten um das in Deutschland ewig breitgetretene Problemchen, die Messe sei zu groß, zu ausstellerstark, man müsse gar schrumpfen. Warum auch, wenn die Qualität stimmt?

In den zwei neuen Hallen haben seit dem 13. Februar rund 250 Aussteller aus 30 Ländern ihren Auftritt. Wo man auch hinschaut, vergeblich sucht das Auge nach den Schmuddelecken, denen abzulesen ist, dass hier die Einnahme der Standmiete und nicht die Qualität der Kunst Priorität hatte. Kurz und gut: Das Arco-Niveau 2008 ist beeindruckend.

Dem Sekundärmarkt, wenn auch hochkarätig bespielt mit spanischen Bluechips wie Picasso oder Tàpies, kommt längst eine Nebenrolle zu, klar geht hier die internationale Contemporary und Emerging Art in Führung. Dahinter steckt vor allem Durchsetzungsvermögen. "Die Qualität ist gut", erklärt der lang erprobte Arco-Aussteller Michael Janssen aus Köln, "weil hier wieder viele Spanier rausgeschmissen wurden. Es sollte eben keine lokale oder nationale Messe mehr werden." Janssen hat großformatige Arbeiten mitgebracht, darunter einen hochglänzenden, begehbaren, fast standgroßen Bodenschmuck aus buntem Kunststoff von Peter Zimmermann (120.000 Euro), und ein großformatiges Acrylgemälde von Jin Meyerson (110.000 Dollar), aber auch Gutes für weniger betuchte Sammler (ab 600 Euro).

Aus Österreich kamen Ernst Hilger, Krinzinger, Nächst St. Stephan, Georg Kargl und Ropac, aus Deutschland über zwanzig Teilnehmer. Die rund 40 spanischen Galerien, die in diesem Jahr nicht mehr zugelassen wurden, haben sich der vor einem Jahr aus der Taufe gehobenen Parallelveranstaltung "Art Madrid" angeschlossen, um so das Aufkommen der vielen Sammler für sich zu nutzen.

Für Georg Kargl (Wien), nun zum sechsten Mal dabei, ist die Arco mit ihren rund 250.000 Besuchern einfach nach wie vor "das klassische spanische Volksfest". Sein Stand mit raumbezogener Kunst, darunter Positionen wie Gerwald Rockenschaub und Chris Johanson, war gleich auf der Preview ein Publikumsmagnet für professionelle Sammler und schaulustige VIPs. Für Ernst Hilger, heuer zum vierten Mal dabei, war es "die beste Arco überhaupt. Die Ziele, die wir uns gesteckt haben, sind erreicht, Künstler wie Daniele Buetti (bis 24.000 Euro) und Ivana Franke (ca. 7000 Euro) haben wir komplett ausverkauft, gut außerdem Asgar/Gabriel und Angel Marcos (8000 bis 24.000 Euro). Die Verkäufe gingen nach Europa. Deutschland hat keine vergleichbare Messe mehr, denn Köln hat den Anschluss verloren", zieht Hilger den Vergleich und bewertet die Arco, mit Ausnahme von Basel, als die wichtigste Messe Europas.

Gastland Brasilien

Fernández Lourdes sieht ihre Messe als Tor nach Lateinamerika und wird diesen Schwerpunkt weiter ausbauen. Dieses Jahr wurde Brasilien als Gastland mit dreißig Ausstellern eingeladen, denen sämtliche Kosten komplett von der brasilianischen Regierung erstattet wurden. Für die Galerien dieses Landes ist es äußerst schwierig, einen florierenden Kunstmarkt, der international konkurrenzfähig sein kann, zu entwickeln, denn die Steuern, die beim Verkauf von Kunstwerken anfallen, belaufen sich auf 100 Prozent. Casa Triângulo aus São Paulo, außerdem Aussteller bei der Frieze und der Art Basel Miami, kommt seit elf Jahren zur Arco. "Diese Messe ist für uns eine große und sehr wichtige Plattform", erklärt Monica Barcelos von Triângulo, "vor allem auch, weil es unter den spanischen Umständen so viel einfacher ist, Kunst zu verkaufen." (Bettina Krogemann / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.2.2008)

  • Bei Georg Kargl Fine Arts, Wien, Blickfang im Zentrum: Vierteilige Installation von Chris Johanson, ohne Titel, 2007, 55.000 Euro.
    foto: georg kargl fine arts

    Bei Georg Kargl Fine Arts, Wien, Blickfang im Zentrum: Vierteilige Installation von Chris Johanson, ohne Titel, 2007, 55.000 Euro.

Share if you care.