Elsner attackiert Bawag-Richterin

21. Februar 2008, 08:48
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Helmut Elsner entging nach Verbalattacken - "Während Sie abtanzten, habe ich hart gearbeitet" - knapp seinem Rauswurf

Am 71. Tag des Bawag-Prozesses entging Helmut Elsner nach Verbalattacken gegen Richterin - "Während Sie abtanzten, habe ich hart gearbeitet" - und Opposition gegen den Staatsanwalt knapp seinem Rauswurf.

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Wien - Nach der ebenso aufsehenerregenden wie sensationsarmen Einvernahme von Ex-BKA-Chef Herwig Haidinger, war für den 71. Tag des Bawag-Prozesses ein ruhiger Gartenspaziergang angesagt. "Ich frage die Angeklagten quer durch den Gemüsegarten", kündigte Richterin Claudia Bandion-Ortner an; danach sollte dann Ex-Treasury-Chef und Ex-Refco-Manager, Thomas Hackl, befragt werden (siehe untenstehenden Artikel). Es kam anders. Die Verhandlung erlaubte einen Blick auf Helmut Elsner, wie er leibt, lebt und zürnt.

Zunächst wurde ein Vorfall aus dem Jahr 2000 erörtert. Damals wurde ein Treasurer vom Vorstand fristlos entlassen - weil er, wie Richterin und Staatsanwalt erfragten, seine Risikoklassen überschritten hatte. Der Vergleich mit dem jahrelangen Festhalten des Vorstands an Investor Wolfgang Flöttl, dem die Angeklagten vorwerfen, er habe sich nicht an Risikovorgaben gehalten, schwebte im Raum, unausgesprochen.

Wenig später war man wieder einmal in Japan und beim Yen angelangt (Flöttl setzte nur auf den fallenden Yen und verlor damit das gesamte Bawag-Geld). Die Ex-Banker beteuern stets, sie hätten sich beim Yen "nicht ausgekannt", 1998 dachten sie aber über die Gründung einer Vermögensverwaltungsgesellschaft in Japan gemeinsam mit Flöttl nach. "Warum kamen Sie auf Flöttl?", fragte die Richterin Elsner - und brachte ihn damit zum Explodieren.

"So geht das nicht, Frau Rat, jetzt werde ich Ihnen einmal etwas sagen. Ich fühle mich verhöhnt, ich kann mich einfach an Details nicht mehr erinnern. Sie sind vielleicht 39 oder 40, und haben in den Seitenblicken erzählt, nach dem Gericht gehen Sie abtanzen. Ich habe, während Sie abgetanzt haben, hart gearbeitet. Ich bin 2002 in Pension gegangen, geistig und körperlich erschöpft."

An dieser Stelle gelang es der Richterin, den in beachtlicher Geschwindigkeit aus Elsner hervorbrechenden Wortschwall zu stoppen. "Gewöhnen Sie sich einen anderen Ton an, Herr Elsner, Sie sind hier vor Gericht, und ich habe lange Geduld gehabt. Mäßigen Sie sich, ich möchte nicht streiten, so geht das nicht", rückte Sie die Rollenverteilung wieder zurecht. Nicht für lange - das nächste Mal richtete sich Elnsers Zorn aber gegen den Staatsanwalt.

Beinahe-Rauswurf

Die Rede war auf die Gemälde Flöttls gekommen, die ja in einem Kunstdepot am Flughafen Zürich-Kloten ihrer Verwertung entgegenlehnten. Warum sich Elsner in der Kommunikation mit der Klotener Sicherheitsgesellschaft "so sehr involviert hat", wollte Georg Krakow von Elsner wissen. Eine Frage, gegen die selbiger heftig opponierte - was ihm fast den Rauswurf bescherte.

"Herr Elsner, der Herr Staatsanwalt stellt die Fragen, Sie antworten. Ich verwarne Sie ausdrücklich gemäß Paragraf 234 StPO. Wenn Sie nicht ein besseres Benehmen zeigen, dann sind Sie draußen." Zur Erklärung: Die Richterin bezog sich auf den so genannten Fuchs-Paragrafen: Benimmt sich ein Angeklagter ungebührlich (wie Franz Fuchs mit seinen Schreien "Es lebe die BBA" im "Briefbombenprozess") kann er vorübergehend oder fürs gesamte Verfahren aus dem Saal gewiesen werden.

So weit kam es nicht, nach einer Pause versuchte Elsner eine Entschuldung: "Herr Doktor Schubert hat gesagt, ich war zu heftig. Dafür will ich mich entschuldigen. Aber ich bin der Einzige, der in U-Haft sitzt, und Sie haben mir einmal vorgeworfen, ich würde eine Krankheit erfinden, die keiner kennt." Die Richterin nahm es "zur Kenntnis".

Zweite wichtige Erkenntnis des Tages, in Bezug auf Psychogramm und Verhalten der Angeklagten: Dank Bandion-Ortner-Frage weiß man jetzt, dass Flöttl "nicht immer schon so schnell geredet hat wie heute". Flöttl: "Als ich aus den USA kam, verstanden mich meine Eltern nicht, jetzt versteht mich meine Ehefrau nicht mehr", klärte er auf. Nachsatz: "Das schnelle Reden wäre die beste Ausrede für die Bawag: Dafür, dass sie mich nicht verstanden haben." (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.02.2008)

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