Rechtshänder mit links

29. Februar 2008, 14:40
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"Novii Russki" - ein in der Galerie Konzett gezeigter Einblick in den Russland-Zyklus von Lukas Pusch

Bereits einen provokanten Titel wählte Lukas Pusch, geboren 1970 in Wien, für seine Ausstellung. Er widmet sie niemandem anders als derjenigen, die ihn beinahe am Zeichnen hinderte. "Hommage an Bianca Lehrer" so der Titel der Schau, die zwei seiner Werkzyklen zeigt, so wie Cover-Entwürfe zu einer noch in Planung befindlichen Zeitschrift für moderne Kunst und einzelne Ölmalereien.

Ein Zyklus besteht aus Linkshandzeichnungen des Rechtshänders; doch handelt es sich nicht um ein Künstlerexperiment, etwa nach Matthew Barney, sondern schlicht und einfach um eine Notlage, da ihm bei einem Autounfall mit der im Titel so trotzig erwähnten Bianca Lehrer die Finger seiner Arbeitshand gebrochen wurde. Die Zeichnungen - in seinem üblichen Stil, der Verbindung von Grafik und Text, sie erinnern ein wenig an die neueren Werke von Günter Brus - wirken nicht nur durch die Verwendung der ungeübten Zweithand aggressiver und impulsiver; als wäre ihm seine sonst so demonstrativ vorgetragene Coolness am Abgrund angesichts seiner zeitweiligen Behinderung doch ein wenig abhanden gekommen.

Der zweite große, aus Zeichnungen und Foto-Collagen bestehende Bildzyklus beschäftigt sich mit Kenia, wo sich Lukas Pusch lang aufhielt und auch dabei half, einen (Slum-)Lokalsender aufzubauen. Es soll sich um "freie Assoziationen" des Künstlers handeln. Auf die Zeichnungen des Zyklus mag dies auch zutreffen, doch die Bildunterschriften, mit denen er die Fotos versah, auf denen er sich wie ein arroganter Kolonialherr mit weißem Smoking, Gummistiefeln und Zigarre im Slum in Szene setzte, sind vom Künstler geschickt gewählt.

Der sich an das Erbe der Wiener Aktionisten anlehnende Künstler provoziert geschickt: Mit aus Werbung und Medien entlehnten Slogans als Bildunterschriften reibt er dem Betrachter den arroganten Westler im afrikanischen Slum wie Salz in die Wunden. Er, der heimliche Samariter, will hier nicht seinen eigenen Ruf gründlich ruinieren, sondern er tut dies in seiner selbst gewählten Funktion als Symbol der westlichen Kultur. Einst musste man nur den Anzug weiß bepinseln, um Aktionist zu sein, doch auch heute noch gibt es Archillesfersen zu treffen. (mlim / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.2.2008)

Galerie Konzett, Spiegelgasse 21, 1010 Wien. Bis 29. 2.

Link: www.artkonzett.com

  • Lukas Pusch setzte sich in "Novii Russki"  künstlerisch wie auch politisch kritisch mit der Situation des ehemaligen Sowjetstaats auseinander.
    foto: galerie konzett

    Lukas Pusch setzte sich in "Novii Russki" künstlerisch wie auch politisch kritisch mit der Situation des ehemaligen Sowjetstaats auseinander.

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